Sonntag, 3. Dezember 2017

Zahlungsmittel und Kreditkarten

Während der Snob darauf bedacht ist seine in Asien handgefertigte Brieftasche mit allerlei Pla­tin-Kre­dit­kar­ten zu füllen, deren Kredit­li­mi­te ohne­hin überzogen sind, benötigt der Mann von Welt seine Kredit­kar­te wirklich in erster Linie zum Bezahlen und vielleicht noch, um die eine oder andere Ver­si­che­rungs­­leistung in Anspruch zu nehmen. Es gibt im Wesentlichen vier Kredit­kar­ten­fir­men, die weltweit flächen­deckend vertreten sind. Es sind dies Master Card, Visa, Ameri­can Express und Diners Club.
Die kleinste Firma mit aber immer noch 13 Mil­lionen Akzeptanzstellen ist Diners Club. Damit dürfte sie auch gleichzeitig die exklu­siv­ste Firma sein, sofern man bei einem Kre­dit­kartenunternehmen überhaupt von „exklu­siv“ sprechen kann, denn der Sinn dieser Un­ter­nehmen ist ja nur gegeben, wenn diese welt­weit möglichst flächendeckend ver­füg­bar sind. Ein Vorteil beim Diners Club ist je­doch der kostenlose Zugang zu weltweit etwa 450 Air­port­lounges, allerdings erst ab einem jährlichen Mindestumsatz von €5000.
Die beiden größten Kreditkartenfirmen, Ma­ster Card und Visa, kennt inzwischen jeder, zumal ihre Kar­ten beim Unterhalt eines Bank­­kontos häufig als Zusatzleistung an den Kunden abgegeben werden. Da­durch besitzt praktisch jeder einigermaßen solvente Bank­kunde eine Kreditkarte einer der beiden Fir­men, die außerdem das Logo seiner aus­stel­lenden Bank ziert. Master Card und Visa ha­ben auch die größte Zahl an Ak­zep­tanz­stel­len, d.h. man kann mittlerweile in fast jedem Super­markt mit den beiden Karten einkau­fen. Seit einiger Zeit bietet vor allem Master Card auch sog. Prepaid Karten an, d.h. der Kunde be­zahlt einen gewissen Betrag auf das Kartenkonto und erhält ein Kreditlimit in der gleichen Höhe. Ein Bankkonto oder eine Schufa-Auskunft werden nicht benötigt.
Zwischen den Extremen liegt American Ex­press, eine Firma die ursprünglich als Reise­büro fungierte und neben der American Ex­press Kreditkarte in verschiedenen Aus­füh­rungen und mit unterschiedlichen Zu­satz­­leistungen vor allem Reisedienstleistungen be­reit­stellt. Auch die hauseigene Kreditkarte wird in er­ster Linie als gehobenes Reise­zah­lungs­mittel ver­standen.
Der Vollständigkeit halber soll noch die der Master Card verwandte Maes­tro-Karte er­wähnt werden, die nach Ein­stellung des Eu­ro­cheque-Service zu einer elektronischen Be­­zahl­karte weiterentwickelt wurde. Sie wird traditionellerweise nicht als Kreditkarte gezählt, ist sie doch di­rekt an das Bankkonto des Eig­ners gebun­den, wird heute jedoch innerhalb Europas fast wie eine Kre­dit­karte ein­gesetzt.
Wer auf der Suche nach einem exklusiven Zahlungsmittel ist, denkt dabei vor allem an diverse Platin- und Premiumkarten der o.g. Kartenaussteller. Aber auch die exklusivste Premiumkarte erfüllt zunächst nur den bana­len Zweck des Bezahlens und wird, wie heu­te üblich, durch ein elektronisches Lesegerät ge­zogen. Nach einigen Wartesekunden druckt das Gerät einen Papierstreifen aus, unter welchen der Kunde seine Unterschrift setzt. Damit ist der Bezahlvorgang im we­sent­lichen abgeschlossen. Durch die elek­tro­ni­sche Abrechnung über einen Zentral­com­pu­ter kann der Einzelhändler praktisch jede beliebige Kredit- und Bezahlkarte akzep­tie­ren. Es spielt keine Rolle, wer die aus­stel­len­de Bank oder Kartengesellschaft ist. Zu­min­dest beim einfachen Bezahlvorgang ver­schwim­men die Grenzen zwischen den Kar­ten­ausstellern zusehends.
Da­mit fokussiert sich das Interesse auf die Zu­satz­leistungen, die je nach Karte recht un­ter­­schied­lich aus­fal­len. Hier muss der Kun­de ent­scheiden welche Zusatzleistungen er wünscht und ob er bereit ist eine we­­sent­lich höhere Jahresgebühr zu bezahlen, um Ver­sicherungen, Ticket­dien­ste, Sekretariats­ser­vi­­ces oder Zugang zu Airportlounges nutzen zu können. Ein Snob wird dies ohne zu zö­gern bejahen, jedoch ohne sich klar zu ma­chen, dass solche Pre­mi­umdienste eigent­lich auch nicht weiter ex­klu­siv sind. Man­che Ra­battaktionen erinnern überdies an gän­gige Ra­battkarten mit Einkaufsfunktion. Thea­ter­kar­ten be­sorgt je­des Reisebüro, Büro­dienst­leistungen gibt es ohnehin an je­dem Flughafen oder in In­nen­­städten der ur­ba­nen Metropolen und selbst Air­portlounges ma­chen nur dann Sinn, wenn ein Linien­pas­sa­gier die Zeit vor dem Abflug in ange­neh­mer At­mo­sphä­re verbringen und dabei noch ein wenig ar­bei­ten möchte. Der mit seinem Pri­vat­jet rei­sen­de Snob wird seine Zeit wohl kaum mit ge­wöhn­lichen Linien­flie­gern in der Airport­lounge verschwenden. Und ansonsten kann man sich auch ohne „Premiumstatus“ Zu­­gang zu einer Airport­lounge ver­­schaf­fen. Folg­lich dienen die Zu­satz­­lei­stun­gen bei einer Kredit­kar­te vor allem dazu den Exklu­si­vi­täts­faktor künstlich zu erhöhen.
Aber mag es auch Gründe geben die Pre­mi­um­dienste der Kreditkartengesellschaften zu nutzen: Ex­klu­si­ve Zahlungsmittel stellen de­ren Plastikkarten nicht dar. Selbst die von je­dem Snob begehr­ten Kar­ten von diversen Flug­­treib­stoff­an­bie­tern wie AeroShell oder BP Aviation Fuels, die das Vor­han­den­sein eines eige­nen Flug­ge­rä­tes implizieren, finden sich im Grunde ge­nom­men in der Brief­ta­sche eines jeden Ver­kehrs­­piloten. Heut­zu­ta­ge, im Zeitalter von bar­­geld­losen Über­wei­sun­gen und elek­tro­ni­schen Geld­karten, gibt es nun mal leider keine ex­klu­si­ven Zahlungsmittel mehr.

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