Während der Snob darauf bedacht ist seine in
Asien handgefertigte Brieftasche mit allerlei Platin-Kreditkarten
zu füllen, deren Kreditlimite ohnehin überzogen
sind, benötigt der Mann von Welt seine Kreditkarte
wirklich in erster Linie zum Bezahlen und vielleicht noch, um die
eine oder andere Versicherungsleistung in
Anspruch zu nehmen. Es gibt im Wesentlichen vier
Kreditkartenfirmen, die weltweit flächendeckend
vertreten sind. Es sind dies Master Card, Visa, American Express
und Diners Club.
Die kleinste Firma mit aber immer noch 13
Millionen Akzeptanzstellen ist Diners Club. Damit dürfte sie
auch gleichzeitig die exklusivste Firma sein, sofern man
bei einem Kreditkartenunternehmen überhaupt von
„exklusiv“ sprechen kann, denn der Sinn dieser
Unternehmen ist ja nur gegeben, wenn diese weltweit
möglichst flächendeckend verfügbar sind. Ein Vorteil
beim Diners Club ist jedoch der kostenlose Zugang zu weltweit
etwa 450 Airportlounges, allerdings erst ab einem
jährlichen Mindestumsatz von €5000.
Die beiden größten Kreditkartenfirmen, Master
Card und Visa, kennt inzwischen jeder, zumal ihre Karten beim
Unterhalt eines Bankkontos häufig als Zusatzleistung an
den Kunden abgegeben werden. Dadurch besitzt praktisch jeder
einigermaßen solvente Bankkunde eine Kreditkarte einer der
beiden Firmen, die außerdem das Logo seiner ausstellenden
Bank ziert. Master Card und Visa haben auch die größte Zahl an
Akzeptanzstellen, d.h. man kann mittlerweile in
fast jedem Supermarkt mit den beiden Karten einkaufen. Seit
einiger Zeit bietet vor allem Master Card auch sog. Prepaid Karten
an, d.h. der Kunde bezahlt einen gewissen Betrag auf das
Kartenkonto und erhält ein Kreditlimit in der gleichen Höhe. Ein
Bankkonto oder eine Schufa-Auskunft werden nicht benötigt.
Zwischen den Extremen liegt American Express,
eine Firma die ursprünglich als Reisebüro fungierte und neben
der American Express Kreditkarte in verschiedenen Ausführungen
und mit unterschiedlichen Zusatzleistungen vor allem
Reisedienstleistungen bereitstellt. Auch die hauseigene
Kreditkarte wird in erster Linie als gehobenes
Reisezahlungsmittel verstanden.
Der Vollständigkeit halber soll noch die der
Master Card verwandte Maestro-Karte erwähnt werden, die
nach Einstellung des Eurocheque-Service zu einer
elektronischen Bezahlkarte weiterentwickelt wurde. Sie
wird traditionellerweise nicht als Kreditkarte gezählt, ist sie doch
direkt an das Bankkonto des Eigners gebunden, wird
heute jedoch innerhalb Europas fast wie eine Kreditkarte
eingesetzt.
Wer auf der Suche nach einem exklusiven
Zahlungsmittel ist, denkt dabei vor allem an diverse Platin- und
Premiumkarten der o.g. Kartenaussteller. Aber auch die exklusivste
Premiumkarte erfüllt zunächst nur den banalen Zweck des
Bezahlens und wird, wie heute üblich, durch ein elektronisches
Lesegerät gezogen. Nach einigen Wartesekunden druckt das Gerät
einen Papierstreifen aus, unter welchen der Kunde seine Unterschrift
setzt. Damit ist der Bezahlvorgang im wesentlichen
abgeschlossen. Durch die elektronische Abrechnung über
einen Zentralcomputer kann der Einzelhändler
praktisch jede beliebige Kredit- und Bezahlkarte akzeptieren.
Es spielt keine Rolle, wer die ausstellende Bank oder
Kartengesellschaft ist. Zumindest beim einfachen
Bezahlvorgang verschwimmen die Grenzen zwischen den
Kartenausstellern zusehends.
Damit fokussiert sich das Interesse auf die
Zusatzleistungen, die je nach Karte recht
unterschiedlich ausfallen. Hier muss
der Kunde entscheiden welche Zusatzleistungen er wünscht
und ob er bereit ist eine wesentlich höhere
Jahresgebühr zu bezahlen, um Versicherungen, Ticketdienste,
Sekretariatsservices oder Zugang zu
Airportlounges nutzen zu können. Ein Snob wird dies ohne zu zögern
bejahen, jedoch ohne sich klar zu machen, dass solche
Premiumdienste eigentlich auch nicht weiter exklusiv
sind. Manche Rabattaktionen erinnern überdies an gängige
Rabattkarten mit Einkaufsfunktion. Theaterkarten
besorgt jedes Reisebüro, Bürodienstleistungen
gibt es ohnehin an jedem Flughafen oder in Innenstädten
der urbanen Metropolen und selbst Airportlounges
machen nur dann Sinn, wenn ein Linienpassagier
die Zeit vor dem Abflug in angenehmer Atmosphäre
verbringen und dabei noch ein wenig arbeiten möchte. Der
mit seinem Privatjet reisende Snob wird seine
Zeit wohl kaum mit gewöhnlichen Linienfliegern
in der Airportlounge verschwenden. Und ansonsten kann man sich
auch ohne „Premiumstatus“ Zugang zu einer
Airportlounge verschaffen. Folglich dienen
die Zusatzleistungen bei einer Kreditkarte
vor allem dazu den Exklusivitätsfaktor künstlich
zu erhöhen.
Aber mag es auch Gründe geben die
Premiumdienste der Kreditkartengesellschaften zu
nutzen: Exklusive Zahlungsmittel stellen deren
Plastikkarten nicht dar. Selbst die von jedem Snob begehrten
Karten von diversen Flugtreibstoffanbietern
wie AeroShell oder BP Aviation Fuels, die das Vorhandensein
eines eigenen Fluggerätes implizieren, finden
sich im Grunde genommen in der Brieftasche eines
jeden Verkehrspiloten. Heutzutage, im
Zeitalter von bargeldlosen Überweisungen
und elektronischen Geldkarten, gibt es nun mal
leider keine exklusiven Zahlungsmittel mehr.
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