Der Mann von Welt ist natürlich an seinem
kulturellen Umfeld interessiert. Wohnt er in einem Kur- oder
Ferienort, dann gibt es dort mit Sicherheit auch eine Bühne an
welcher mehr oder weniger regelmäßig Konzerte und
Theateraufführungen stattfinden. Über diese sollte der Mann von
Welt informiert sein und - falls etwas interessantes dabei sein
sollte - hin und wieder eine Vorstellung besuchen. Dabei darf er
ruhig seiner Laune folgen und sich durchaus auch an der leichten Muse
erfreuen: Eine gute Boulevardkomödie ist
sehr unterhaltsam und den Kritikern sei gesagt, dass auch das
Schreiben eines reinen Unterhaltungsstückes gekonnt
sein will. Wer etwas vom Fach versteht, der weiß, dass gerade gute
Boulevardkomödien sehr schwierig zu schreiben sind.
Natürlich darf es auch eine
Shakespeare-Aufführung sein, wobei man dazu sagen muss, dass auch
Shakespeare keineswegs so hochgestochen ist, wie manche
Zeitgenossen glauben. Kritische Zungen behaupten sogar, dass
Shakespeare wenn er heute leben würde für das Fernsehen tätig
wäre.
Als Kritik am zeitgenössischen Theaterbetrieb
muss man allerdings anfügen, dass viele Regisseure der Meinung sind,
dass es ihr gutes Recht sei ein Werk bis zur Unkenntlichkeit zu
verändern: Da wird in einer Operette genau dann getanzt, wenn es am
wenigsten passt und dort wo der Autor/Komponist Tanz vorgesehen hat,
passiert gar nichts. Selbst vulgäre Massenmodetänze oder
Laola-Wellen werden gewaltsam eingefügt. Oder im Sprechtheater
werden Nebenfiguren einer Tragödie in den Vordergrund gerückt und –
was äußerst beliebt ist - Requisiten verwendet, die aber auch nicht
das geringste mit dem Thema des Stückes zu tun haben. Kein Wunder
also, wenn die Besucher ausbleiben und auch der Mann von Welt sollte
sich derartige Inszenierungen nicht antun.
Über die Geschichte des Theaters sollte man
wissen, dass unser modernes Theater im antiken Griechenland
entwickelt wurde. Auf Aristoteles, den Begründer der
Theaterwissenschaft, geht die Forderung nach der Einheit von
Handlung, Ort und Zeit in einem dramatischen Werk zurück. Das Drama
(also die Theaterstücke) wird grob in Tragödien und Komödien
unterteilt. Was dramatische Texte von anderen Textarten
unterscheidet, ist die Verteilung der Rollen, die von verschiedenen
Personen dargestellt werden. Man unterscheidet vier klassische
Sparten des Theaters:
- Sprechtheater (Komödie, Tragödie)
- Musiktheater (Oper, Operette, Musical)
- Tanztheater/Ballet
- Figurentheater (u.a. Marionettentheater)
Die 38 Theaterstücke Shakespeares unterteilt man
jedoch in Komödien, Tragödien und Historiendramen. Neben den
o.g. Kategorien gibt es noch eine Reihe teils moderner Varianten, wie
z.B. das Improvisationstheater, aber auch das in Asien
sehr populäre, traditionelle Schattentheater.
Die Theaterorganisationen in der heutigen BRD
befinden sich zu einem großen Teil in öffentlicher Trägerschaft.
Das bedeutet, dass die Mitarbeiter bis hin zu den Schauspielern
Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sind, also quasi
Staatsangestellte. Leider hat das negative Auswirkungen auf die
künstlerische Darstellung, die sich mit der Zeit
immer weiter vom Publikumsgeschmack entfernt und langfristig dazu
führt, dass immer weniger Besucher die Vorstellungen aufsuchen.
Folglich sinken die Einnahmen, was wiederum zu einer verstärkten,
öffentlichen Subventionierung führt. Derzeit erwirtschaften
die ca. 150 staatlichen Theater der BRD nur noch etwa 20% ihres Etats
durch den Verkauf von Eintrittskarten, die restlichen 80% erhalten
sie aus staatlichen Kassen. Jede dieser Theaterkarten wird in der BRD
derzeit mit etwa € 95 subventioniert.
Neben den staatlich subventionierten Theatern gibt
es noch eine ganze Reihe Theater unterschiedlicher Größe
und Ausrichtung in nicht-öffentlichem Besitz. In der BRD dürften es
etwa 280 sein. Bekannte Beispiele sind das Ohnsorg-Theater in Hamburg
oder das Millowitsch-Theater in Köln. Auch die aktuell sehr
populären Musical-Theater gehören dazu. Im Gegensatz zu den
staatlichen Theatern verzeichneten die privaten Bühnen in den
letzten Jahren einen Zuschaueranstieg.
Da sich nicht jede Stadt oder Gemeinde ein eigenes
Theater leisten kann – das gilt auch für Kurorte -, werden
gerne Gastspiele von Theatergruppen von außerhalb organisiert.
Voraussetzung dafür ist das Vorhandensein einer geeigneten
Spielstätte am Gastspielort, z.B. ein Kursaal.
Welche Stücke wann und wo aufgeführt werden,
kann man in der Regel der Tagespresse entnehmen. Auch an den
Eingängen und Außenfassaden der Theater hängen praktisch immer
Schaukästen mit Werbeplakaten für laufende oder in Kürze
anlaufende Vorstellungen. Gedruckte Theaterprogramme sind im Foyer
erhältlich, oft auch bei der örtlichen Touristeninformation.
Kur- und Ferienorte geben meistens Veranstaltungskalender
heraus, in welchen nicht nur die Theateraufführungen, sondern auch
die Musikkonzerte und andere Ereignisse aufgeführt
sind. Und natürlich gibt es die Informationen auch im Internet.
Gibt es am Ort keine Möglichkeit
Theateraufführungen zu besuchen, dann sollte man sich über
Aufführungen in der nächsten größeren Stadt
informieren. Nicht selten existiert in größeren Orten ohne eigenes
Theater ein Personenkreis, der regelmäßig gemeinsam
Theateraufführungen in einer nahen Großstadt besucht. Häufig
werden solche Ausflüge über die lokale Volkshochschule organisiert.
Eine andere Möglichkeit für einen Theaterausflug ist eine
Übernachtungsreise an einen Spielort mit Theaterbesuch. Dies
empfiehlt sich z.B., wenn das Stück nur dort aufgeführt wird und
man es anders nicht zu sehen bekommt; bei Musicals ist dies oft
üblich. Gelegentlich bieten Reiseveranstalter Pauschalreisen
mit Theaterbesuch an. Besonders geeignet für Theatertouristen ist
London: Nirgendwo sonst in Europa gibt es so viele Theater auf
vergleichsweise engem Raum, sodass man manchmal nur die Straße
überqueren muss, um ein anderes Erfolgsstück geboten zu bekommen.
Enthusiasten machen auch noch einen Besuch in Stratford-upon-Avon
und besuchen die Vorstellungen der Royal Shakespeare Company.
Ansonsten bleibt natürlich die Option sich ein Theaterstück auf DVD
anzusehen. Dies kommt vor allem dann infrage, wenn man ein
bestimmtes Stück sehen will, welches derzeit nirgendwo aufgeführt
wird.
Für Liebhaber der Oper bietet sich die
Möglichkeit einen Besuch in Dresden zu machen und dort einer
Aufführung in der renommierten Semperoper beizuwohnen. Einige
Reiseveranstalter bieten auch dafür Pauschalarrangements an.
Im Gegensatz zum Theater steht bei einem Konzert
der Musikgenuss im Vordergrund. Generell unterscheidet man
zwischen klassischen Konzerten und moderneren Konzerten, letztere
werden meist nach den Genre Rock-, Pop-, Jazzkonzert, oder so
ähnlich, genannt.
Konzerte sind bei den Tourismusverantwortlichen
sehr beliebt, u.a. weil sie mit gegenüber einer Theatervorstellung
geringem Aufwand betrieben werden können. Im Notfall reicht sogar
schon ein Pianist an einem Klavierflügel aus, um das Kurpublikum zu
unterhalten. Vor allem in Kurorten gibt es auch heute noch die
bekannten Kurkonzerte, obwohl es kaum noch Orte gibt, die sich ein
eigenes Kurorchester leisten. Dafür sind Gastspiele, vor allem von
osteuropäischen Musikern, recht häufig anzutreffen; geboten
werden instrumentale Versionen bekannter klassischer und moderner
Musikstücke. Auch Konzerte werden selbstverständlich im regionalen
Veranstaltungskalender aufgeführt.
In der Schweiz und in Österreich sind Kurkonzerte
meistens kostenfrei und werden über die Kurtaxe finanziert.
In vielen Kurorten in der BRD wird für den Besuch eines Kurkonzertes
kein separates Eintrittsgeld erhoben, wenn der Besucher
über eine Kurkarte verfügt. Für Ortsansässige gibt es häufig
Jahreskarten zum Sonderpreis. Darin inbegriffen ist in der
Regel auch der Zutritt zum Kurpark, Lesesaal und zum Trinkbrunnen mit
Wandelhalle. Für den Mann von Welt ist der Besitz einer solchen
Jahreskurkarte fast schon zwingend notwendig.
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