Sonntag, 3. Dezember 2017

Theater- und Konzertbesuche

Der Mann von Welt ist natürlich an seinem kulturellen Umfeld interessiert. Wohnt er in einem Kur- oder Ferienort, dann gibt es dort mit Sicherheit auch eine Bühne an welcher mehr oder weniger regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen stattfinden. Über diese sollte der Mann von Welt informiert sein und - falls etwas interessantes dabei sein sollte - hin und wieder eine Vorstellung besuchen. Dabei darf er ruhig seiner Laune folgen und sich durchaus auch an der leichten Muse erfreuen: Eine gute Bou­le­vard­ko­mö­die ist sehr unterhaltsam und den Kritikern sei gesagt, dass auch das Schreiben eines reinen Unter­hal­tungs­stückes gekonnt sein will. Wer etwas vom Fach versteht, der weiß, dass gerade gute Boulevard­ko­mö­dien sehr schwierig zu schreiben sind.
Natürlich darf es auch eine Shakespeare-Aufführung sein, wobei man dazu sagen muss, dass auch Shakes­peare keineswegs so hochgestochen ist, wie manche Zeitgenossen glauben. Kritische Zungen be­haupten sogar, dass Shakespeare wenn er heute leben würde für das Fernsehen tätig wäre.
Als Kritik am zeitgenössischen Theaterbetrieb muss man allerdings anfügen, dass viele Regisseure der Meinung sind, dass es ihr gutes Recht sei ein Werk bis zur Unkenntlichkeit zu verändern: Da wird in einer Operette genau dann getanzt, wenn es am wenigsten passt und dort wo der Autor/Komponist Tanz vorgesehen hat, passiert gar nichts. Selbst vulgäre Massenmodetänze oder Laola-Wellen werden gewalt­sam eingefügt. Oder im Sprechtheater werden Nebenfiguren einer Tragödie in den Vordergrund gerückt und – was äußerst beliebt ist - Requisiten verwendet, die aber auch nicht das geringste mit dem Thema des Stückes zu tun haben. Kein Wunder also, wenn die Besucher ausbleiben und auch der Mann von Welt sollte sich derartige Inszenierungen nicht antun.
Über die Geschichte des Theaters sollte man wissen, dass unser modernes Theater im antiken Griechen­land entwickelt wurde. Auf Aristoteles, den Begründer der Theaterwissenschaft, geht die Forderung nach der Einheit von Handlung, Ort und Zeit in einem dramatischen Werk zurück. Das Drama (also die Theaterstücke) wird grob in Tragödien und Komödien unterteilt. Was dramatische Texte von anderen Text­arten unterscheidet, ist die Verteilung der Rollen, die von verschiedenen Personen dargestellt werden. Man unterscheidet vier klassische Sparten des Theaters:

  • Sprechtheater (Komödie, Tragödie)
  • Musiktheater (Oper, Operette, Musical)
  • Tanztheater/Ballet
  • Figurentheater (u.a. Marionettentheater)

Die 38 Theaterstücke Shakespeares unterteilt man jedoch in Komödien, Tragödien und Historien­dramen. Neben den o.g. Kategorien gibt es noch eine Reihe teils moderner Varianten, wie z.B. das Impro­visa­tions­theater, aber auch das in Asien sehr populäre, traditionelle Schattentheater.
Die Theaterorganisationen in der heutigen BRD befinden sich zu einem großen Teil in öffentlicher Trägerschaft. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter bis hin zu den Schauspielern Beschäftigte des öffent­li­chen Dienstes sind, also quasi Staatsangestellte. Leider hat das negative Auswirkungen auf die künst­le­ri­sche Darstellung, die sich mit der Zeit immer weiter vom Publikumsgeschmack entfernt und langfristig dazu führt, dass immer weniger Besucher die Vorstellungen aufsuchen. Folglich sinken die Einnahmen, was wiederum zu einer verstärkten, öffentlichen Subventionierung führt. Derzeit erwirt­schaf­ten die ca. 150 staatlichen Theater der BRD nur noch etwa 20% ihres Etats durch den Verkauf von Eintrittskarten, die restlichen 80% erhalten sie aus staatlichen Kassen. Jede dieser Theaterkarten wird in der BRD derzeit mit etwa € 95 subventioniert.
Neben den staatlich subventionierten Theatern gibt es noch eine ganze Reihe Theater unter­schied­licher Größe und Ausrichtung in nicht-öffentlichem Besitz. In der BRD dürften es etwa 280 sein. Bekannte Beispiele sind das Ohnsorg-Theater in Hamburg oder das Millowitsch-Theater in Köln. Auch die aktuell sehr populären Musical-Theater gehören dazu. Im Gegensatz zu den staatlichen Theatern verzeichneten die privaten Bühnen in den letzten Jahren einen Zuschaueranstieg.
Da sich nicht jede Stadt oder Gemeinde ein eigenes Theater leisten kann – das gilt auch für Kur­orte -, wer­den gerne Gastspiele von Theatergruppen von außerhalb organisiert. Voraus­setzung dafür ist das Vor­handensein einer geeigneten Spielstätte am Gastspielort, z.B. ein Kursaal.
Welche Stücke wann und wo aufgeführt werden, kann man in der Regel der Tagespresse entnehmen. Auch an den Eingängen und Außenfassaden der Theater hängen praktisch immer Schaukästen mit Wer­be­plakaten für laufende oder in Kürze anlaufende Vorstellungen. Gedruckte Theaterprogramme sind im Foyer erhältlich, oft auch bei der örtlichen Touristen­information. Kur- und Ferienorte geben meistens Ver­anstaltungskalender heraus, in welchen nicht nur die Theateraufführungen, sondern auch die Mu­sik­kon­zerte und andere Ereignisse aufgeführt sind. Und natürlich gibt es die Informationen auch im Internet.
Gibt es am Ort keine Möglichkeit Theateraufführungen zu besuchen, dann sollte man sich über Auf­füh­run­gen in der nächsten größeren Stadt informieren. Nicht selten existiert in größeren Orten ohne eigenes Theater ein Personenkreis, der regelmäßig gemeinsam Theateraufführungen in einer nahen Großstadt besucht. Häufig werden solche Ausflüge über die lokale Volkshochschule organisiert. Eine andere Mög­lich­keit für einen Theaterausflug ist eine Übernachtungsreise an einen Spielort mit Theater­besuch. Dies empfiehlt sich z.B., wenn das Stück nur dort aufgeführt wird und man es anders nicht zu sehen bekommt; bei Musicals ist dies oft üblich. Gelegentlich bieten Reiseveranstalter Pauschal­reisen mit Theaterbesuch an. Besonders geeignet für Theatertouristen ist London: Nirgendwo sonst in Europa gibt es so viele Thea­ter auf vergleichsweise engem Raum, sodass man manchmal nur die Straße überqueren muss, um ein anderes Erfolgsstück geboten zu bekommen. Enthusiasten machen auch noch einen Besuch in Strat­ford-upon-Avon und besuchen die Vorstellungen der Royal Shakespeare Company. Ansonsten bleibt natürlich die Option sich ein Theaterstück auf DVD anzusehen. Dies kommt vor allem dann infra­ge, wenn man ein bestimmtes Stück sehen will, welches derzeit nirgendwo aufgeführt wird.
Für Liebhaber der Oper bietet sich die Möglichkeit einen Besuch in Dresden zu machen und dort einer Aufführung in der renommierten Semperoper beizuwohnen. Einige Reiseveranstalter bieten auch dafür Pauschalarrangements an.
Im Gegensatz zum Theater steht bei einem Konzert der Musikgenuss im Vordergrund. Generell unter­schei­det man zwischen klassischen Konzerten und moderneren Konzerten, letztere werden meist nach den Genre Rock-, Pop-, Jazzkonzert, oder so ähnlich, genannt.
Konzerte sind bei den Tourismusverantwortlichen sehr beliebt, u.a. weil sie mit gegenüber einer Theater­vorstellung geringem Aufwand betrieben werden können. Im Notfall reicht sogar schon ein Pianist an einem Klavierflügel aus, um das Kurpublikum zu unterhalten. Vor allem in Kurorten gibt es auch heute noch die bekannten Kurkonzerte, obwohl es kaum noch Orte gibt, die sich ein eigenes Kurorchester leisten. Dafür sind Gastspiele, vor allem von osteuropäischen Musikern, recht häufig anzutreffen; gebo­ten werden instrumentale Versionen bekannter klassischer und moderner Musikstücke. Auch Konzerte werden selbstverständlich im regionalen Veranstaltungskalender aufgeführt.
In der Schweiz und in Österreich sind Kurkonzerte meistens kostenfrei und werden über die Kurtaxe fi­nan­ziert. In vielen Kurorten in der BRD wird für den Besuch eines Kurkonzertes kein separates Ein­tritts­geld erhoben, wenn der Besucher über eine Kurkarte verfügt. Für Ortsansässige gibt es häufig Jahres­kar­ten zum Sonderpreis. Darin inbegriffen ist in der Regel auch der Zutritt zum Kurpark, Lesesaal und zum Trinkbrunnen mit Wandelhalle. Für den Mann von Welt ist der Besitz einer solchen Jahreskurkarte fast schon zwingend notwendig.

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