Sonntag, 3. Dezember 2017

Hotellerie

Ähnlich wie mit der Gastronomie verhält es sich mit der Hotellerie. Zwar ist gegen den ausgezeichneten Ser­vice eines angesehenen Fünf-Sterne-Hotels nichts einzuwenden, jedoch befinden sich diese geo­­gra­phisch gesehen nicht immer dort, wo der Mann von Welt sie be­nötigt. Folglich ist er ohnehin ge­zwun­gen sich von Zeit zu Zeit mit einer kleineren, aber guten Her­ber­ge zu­frie­den zu geben. Und ein schöner Land­gast­hof in einer an­ge­neh­men Gegend ist schluss­end­­lich mehr wert, als ein Luxushotel in ei­ner lauten Stadt­­lage, auch wenn es dort re­gen Zuspruch fin­det. Es geht einem Mann von Welt schließlich nicht da­rum in einem nob­len Ho­tel zu woh­nen, son­dern um eine adäquate Un­ter­kunft, damit er vor Ort seinen Ak­t­i­vi­tä­ten nach­­ge­hen kann. Das kann not­falls sogar ein Cam­ping­zelt sein, wenn es sich um eine Ge­gend handelt, wo partout kein Hotel­zim­mer aufzutreiben ist, z.B. am obe­ren Ama­zo­nas oder dem au­stra­lischen Out­back. Im übri­­gen können auch ein­fache Un­terkünfte ex­klusiv sein. Eine Über­nach­tung in dem Berg­haus eines Alpen­gip­fels oder in einer ehemaligen Alphütte bietet ein ein­ma­liges Erlebnis, auch wenn man vielleicht auf etwas Komfort ver­zichten muss. Was kann dem ein Luxushotel im Stadtzentrum Manhattans entgegen­set­zen?
Allerdings gibt es auch für den Mann von Welt Dinge auf die er während seines Aufenthaltes nicht gerne ver­zich­tet. Sofern er beabsichtigt seinen Urlaub in dem Hotel zu verbringen, sollte dieses einen Golf­platz und ein (Ther­mal-)Schwimmbad im Haus oder in der Nähe haben. Nützlich wäre auch ein Bu­si­ness Cen­ter mit den üblichen Bürodienstleistungen, zumindest aber ein Internetzugang, möglichst via WLAN. Wei­ter­­hin sollte die Anreise mit dem Boot und/oder mit einem Kleinflugzeug/Lufttaxi möglich sein. Über­­­­­­flüs­­sig zu sagen, dass sich das Quartier in einer schönen und interessanten Gegend be­fin­den muss. Bei Land­hotels für den Kurz­auf­ent­halt kann man etwas weniger strenge Kriterien anlegen: Ne­ben einer in­te­res­san­ten Gegend und WLAN (not­falls kann man auch einen Zugang über die Handynetze arran­gie­ren), soll­ten jedoch auch hier das Hotel oder die Umgebung etwas außergewöhnliches bieten.
Neben Hotels gibt es natürlich noch andere Unterbringungsmöglichkeiten, die sich aber wesentlich von Ho­tels unterscheiden. In Pensionen gibt es z.B. keine durchgängig besetzte Rezeption und Speisen und Ge­tränke (oft nur Frühstück) werden ausschließlich an Hausgäste abgegeben, während in Gasthäusern die Bewirtung im Vordergrund steht und die Über­nachtung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Hotels wer­den häufig nach dem Aufenthaltszweck eingeteilt. Es gibt Kur- und Wellness-Hotels, Ferien- und Sport­­hotels sowie Business-, Kongress- und Seminarhotels. Resorts stellen eine Sonderform dar und be­in­­halten neben Übernachtung und Mahlzeiten ebenso Sport-, Freizeit- und touristische Angebote. Oft sind sie durch eine Zugangskontrolle von der Umgebung abgeschirmt. Es gibt auch Spartenresorts, wie Golf-, Ski- oder Wellness-Resorts. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Verpflegung: Hier wird nach Vollpension, Halbpension und Übernachtung mit Frühstück (Hotel Garni) unterschieden. Möglich ist auch eine Unterscheidung nach der Zielgruppe (Nichtraucherhotel, Kinderhotel, Pilgerhotel etc.) oder nach der Reiseform (Backpacker-Hotel, Tagungshotel etc.). Die geographische Lage des Hotels ist eben­falls von Bedeutung: Es gibt Bahnhofshotels, Flughafenhotels, Motels (=Motor Hotels), sowie Stadt-, Land-, Berg, Strand- oder Parkhotels. Dann gibt es noch die Unterscheidung nach der Betriebsgröße. Es existieren auch Hotels, die ihre Zimmer (außerhalb eines sexuellen Zusammenhangs) stundenweise ver­mieten; diese befinden sich häufig an Flughäfen und dienen den Reisenden dazu Umsteigezeiten zum Aus­ruhen zu nutzen. Spezialist auf diesem Gebiet ist die Buchungswebseite www.between9and5.com. In Ländern mit mehreren Zeitzonen sind außerdem stundenweise Buchungen als Ergänzung zu einer Nacht nicht unüblich, da aufgrund der Zeitzonen und -verschiebung die Reise am Abend, in der Nacht oder am Morgen beginnen und enden kann.
Bekannt ist vor allem die Hotelklassifikation nach Sternen: Tourist *, Standard **, Komfort ***, First Class **** und Deluxe *****. Die Vergabe der Sterne ist für die Hotels kosten­pflichtig und muss nach drei Jahren erneuert werden, sodass viele Häuser darauf verzichten. Auch gibt es für die Vergabe der Ster­ne keine allgemeingültige Grundlage, da der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband nicht als ein­zi­ger Sterne verteilt.
In der Touristenkategorie ist folgendes Angebot Mindeststandard: Alle Zimmer mit Dusche/WC oder Bad/WC, tägliche Zimmerreinigung, Farb-TV samt Fernbedienung, Bett, Tisch und Stuhl, Seife oder Wasch­lotion und im Hotel Empfangsdienst, Telefax am Empfang, dem Hotelgast zugängliches Telefon, erweitertes Frühstücksangebot, Getränkeangebot im Betrieb, Depotmöglichkeit und Essen.
Die Standardkategorie umfasst außerdem: Frühstücksbuffet, Leselicht am Bett, Schaumbad oder Dusch­gel, Badetücher, Wäschefächer und ein Angebot von Hygieneartikeln (Zahnbürste, Zahncreme, Einmal­rasierer etc.). Weiterhin ist Kartenzahlung möglich.
Die Komfortkategorie beinhaltet überdies: Eine 14 Stunden besetzte separate Rezeption die 24 Stunden erreich­bar ist und zweisprachige Mitarbeiter (deutsch/englisch) hat, Sitzgruppe am Empfang, Gepäck­ser­vice, Getränkeangebot auf dem Zimmer, Telefon auf dem Zimmer, Internetzugang auf dem Zimmer oder im öffentlichen Bereich, Heizmöglichkeit im Bad, Haartrockner, Papiergesichtstücher, Ankleide­spiegel, Kofferablage, Nähzeug, Schuhputzutensilien, Waschen und Bügeln der Gästewäsche, Zusatz­kissen und  decke auf Wunsch und ein systematischer Umgang mit Gästebeschwerden.
In der First Class kommen folgende Dinge hinzu: Eine 18 Stunden besetzte separate Rezeption die 24 Stunden erreichbar ist, Lobby mit Sitzgelegenheiten und Getränkeservice, Hotelbar, Frühstücksbuffet oder Frühstückskarte mit Roomservice, Minibar oder 24h Getränke im Roomservice, Sessel/Couch mit Beistelltisch, Bademantel, Hausschuhe auf Wunsch, Kosmetikartikel (z.B. Dusch­haube, Nagelfeile, Wat­te­­stäbchen), Kosmetikspiegel, großzügige Ablagefläche im Bad, Internetzugang und Internetterminal und ein À-la-carte-Restaurant.
Die Deluxeklasse umfasst zusätzlich eine 24 Stunden besetzte Rezeption und mehrsprachige Mitarbeiter (deutsch, englisch und eine weitere Fremdsprache), Doorman- oder Wagenmeisterservice, Concierge, Ho­telpagen, Empfangshalle mit Sitzgelegenheit und Getränkeservice, personalisierte Begrüßung mit fri­schen Blumen oder Präsent auf dem Zimmer, Minibar und 24h Speisen und Getränke im Roomservice, Kör­perpflegeartikel in Einzelflakons, Internetzugang auf dem Zimmer, Safe im Zimmer, Bügelservice (innerhalb einer Stunde), Schuhputzservice, abendlicher Turndownservice (Vorbereitung des Zimmers auf die Nachtruhe) und Mystery-Guesting (Service durch Inkognito-Tester geprüft).
In der BRD haben etwa 60% der klassifizierten Hotels drei Sterne und knapp 30% vier Sterne. Das Zu­satz­prädikat „Superior“ zeigt an, dass die Leistungen eines Hotels weit über dem Geforderten liegen (bei ein bis vier Sternen), die Mindestanforderungen für die nächsthöhere Kategorie aber nicht erfüllt werden. Neben den übliche Hotelzimmern ist oft von einer „Suite“ die Rede: Eine Suite ist eine Unter­kunft, in der Wohn- und Schlafbereich getrennt sind; in der Regel befinden sie sich in getrennten Räu­men. Meist gibt es auch einen Kühlschrank, eine Mikrowelle und eine Kaffeemaschine, in Apartments auch eine voll­wer­ti­ge Küche.
Abseits der üblichen (Nobel-)hotels existiert eine ganze Reihe von exklusiven Unterkünften. Die meisten fallen in die Kategorie der Themenhotels, d.h. das Hotel selbst ist schon eine Attraktion. Zur Info sei die Webseite www.woandersnacht.de empfohlen. Einige Beispiele seien im folgenden genannt.

Baumhaus-Hotels
Es gibt ein Nachtquartier, das an Exklusivität seinesgleichen sucht: Ein Baumhaus. In der BRD gibt es derer bestenfalls eine Handvoll, die ein Gast mieten kann (u.a. in Uslar im Weserbergland, nordwestlich von Göttingen), dazu einige wenige in Österreich und eines in der Schweiz (Le Locle); international finden sich nur wenige mehr. Bis dato ist es noch eine sehr individuelle Sache, die allerdings eines Tages zu einer Massenbewegung ausarten könnte. Die meisten mietbaren Baumhäuser in Europa haben Strom, Heizung, eine Toilette und einen Frühstücksservice. Im Wolfcenter Dörverden Nähe Bremen können sie beim Frühstück sogar die Wölfe beobachten. Infos zu Baumhaushotels gibt es unter: www. baumwipfelpfad-baumkronenpfad.de.

Schlafwagen-Hotels
Wie wäre es mit einer Übernachtung in einem historischen Schlafwagen? Einige Museumseisenbahnen bieten Übernachtungen in einem alten Schlafwagen an, z.B. die Erlebnisbahn Ratzeburg, der Alte Bahn­hof Gemünden, der ehem. Bahnhof Pfalzfeld oder das Glenfinnan Eisenbahnmuseum (Schottland). In Wol­kenstein/Erzgebirge und bei Jüterbog gibt es sogar ganze Hotels aus alten Schlafwagen.

Andere ausgefallene Hotels
Eigentlich sind sie eher für Snobs geeignet, aber vielleicht findet auch der Mann von Welt etwas pas­sen­des. Übernachten in:
  • Einem ehemaligen Gefängnis: www.malmaison-oxford.com
  • Einem Weinfass: www.hotel-vrouwevanstavoren.nl
  • Einem Themenzimmer (es muss ja nicht gerade der Sarg sein): www.propeller-island.de
  • Einem Schloss: www.ferien-europa.com
  • Einem Iglu-Dorf, sogar mit Sauna: www.iglu-dorf.com
  • Dem Leuchtturm Roter Sand in der Nordsee: www.bremerhaven-tourism.de
  • Einem Hafenkran: www.vuurtoren-harlingen.nl
  • Einem Ferienhaus auf dem Wasser: www.im-jaich.de
  • Einem Hotel unter Wasser: rent.privateislandsonline.com/islands/utter-inn
Außerdem gibt es noch sog. Erlebnishotels, die sich meistens in Themen- und Freizeitparks befinden. Diese sind in der Regel aber nicht als exklusiv einzustufen. Falls sie dagegen eine eigene Insel mieten möchten: Angebote gibt es auf www.vladi-private-islands.de.

Selbstbedienungshotels
Die neueste Mode im Hotelgewerbe sind Selbstbedienungshotels mit Schlafkabinen, vor allem an Flug­hä­fen, auch Capsule Hotels, Pod Hotels oder Micro Hotels genannt. Exklusiv sind sie nicht, aber dafür prak­­tisch. Die Idee stammt aus Japan, wo Kapselhotels weit verbreitet sind. Übernachtet wird in (oft fen­ster­losen) Räumen von unter fünf Quadratmetern (in Japan meist weniger), die jedoch mit allem Komfort ausgestattet sind: Notebook-Arbeitstisch mit Steckdose und Gratis-WLAN, Dusche/WC, TV, elektroni­sche Weckvorrichtung sowie 24h-Speisen- und Getränke­service. Die Übernachtungskabinen können stun­­denweise oder auch für mehrere Tage gebucht werden. Für ein paar Stunden Ruhe bis zur Weiter­rei­se sind sie durchaus geeignet. U.a. gibt es Hotels in New York (Nähe Times Square) und auf den Flug­häfen London-Heathrow, Amsterdam (www.yotel.com), Dubai (www.snoozecube.com), Kuala Lumpur, Atlanta, Philadelphia (minutesuites.com) und München.

Boutique-Hotels
Dieser Begriff beschreibt kleine und luxuriöse Hotels, die sich in der Regel von großen Hotelketten und Mo­tels durch persönlicheren Service und Gestaltung unterscheiden, da die Hotels meistens kleiner sind und vom Inhaber geführt werden. Typische Boutique-Hotels sind einem bestimmten Thema oder Stil ge­widmet und dementsprechend eingerichtet. Oft unterscheiden sich auch einzelne Zimmer hinsichtlich des gewählten Themas.

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