Ein Mann von Welt sollte sich auf gar keinen Fall
dem Glücksspiel ergeben. Das schädigt sein Image außerordentlich
und lässt ihn als Schwächling dastehen, der sich ungezügelt dem
vermeintlichen Nervenkitzel aussetzt. Natürlich
ist nichts gegen die üblichen Gesellschaftsspiele
einzuwenden. Wenn es aber darum geht reine Glücksspiele und um Geld
zu spielen, sei es in einem Casino, einer sog. Spielothek oder
im Internet, dann wird es kritisch.
Gebrauchen sie eine Spielbank daher für
ihre sozialen Umtriebe und sparen sie sich das Eintrittsgeld
für den Spielsaal (in der BRD und der Schweiz weit verbreitet, nicht
aber z.B. in Österreich). Im Casino gibt es in der Regel eine
Cocktail Bar, welche sie für private und
geschäftliche Treffen nutzen können. Im
selben Gebäude befinden sich meistens auch das Kurtheater
oder ein Veranstaltungssaal
und ein Restaurant oder Café. Der Dresscode wird heute
nicht mehr so streng gehandhabt, sodass sie oft auch ohne Krawatte
Zutritt erhalten.
Das Vorhandensein eines Spielcasinos oder einer
Spielbank in einem Kur-, Bade- oder Ferienort war früher
ein Indikator der anzeigte, dass dieser Ort wahrscheinlich
auch sonst alle notwendigen Freizeiteinrichtungen
besaß, die ein Mann von Welt benötigt. Dazu gehören ein
Golfplatz, eine Kurtherme mit Trink- und Wandelhalle
oder ähnliches, Kurpark, Kurtheater,
Tanzcafés, Restaurants und diverse Sporteinrichtungen,
sowie ein Thermalschwimmbad. Davon angelockt, erfuhr
ein solcher Ort die Gunst eines gehobenen Publikums,
während sich in anderen Orten ohne Spielbank eher die
Unterschicht tummelte.
Bedingt durch die seit 2009 erfolgenden
Verwerfungen auf den Finanzmärkten, leiden
viele Spielcasinos an Besucherschwund. Auch die
Konkurrenz der Internetangebote macht den realen
Spielstätten zu schaffen. Als Folge versuchen
sie durch die Umstrukturierung des Spiel- und
Unterhaltungsangebotes neue
Kunden zu gewinnen. Dabei blicken sie nach Las
Vegas, wo neben Glückspiel auch Unterhaltungsshows
und Gastronomie die Besucher anziehen. Leider
erfolgt dadurch als Nebeneffekt auch eine Art
„Proletarisierung“ der Casinos, die
man u.a. daran erkennt, dass der Dresscode fast
gänzlich aufgegeben wird, Automatenspiele
dominieren und mehr oder weniger leichtbekleidete
Damen Getränke servieren. Neuerdings gibt es auch
Livemusik, Comedy, Tanzvorführungen
und sogar Ladies Days und Ü-30-Abende.
Von den derzeit 54 Spielbanken in der BRD liegen
16 in Kurorten mit dem Titel „Bad“ vor dem Namen,
eine in „Baden-Baden“, drei auf Nordseeinseln,
drei an der Ostseeküste, drei an Binnenseen, 21 in
Großstädten (alleine drei im Großraum Berlin)
und der Rest in kleineren Orten oder Städten, entweder in
reizvolle Landschaft gebettet oder im Einzugsgebiet
von Großstädten gelegen. Nicht eingerechnet sind die
„vollautomatischen“
Spielcasinos oder, besser gesagt, „Automatensäle“.
In solchen Einrichtungen gibt es keine Spieltische mit
Croupiers, sondern nur Spielautomaten, u.a. auch
für Roulette. Oft handelt es sich um kleine Filialen
einer größeren, nahegelegenen Spielbank.
Diese „Automatensäle“, die sich äußerlich
kaum noch von den sog. Spielotheken (Spiellokale mit
Automaten, die vorwiegend von jungen Erwachsenen und
Spielsüchtigen aufgesucht werden) unterscheiden, können
aber wohl kaum ein hochwertiges Kurpublikum
begeistern.
In Österreich befinden sich von den insgesamt
zwölf Spielcasinos (Baden bei Wien, Bad Gastein, Bregenz, Graz,
Innsbruck, Kitzbühel, Kleinwalsertal, Linz, Salzburg, Seefeld,
Velden, Wien) nur fünf in klassischen
Ferienorten. Leider lässt in vielen Gemeinden, vor allem
in einigen Wintersportorten, das Niveau der Gäste zu
wünschen übrig, was sich dann auch bei den Casinobesuchern
widerspiegelt. In Österreich wird generell kein
Eintrittsgeld für den Zugang zum Spielsaal verlangt.
Seit Herbst 2017 hat auch das Fürstentum
Liechtenstein sein eigenes Casino. In Schaanwald, direkt an der
Vorarlbergerstrasse, findet man das neue Casino Schaanwald, u.a. mit
Roulette, Poker, Black Jack und diversen Automaten. Ein Restaurant
gibt es auch.
Einen Sonderfall stellt die Schweiz dar. Vor dem
Jahr 2002 gab es hier keine richtigen Casinos und kommerzielles
Glücksspiel war weitgehend illegal. Wer spielen wollte,
fuhr ins benachbarte Ausland. Lediglich in
einigen Hotels und Kursälen in den Orten Arosa, Bad Ragaz,
Baden, Bern, Brunnen, Crans, Davos, Engelberg, Genf,
Interlaken, Locarno, Lugano, Luzern, Montreux,
Rheinfelden, St. Moritz, Thun und Zürich wurde das dem
Roulette ähnliche Boule mit dem Höchsteinsatz
CHF 5,- angeboten. Spielautomaten gab es nur wenige, in einigen
Kantonen waren sie sogar ganz verboten. Dafür fand man in fast
jedem Kursaal-Casino Billardtische. Und selbst heute noch
sind z.B. Kartenglücksspiele um Geld nur in Casinos
gestattet.
Bei den heutigen Casinos unterscheidet
man generell zwischen A-Casinos und B-Casinos.
Erstere, auch Grand Casinos genannt, bieten ein
umfassendes Tischspielangebot und
das Spiel an Glücksspielautomaten mit
teilweise recht hohen Gewinnmöglichkeiten
an. B-Casinos befinden sich meist in Kursälen
und dürfen höchstens drei Arten von Tischspielen
sowie das Spiel an höchstens 150 Glückspielautomaten
mit geringerem Verlust- und Gewinnpotential
offerieren. Die sieben A-Casinos liegen in
den Ballungsräumen (Basel, Baden, Bern, St.
Gallen, Luzern, Montreux, Lugano), die zwölf
B-Casinos in kleineren Städten (Schaffhausen,
Courrendlin JU, Pfäffikon SZ, Bad Ragaz, Davos, St. Moritz,
Interlaken, Granges-Paccot FR, Meyrin GE,
Crans-Montana, Locarno, Mendrisio), von denen
jedoch nur vier oder fünf zu den typischen
Ferienorten gerechnet werden können. Ein
weiteres Casino ist in der Stadt Zürich geplant. Der
Vollständigkeit halber sei noch das
Casino in Campione d’Italia erwähnt,
welches zum Einzugsgebiet von
Lugano gehört, aber auf italienischem Boden in einer
Enklave steht.
Die meisten Casinos in den deutschschweizerischen
Ferienorten haben seit ihrer Gründung mit
niedrigen Besucherzahlen zu kämpfen, während
das Casino im französischsprachigen Ferienort
Crans-Montana prosperiert. In den letzten Jahren mussten
die Casinos in Arosa und Zermatt wieder schließen,
während Engelberg von seiner neu erteilten
Casinolizenz gar nicht erst Gebrauch gemacht
hat. Wahre Profitmaschinen sind jedoch die drei
Casinos im Tessin; vor allem wegen der zahlreichen
Besucher aus Italien. Das Publikum ist in der Schweiz
fast immer niveauvoller, als anderswo –
wenn man von ein paar neureichen Russen absieht.
In Belgien, den Niederlanden und in Spanien
sind die meisten Casinos – sofern sie nicht in
Ballungsräumen liegen - in Badeorten
an der Küste zu finden. Auch in Frankreich befinden sich die
Spielcasinos häufig in den Badeorten
an der Küste oder den Kurorten im Binnenland, die man
an den dem Ortsnamen nachgestellten Wörtern
„..-sur-mer“ oder „..-les-bains“ erkennt,
wobei letzteres auf ein See- oder Thermalbad hindeutet. Im
spielbesessenen Großbritannien
dagegen wird man an beinahe jeder Straßenecke
irgendeine Art von Glücksspielstätte
antreffen (selbst die Kanalfähren haben oft Roulettetische
an Bord), während es in Italien überhaupt
nur vier Spielbanken gibt: In Aosta, San Remo,
Venedig (seit 1638!) und die bereits erwähnte in
Campione. Allerdings ist der italienische
Glücksspielmarkt seit kurzem liberalisiert,
sodass wohl bald weitere Spielstätten
hinzukommen werden. Aosta (34.000 Einw.) und San Remo (56.000
Einw.) könnten von der Größe her gerade noch als
Ferienorte etc. gelten. Venedig
mag zwar romantisch sein, ist aber de facto eine
Großstadt mit 270.000 Einwohnern und
Campione liegt mitten in der Schweiz. Und in den USA gibt
es die meisten Spielcasinos nicht etwa in Las
Vegas, sondern in den Indianerreservaten
(etwa 377 Spielstätten).
Die meisten Spielbanken in Europa offerieren
französisches und/oder amerikanisches
Roulette, sowie die Kartenspiele Poker,
vorwiegend in den Varianten „Tropical Stud“ oder
„Texas Hold’em“, und Black Jack.
Gedruckte Spielanleitungen
sind in den Spielsälen erhältlich. Das dem
Black Jack ähnliche Kartenspiel Baccara
findet man - wohl aufgrund seiner komplizierten
Regeln – nur noch selten und das dem Roulette
ähnliche Boule wird praktisch nur noch in
Frankreich angeboten. Dafür gibt es neuerdings
- hin und wieder zumindest – das aus den USA
stammende Würfelspiel Craps. Das
chinesische Würfelspiel Dai Siu,
außerhalb Chinas als Sic Bo bekannt, findet sich in
Europa vorwiegend in den Niederlanden, außerhalb
Europas vor allem in Macau und den USA. In der BRD,
der Schweiz, Spanien, den Niederlanden und einigen
anderen Ländern wird beim Betreten des Tischspielsaales
oft ein Eintrittsgeld erhoben (etwa € 3-5 bzw.
CHF 10); in Österreich ist das nicht üblich. In allen Ländern
besteht jedoch Ausweispflicht.
Wenn sie trotz allem der Versuchung zu Spielen
erliegen, dann machen sie sich klar, dass es nicht darum
geht zu gewinnen. Dazu haben sie gar keine Chance, auch wenn ein
oder zwei Mal ihre Zahl kommt. Oft verleitet dies dann nur dazu
den Einsatz zu erhöhen. Selbst wenn der unwahrscheinliche
Fall einträte, dass sie Gefahr liefen die Bank
zu sprengen, würden sie noch rechtzeitig von zwei
kräftigen Casinomitarbeitern
hinauskomplimentiert. Das gilt vor allem
dann, wenn sie mit System spielen und dieses System auch noch
funktionieren sollte. Es gibt genügend Fälle, wo versierte
Mathematiker Spielsysteme entwickelt
haben, aber schon nach kurzen Erfolgen
hinausgeworfen und mit einem Hausverbot
versehen wurden. Egal, wie viel Glück sie haben, die
meist staatlich konzessionierten
Casinobetreiber sorgen
dafür, dass sie keine Chance bekommen.
Schließlich sind diese keine Spielernaturen,
sondern wollen mit dem Casino Geld verdienen. Für den
Mann von Welt heißt es folglich: Gehen sie nicht in den
Spielsaal, wenn sie nicht verlieren können.
Das Spielen an Automaten, vor dreißig oder
vierzig Jahren noch eine Domäne von Kneipen und
Spielhallen, hat in den letzten Jahrzehnten auch die
Spielcasinos erobert. Neuerdings gibt es sogar
vollautomatisches Roulette ohne Croupiers
und für bis zu fünfzehn Spieler. Die meisten Automaten schütten
höchstens zehn Prozent der Einnahmen als Gewinne aus
(oft wird in den Publikationen der Spielbanken etwas anderes
behauptet, aber wer kann sagen, ob das stimmt), sodass ihre
Gewinnchancen auch hier gegen null tendieren.
Kartenspiele können durchaus
unterhaltsam sein, aber Spiele um Geld sollten sie meiden.
Bestenfalls stellen sie eine teure Art der Unterhaltung
dar. Das beginnt schon bei Skat- oder Doppelkopfturnieren, zumindest
wenn um Geld gespielt wird, gilt aber vor allem für Poker in
all seinen Varianten. Dieses ehemalige
Gangsterspiel ist heute beinahe schon salonfähig
geworden. Überall in Europa schießen seit einiger Zeit Pokerclubs
wie Pilze aus dem Boden und veranstalten Turniere, bei
denen – je nach Gesetzeslage des betreffenden
Landes – um Geld gespielt wird oder nicht. Dabei ist Poker ein
reines Glückspiel, bei welchem es keine Strategie gibt, um
zu gewinnen, auch wenn immer wieder etwas anders behauptet
wird. Darüber hinaus ist gerade Poker ideal
für Falschspieler, vor allem wenn sie als Neuer in eine
bestehende Runde einsteigen. Seien sie auf
der Hut, wenn sie zunächst gewinnen. Das ist zwar ein alter
Trick, aber er funktioniert immer wieder. Die Methoden
der Falschspieler reichen von gezinkten Karten,
über Asse im Ärmel bis zum unauffälligen
Horten einzelner Karten, um diese im entscheidenden
Moment zu einem Royal Flush zusammenzufügen.
Poker spielen sollten sie nur dann, wenn sie genügend
gut schummeln können, um ihre ebenfalls
schummelnden Gegner auszutricksen.
Einen
Sonderfall unter den Kartenspielen stellt das Spiel Bridge
dar. Bridge ist weniger ein Kartenspiel als vielmehr ein
internationaler Turniersport und erfreut
sich in gehobenen Kreisen einer ungebrochenen
Beliebtheit. Gespielt wird mit französischen Karten (52
Blatt ohne Joker) zu zweit gegen ein anderes Paar. Ziel des Spiels
ist es möglichst viele Stiche zu machen, wobei bei der
sog. Reizung
praktisch schon festgelegt wird, wie viele Stiche ein Paar
machen will. Die Reizung – etwas anders als beim Skat - ist die
eigentliche Schwierigkeit im Spiel, zumal es viele
unterschiedliche Systeme gibt (in Deutschland dominiert
das System Forum D).
Das Abspielen der Karten ist dann eigentlich nur noch
Formsache. Dennoch gibt es eine unübersichtliche
Anzahl von Spielstrategien. Eine Besonderheit bei
Bridgeturnieren ist, das dieselbe
Partie mehrmals von verschiedenen Tischen gespielt
wird. Dazu werden sog. Boards
verwendet. Dabei handelt es sich um
Kunststoff-Boxen oder -Hefte mit 4 Fächern für die Karten der
4 Spieler. Die Spieler nehmen ihre Karten aus dem Board, spielen
die Partie, wobei die Karten nicht vermischt werden,
und stecken die Karten nach der Partie zurück. In der nächsten
Runde wird das Board an einem anderen Tisch von anderen
Spielern gespielt. Da Bridge heute vornehmlich in
den höheren Gesellschaftsschichten gespielt wird,
kann die Beherrschung des Spiels und die Mitgliedschaft
in einem Bridgeclub durchaus als Türöffner dienen.
Sollten
Sie in der Schweiz leben oder beabsichtigen dorthin zu
ziehen, dann sollten Sie sich unbedingt mit dem Kartenspiel Jass
vertraut machen. Das Spiel stammt ursprünglich aus den
Niederlanden und wird von drei bis fünf oder sieben Personen mit
deutschen oder französischen Karten zu 36 Blatt gespielt.
Jassen ist in der
Schweiz so was wie ein Nationalsport, dem etwa die Hälfte der
schweizerischen Bevölkerung regelmäßig frönt.
Außerdem ist das Spiel auch in Süddeutschland,
Vorarlberg, Liechtenstein, dem Elsaß und Südtirol recht
beliebt. Es gibt etwa 50 verschiedene Spielvarianten, eine der
bekanntesten dürfte wohl der sog. Schieber
sein, bei dem jeweils zwei Partner gegen zwei andere Partner spielen.
Nach der Variante Differenzler,
für die es sogar einen eigenen Jass-Verband gibt, wird in
der samstagabendlichen Fernsehsendung
Samschtig-Jass
gespielt. Die allgemeinen Jass-Regeln finden sich in dem Standardwerk
für Jasser „Puur-Näll-As“.
Jassen zu lernen ist
ein guter Weg in der schweizerischen Gesellschaft
akzeptiert zu werden, allerdings sollten sie auch hier
nicht um Geld spielen.
Bei Sport- und Ereigniswetten sind die
Gewinnchancen abhängig von den Wettquoten. Vor allem
englische Buchmacher bieten via Internet Wetten
auf alle möglichen Ereignisse an, egal ob
Prominentenhochzeiten,
Fußballergebnisse oder Staatspleiten.
Hierbei hängt die Gewinnhöhe nicht nur vom Eintritt des
Ereignisses ab, sondern auch davon, wie viele Leute
dagegen gewettet haben. Wenn es beim Glücksspiel überhaupt
eine Gewinnchance gibt, dann ist sie hier zu
suchen, allerdings sind Sport- und Ereigniswetten eine
Wissenschaft für sich. Es gibt im Buchhandel diverse
Ratgeber, wie man damit angeblich Geld verdienen
kann, aber nehmen sie das nicht zu ernst. Rechtlich gesehen sind
Internetwetten in der BRD übrigens eine
Grauzone, denn wegen des staatlichen Glücksspielmonopols
ist es eigentlich illegal dort unlizenzierte
Wetten anzubieten.
Auch bei Lotterien gibt es eine große Auswahl,
von der Wohltätigkeitstombola auf dem Kirchfest bis zum
staatlichen Lotto. Bei Tombolas sind die Gewinne meist
bescheiden, beim staatlichen Lotto liegt die Chance den
Hauptgewinn zu treffen bei etwa eins zu dreizehn Millionen. Auch hier
gilt, kaufen sie kein Lotterielos, wenn sie nicht verlieren können.
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