Sonntag, 3. Dezember 2017

Fremde Titel und Anredeformen

Wir unterscheiden bei den verschiedenen Titeln und Anredeformen zwischen Adels­namen und Adels­titeln, kirchlichen Titeln und Anredeformen und akademischen, diplo­ma­tischen und sonstigen Titeln.

Adelsnamen und -titel
Der Umgang mit Adelsnamen ist den Mei­sten heute ungewohnt. Einem Mann von Welt sollte aber der Umgang mit Adligen leicht von der Hand gehen, auch wenn er selbst bürgerlicher Herkunft ist. In den mei­sten Fällen reicht es aus dem Adligen beim Kennenlernen zu verstehen zu geben, dass man seinen vollen Namen mit Adelstitel kennt, um ihn oder sie dann nur noch mit „Herr v.“ oder „Frau v.“ anzureden. Den voll­ständigen Namen ihres Gegenübers ent­neh­­men sie seiner/ihrer Visitenkarte oder einer ähnlichen Quelle. Im übrigen wird es kein Adliger übel nehmen, wenn man ihn fragt, wie er/sie angesprochen wird.
Bei sog. Prädikatsnamen vom Typus „Müller v. Schmitz“ reicht es im gesprochenen Um­feld aus den ersten Namen zu verwenden, im schriftlichen Bereich sollte man besser beide nennen. Je­­­man­­den mit Genannt-Namen, wie z.B. „v. Müller gen. Schmitz“ reden sie mit „v. Schmitz“ an oder sie fragen den Namens­trä­ger, wie er/sie angeredet werden möchte. „Edler v., Ritter v.“ und „Freiherr(-frau/  in) v.“ werden um­gangs­sprachlich als „Herr/Frau v.“ ange­spro­­chen. Bei „Frei­herr/ Fre­i­frau/Freiin“ geht auch „Baron/Baro­nin/ Ba­­ro­­nesse“. Sagen sie aber niemals „Herr Frei­herr...“ etc.
Sogenannte titulierte Namen, also solche mit „Baron“ oder „Graf“, werden in der Form „Ba­ron/Graf Schmitz“ verwendet, auch wenn zwischen Titel und Namen noch ein „v.“ steht. Die weiblichen Formen sind „Baro­nin“, „Ba­ro­nesse“ und „Gräfin“ (neuerdings auch für die Töchter; früher „Comtesse“).
Wichtig: Sprechen sie adlige Herren nicht mit „Herr Baron“ oder „Herr Graf“ an. Diese Anrede wird nur von Dienstboten ge­braucht. Als bürgerlicher Ebenbürtiger be­nu­tzen sie den Adelstitel ohne „Herr“ („Lieber Baron Schmitz...“). Töchter werden mit „Ba­ro­nesse/Comtesse“ angeredet. Bei Damen bleibt es jedoch bei der Anrede „Frau Ba­ro­nin/Gräfin“, außer man kennt sich gut und die Situation ist vertraulich.
Bei höher gestellten Adligen ist oft ein Blick in die Adelsverzeichnisse notwendig, um sagen zu können welche Anrede wem zu­steht. Angehörige von (ehemals) re­gie­ren­den Fürstenhäusern werden in der Regel mit Durch­laucht“ angesprochen, Angehörige von Herzogshäusern und darüber mit „Ho­heit“, bei (re­gie­ren­den) Großherzögen auch „Königl. Ho­heit“. Söhne und un­ver­hei­ra­tete Töch­­ter von Fürsten­häusern und darüber tra­gen häufig den Titel „Prinz/Prin­zes­sin“. Wenn sie diskret nach­fra­gen möch­ten, tun sie dies bei einem Mit­ar­bei­ter (Se­kre­tä­rin, Dienst­bo­ten, Angestellte etc.) des Be­tref­fen­den. Oft gibt auch eine dem Namen vor­an­gestellte Ab­kürzung Auf­schluss über die Anrede. Die Ge­­bräuch­lich­sten sind: S(eine)/ I(hre) E(r­laucht), D(urch­laucht), H(o­heit) und K(ö­nig­l.) H(oheit). Die An­rede „Ma­je­stät“ steht nur königlichen oder kaiser­li­chen Regenten zu.
Übrigens ist nicht jeder adlig, der einen adli­gen Namen trägt. Adoptivkinder, uneheliche Kin­der oder Ehe­partner erhalten zwar nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch den Adels­na­men, sind damit aber nicht auto­matisch adlig gemäß dem alten Adelsrecht von vor 1919. Eine em­pfeh­lens­werte Anleitung für den Um­­­gang mit Adelsnamen ist das Buch „Adels­­namen – Adelstitel“ von Johannes Baron v. Mirbach.
Die wichtigsten englischsprachigen An­re­de­for­men sind „Your Highness“ für An­ge­hö­ri­ge von Königs­häusern, „Your Grace“ für Her­­zöge (Duke, Duchess) und Erzbischöfe und „Your Excellency“ für sonstige Adlige.

Kirchliche Titel
Innerhalb der Kirchentitel wird noch einmal un­­ter­­schieden zwischen katholischen An­re­de­­for­men, Titeln und Amtsbezeichnungen und denen der anderen Konfessionen und Re­li­gio­nen. Die wichtigsten katholischen Ti­tel und ihre Anreden lauten:

Abt: Hochwürdigster Herr Abt
Äbtissin: Hochwürdigste Frau Äbtissin
Bischof: Exzellenz (früher: Euer Gnaden)
Erzbischof: Exzellenz (früher: Euer Gnaden)
Kardinal: (Eure) Eminenz
Nonne: (Ehrwürdige) Schwester
Mönch: (Ehrwürdiger) Pater
Ordensoberin: (Ehrwürdige) Mutter Oberin
Papst: Heiliger Vater, Eure Heiligkeit
Pfarrer: Herr Pfarrer, Hochwürden
Prälat: Hochwürdigster Herr Prälat, Monsignore
Vikar: Herr Vikar
Diakon: Hochehrwürden

Bei den anderen Konfessionen und Religio­nen wird oft weniger Wert auf An­re­de­for­men und Titel gelegt. Für hochgestellte Wür­den­trä­ger anderer Religio­nen (Islam, Bud­dhis­mus, Hinduismus etc.) gibt es meistens keine feste Anredeform. Im Zwei­fels­fall fra­gen sie nach oder benutzen sie die An­rede „Ex­zel­lenz“ (engl.: „Your Excellency“). Die wich­­tig­sten Anreden lauten:

Superintendent (ev.): Herr Superintendent
Pastor (ev.): Herr Pastor, Herr Pfarrer
Patriarch (orth.): (=Papst) Eure Heiligkeit
Bischof (orth.): Eminenz
Priester (orth.): Vater
Erzbischof (angl.): Your Grace
Rabbiner (jüd.): Herr Rabbiner
Dalai Lama (bud.): Eure Heiligkeit

Akademische, diplomatische und sonstige Titel
Im diplomatischen Dienst und in der Ver­wal­tung werden Amtsträger häufig mit ihrer Amts­bezeichnung angesprochen. Ähnliches gilt für Universitäten, wobei Akademiker un­ter­einander Titel meistens nicht gebrauchen. Im Geschäftsleben werden Titel nur selten ge­­nannt, mit Ausnahme akademischer Gra­de. Die wichtigsten Titel sind:

Botschafter, ausländischer: Exzellenz
    eigener: Herr Botschafter
Konsul: Herr Konsul
Dekan (Univ.): Herr Dekan (früher: Eure Spektabilität)
Rektor (Univ.): Herr Rektor (früher: Eure Magnifizenz)
Professor: Herr Professor
Doktor: Herr Doktor
Generaldirektor: Herr Generaldirektor

In Österreich findet sich häufig der Titel „Mag.“ vor einem Namen und bezeichnet ei­nen Stu­dien­grad „Magister/Magistra“, wel­cher, anders als in der BRD, von ver­schie­­de­nen Fakultäten ver­ge­ben wird. Der Fa­kul­täts­zu­satz wird auf Visi­ten­karten etc. aber oft weg­ge­las­sen. Die korrekte Anrede ist „Herr/Frau XY“, aber bei formalen Anlässen sollte man den Titel mitnennen.
Ausführliche Beschreibungen weiterer An­re­de­­for­men gibt es im Internet, u.a. bei Wiki­pedia.

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