Wir unterscheiden bei den verschiedenen Titeln und
Anredeformen zwischen Adelsnamen und Adelstiteln,
kirchlichen Titeln und Anredeformen und akademischen,
diplomatischen und sonstigen Titeln.
Adelsnamen
und -titel
Der Umgang mit
Adelsnamen ist den Meisten heute ungewohnt. Einem Mann von Welt
sollte aber der Umgang mit Adligen leicht von der Hand gehen, auch
wenn er selbst bürgerlicher
Herkunft ist. In den meisten Fällen reicht es aus dem Adligen
beim Kennenlernen zu verstehen zu geben, dass man seinen vollen Namen
mit Adelstitel kennt, um ihn oder sie dann nur noch mit „Herr
v.“ oder „Frau
v.“ anzureden. Den
vollständigen Namen ihres Gegenübers entnehmen
sie seiner/ihrer Visitenkarte oder einer ähnlichen Quelle. Im
übrigen wird es kein Adliger übel nehmen, wenn man ihn fragt, wie
er/sie angesprochen wird.
Bei
sog. Prädikatsnamen vom Typus „Müller
v. Schmitz“
reicht es im gesprochenen Umfeld aus den ersten Namen zu
verwenden, im schriftlichen Bereich sollte man besser beide nennen.
Jemanden mit Genannt-Namen, wie z.B. „v.
Müller gen. Schmitz“
reden sie mit „v.
Schmitz“
an oder sie fragen den Namensträger, wie er/sie angeredet
werden möchte. „Edler
v.“,
„Ritter
v.“
und „Freiherr(-frau/
in) v.“
werden umgangssprachlich als „Herr/Frau
v.“
angesprochen. Bei „Freiherr/
Freifrau/Freiin“
geht auch „Baron/Baronin/
Baronesse“.
Sagen sie aber niemals „Herr
Freiherr...“
etc.
Sogenannte
titulierte Namen, also solche mit „Baron“
oder „Graf“,
werden in der Form „Baron/Graf
Schmitz“
verwendet, auch wenn zwischen Titel und Namen noch ein „v.“
steht. Die weiblichen Formen sind „Baronin“,
„Baronesse“
und „Gräfin“
(neuerdings auch für die Töchter; früher „Comtesse“).
Wichtig:
Sprechen sie adlige Herren nicht mit „Herr
Baron“
oder „Herr
Graf“
an. Diese Anrede wird nur von Dienstboten gebraucht. Als
bürgerlicher Ebenbürtiger benutzen sie den Adelstitel
ohne „Herr“
(„Lieber
Baron Schmitz...“).
Töchter werden mit „Baronesse/Comtesse“
angeredet. Bei Damen bleibt es jedoch bei der Anrede „Frau
Baronin/Gräfin“,
außer man kennt sich gut und die Situation ist vertraulich.
Bei
höher gestellten Adligen ist oft ein Blick in die Adelsverzeichnisse
notwendig, um sagen zu können welche Anrede wem zusteht.
Angehörige von (ehemals) regierenden Fürstenhäusern
werden in der Regel mit
„Durchlaucht“
angesprochen, Angehörige von Herzogshäusern und darüber mit
„Hoheit“,
bei (regierenden) Großherzögen auch „Königl.
Hoheit“.
Söhne und unverheiratete Töchter von
Fürstenhäusern und darüber tragen häufig den Titel
„Prinz/Prinzessin“.
Wenn sie diskret nachfragen möchten, tun sie dies bei
einem Mitarbeiter (Sekretärin,
Dienstboten, Angestellte etc.) des Betreffenden.
Oft gibt auch eine dem Namen vorangestellte Abkürzung
Aufschluss über die Anrede. Die Gebräuchlichsten
sind: S(eine)/ I(hre) E(rlaucht), D(urchlaucht), H(oheit)
und K(önigl.) H(oheit). Die Anrede „Majestät“
steht nur königlichen oder kaiserlichen Regenten zu.
Übrigens
ist nicht jeder adlig, der einen adligen Namen trägt.
Adoptivkinder, uneheliche Kinder oder Ehepartner erhalten
zwar nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch den Adelsnamen, sind
damit aber nicht automatisch adlig gemäß dem alten Adelsrecht
von vor 1919. Eine empfehlenswerte Anleitung für den
Umgang mit Adelsnamen ist das Buch „Adelsnamen
– Adelstitel“
von Johannes Baron v. Mirbach.
Die
wichtigsten englischsprachigen Anredeformen sind
„Your
Highness“
für Angehörige von Königshäusern, „Your
Grace“
für Herzöge (Duke,
Duchess)
und Erzbischöfe und „Your
Excellency“
für sonstige Adlige.
Kirchliche
Titel
Innerhalb der Kirchentitel wird noch einmal
unterschieden zwischen katholischen
Anredeformen, Titeln und Amtsbezeichnungen
und denen der anderen Konfessionen und Religionen. Die
wichtigsten katholischen Titel und ihre Anreden lauten:
Abt:
Hochwürdigster Herr Abt
Äbtissin:
Hochwürdigste Frau Äbtissin
Bischof:
Exzellenz (früher: Euer Gnaden)
Erzbischof:
Exzellenz (früher: Euer Gnaden)
Kardinal:
(Eure) Eminenz
Nonne:
(Ehrwürdige) Schwester
Mönch:
(Ehrwürdiger) Pater
Ordensoberin:
(Ehrwürdige) Mutter Oberin
Papst:
Heiliger Vater, Eure Heiligkeit
Pfarrer:
Herr Pfarrer, Hochwürden
Prälat:
Hochwürdigster Herr Prälat, Monsignore
Vikar:
Herr Vikar
Diakon: Hochehrwürden
Bei
den anderen Konfessionen und Religionen wird oft weniger Wert
auf Anredeformen und Titel gelegt.
Für hochgestellte Würdenträger
anderer Religionen (Islam, Buddhismus, Hinduismus
etc.) gibt es meistens keine feste Anredeform. Im Zweifelsfall
fragen sie nach oder benutzen sie die Anrede „Exzellenz“
(engl.: „Your Excellency“).
Die wichtigsten Anreden lauten:
Superintendent
(ev.): Herr Superintendent
Pastor
(ev.): Herr
Pastor, Herr Pfarrer
Patriarch
(orth.): (=Papst)
Eure Heiligkeit
Bischof
(orth.): Eminenz
Priester
(orth.): Vater
Erzbischof
(angl.): Your
Grace
Rabbiner
(jüd.): Herr Rabbiner
Dalai
Lama (bud.): Eure
Heiligkeit
Akademische,
diplomatische und sonstige Titel
Im diplomatischen Dienst und in der Verwaltung
werden Amtsträger häufig mit ihrer Amtsbezeichnung
angesprochen. Ähnliches gilt für Universitäten, wobei Akademiker
untereinander Titel meistens nicht gebrauchen. Im
Geschäftsleben werden Titel nur selten genannt, mit
Ausnahme akademischer Grade. Die wichtigsten Titel sind:
Botschafter,
ausländischer: Exzellenz
eigener:
Herr Botschafter
Konsul:
Herr Konsul
Dekan
(Univ.): Herr Dekan (früher:
Eure Spektabilität)
Rektor
(Univ.): Herr Rektor (früher:
Eure Magnifizenz)
Professor: Herr
Professor
Doktor: Herr
Doktor
Generaldirektor:
Herr Generaldirektor
In
Österreich findet sich häufig der Titel „Mag.“
vor einem Namen und bezeichnet einen Studiengrad
„Magister/Magistra“,
welcher, anders als in der BRD, von verschiedenen
Fakultäten vergeben wird. Der Fakultätszusatz
wird auf Visitenkarten etc. aber oft weggelassen.
Die korrekte Anrede ist „Herr/Frau
XY“,
aber bei formalen Anlässen sollte man den Titel mitnennen.
Ausführliche
Beschreibungen weiterer Anredeformen gibt es
im Internet, u.a. bei Wikipedia.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen