Als Mann von Welt ziehen sie naturgemäß Menschen
an. Das können Leute sein, die sie ernsthaft sympathisch
oder interessant finden, aber auch solche, die wenig lautere
Absichten hegen. Nichtsdestotrotz fällt ihnen eine Art
Führungsrolle zu, der sie natürlich gerecht werden
müssen. Als Mann von Welt übernehmen sie früher oder später
automatisch Führungsverantwortung. Das
heißt auch, dass sie unpopuläre Entscheidungen
treffen müssen und sich hin und wieder die Hände schmutzig
machen.
Grundsätzlich sollten sie folgende Regeln
beachten: Sie werden es nie schaffen immer alles
hundertprozentig unter Kontrolle zu haben.
Schieben sie dennoch niemals die Schuld auf ihre Untergebenen und
lassen sie dort auch niemals ihren Frust ab, schon gar nicht spontan.
Als Führungspersönlichkeit sind sie letztendlich für das Versagen
ihrer Mitarbeiter verantwortlich. Wenn sie nicht dazu
stehen, verlieren sie die Loyalität ihrer Untergebenen.
Verheizen sie ihre Leute nicht, drohen sie ihnen nicht und vermeiden
sie die Schädigung oder gar Zerstörung unbeteiligter
Dritter. Wem sie nicht vertrauen, denn entlassen sie mehr oder
weniger unauffällig, aber so schnell wie möglich.
Hüten sie sich auch vor spontaner Aggression
und vor ihrem eigenen Minderwertigkeitskomplex.
Wenn sie jetzt sagen, sie haben keinen, dann denken sie noch mal
genau nach. Die Gefahr bei Minderwertigkeitsgefühlen
besteht darin sich durch Ersatzhandlungen gewissermaßen
aufzublähen und die Schuld immer bei anderen zu suchen, obwohl
der Betroffene mit sich selbst hadert. Versuchen sie nicht ihre
Komplexe durch einen tollen Auftritt oder hervorragendes
Selbstmarketing wettzumachen. Inhalte sind wichtiger, als die
Verpackung. Auch eine teure Aufmachung hilft nicht weiter, denn eine
Rolex oder Veuve Clicquot mögen zwar ihre Vorzüge haben, aber die
Botschaft „Ich habe teuer, also bin ich wer“ geht
grundsätzlich nach hinten los. Hängen sie auch niemals
ihr Herz an prominente Freunde, Einladungen zum
Presseball oder ähnliche Statussymbole. Ebenso
ist die Angst seinen Lebensstil zu verlieren ein
schlechter Berater.
Erfreuen sie sich niemals an Misserfolgen
anderer, auch wenn das die größten Charakterschweine
sind. Was dabei mit ihnen passiert, wenn sie es doch tun, ist
viel schwerwiegender. Seinen sie auch vorsichtig mit
Hierarchien; die sind schön, solange man oben steht und viele
Führungskräfte spielen gerne „Menschenschach“. Ab einer
gewissen Rangstufe muss das wohl als normal angesehen
werden, jedoch birgt es Risiken für das eigene Empfinden. Vor allem,
wenn man sich daran gewöhnt. Die Gefahr, diese Machtspiele
z.B. auch ins Privatleben zu übertragen, ist sehr groß.
Geben sie sich niemals den Verlockungen der Macht hin!
Gefährlich wird es aber auch, wenn sich ihre
Aggression nach innen richtet, also gegen sie selbst.
Versuchen sie dann lieber nicht ihre Aggressionen
zu unterdrücken, sondern lassen sie diese an ihren Gegnern aus
(nicht an ihren Mitarbeitern!). Das ist besser, als einen
Herzinfarkt zu riskieren. Lernen sie Konfrontationen
auszutragen. Die meisten Menschen sind feige und weichen zurück,
sobald sie Widerstand spüren. Machen sie sich das zunutze! Und
lernen sie ihre Aggressionen als einen Teil ihrer Persönlichkeit zu
akzeptieren, auch wenn man sie deswegen nicht lieben
wird. Aber es ist besser gefürchtet, als verachtet zu
werden. Wenn sie also zur Autoaggression neigen, lernen sie
diese Aggression durch bissige Bemerkungen, enthemmteres
und weniger ängstliches Verhalten nach außen zu richten. Sonst
unterstellt man ihnen Durchsetzungsschwäche.
Und notfalls können sie sich hinterher immer
noch entschuldigen.
Bevor sie eine Konfrontation beginnen, prüfen
sie ihre Erfolgschancen. Sinnlose Kraftproben sollten sie
unterlassen. Am Besten kämpft man, wenn man sicher sein kann zu
gewinnen. So haben das die USA bisher in jedem Krieg gemacht. Und wen
sie nicht besiegen können, den machen sie sich zum Freund.
Damit gewinnen sie auf jeden Fall. Wenn sie einen Mitbewerber
loswerden wollen, z.B. bei der Dame ihrer Wahl, dann schicken
sie ihn ins Rennen, wenn die Erfolgsaussichten gegen null
tendieren. Versüßen sie ihm das mit Schmeichelein wie „Sie
sind der Einzige, der das machen kann“. Falls sie derjenige
sind, der solche Sätze zu hören bekommt, dann sollten sie sich
jedoch in acht nehmen.
Wenn sie sich an irgendeinem Menschen rächen
wollen, seien sie vorsichtig. Gefährden sie nicht ihre
aktuellen Unternehmungen wegen einer Sache, die schon Jahre
zurückliegt. Wenn sie aber die Gelegenheit haben
demjenigen so ganz nebenbei einen Schlag zu
verpassen, gibt es keinen Grund, warum sie es nicht tun sollten.
Denken sie an das alte klingonische Sprichwort: „Rache
schmeckt am Besten, wenn sie kalt serviert wird“.
Wenn sie sich in einem Kampf auf Leben und Tod
befinden in dem es um ihre Existenz geht, dann können sie nur
noch eines tun: Immer feste drauf! Das ist dann die Zeit, wo sie
keine Rücksicht mehr nehmen dürfen und wo sie den unbedingten
Willen brauchen ihren Gegner zu vernichten. Dieser Fall wird jedoch
nur selten und vielleicht in ihrem ganzen Leben nie eintreten.
Schießen sie daher nicht mit Kanonen auf Spatzen.
Es gibt gewisse Menschen, mit denen sie sich nicht
umgeben sollten. Dazu gehören Nörgler, Verlierer und
Bedenkenträger. Wenn sie solche Leute um sich scharen, wird man
deren Eigenschaften bald auch ihnen zuschreiben.
Darunter leidet ihr Image. Ein Mann von Welt ist schließlich eine
zuversichtliche Persönlichkeit, auch wenn er
Probleme beim Namen nennt. Seien sie erst recht vorsichtig,
wenn sie jemand darum bittet sich um diese Loser als eine Art
von Wohltätigkeit zu kümmern. Derjenige will ihnen ihr Image
vermasseln.
Gelegentlich kann es passieren, dass jemand der
ihnen am Herzen liegt sie bittet ihm Geld zu leihen, sie dies aber
eigentlich nicht tun wollen oder befürchten müssen das Geld nie
mehr wieder zu sehen. In diesem Fall können sie sich behelfen, indem
sie demjenigen etwa zehn Prozent der gewünschten Summe als
Geschenk überlassen. Dann bleibt die Freundschaft
erhalten und sie beide wissen, woran sie sind.
Im übrigen ist es nicht schlimm, wenn sie
angegriffen werden. Mao Tse Tung sagte einmal
sinngemäß, wer einen anderen angreift, der zieht eine
klare Linie zwischen sich und dem Angreifer. Für sie heißt
das, dass sie wissen wo der Angreifer steht und dass sie sich vor
diesem in acht nehmen müssen. Reagieren sie auf Angriffe mit Sätzen
wie: „Das war schon ganz gut, aber versuchen sie es noch mal mit
etwas mehr Schwung“. Das demoralisiert den
Gegner. Überhaupt sollten sie ständig an ihrer Abwehrrhetorik
arbeiten. Überlegen sie sich verschiedene Angriffe und wie
sie darauf verbal reagieren könnten. Ein guter Standardspruch, um
jemanden auflaufen zu lassen ist: „Das ist ja sehr
interessant, ich werde darüber nachdenken“.
Stellen sie sich vor, dass einer ihrer
Mitarbeiter zwar gute Arbeit leistet, aber
irgendwie unzufrieden mit seinem Leben ist. Aufgrund seiner
Leistungen werden sie dazu neigen seinen Status zu untermauern und
eventuelle Karriereambitionen verhindern. In diesem Fall sollten sie
aber wenigstens seine wahren Qualitäten anerkennen und ihn
ausreichend loben, eventuell auch vor Publikum. Das
streichelt seine gequälte Seele und sichert ihnen seine Loyalität.
Erfolgreich Mitarbeiter führen heißt deren Schwächen zu
erkennen und ihre Stärken zu fördern.
Verlangen sie aber niemals von
Mitarbeitern geliebt zu werden. Dafür sind Freunde oder
(Ehe-)Partner da. Wenn alles andere versagt, schaffen sie sich einen
Hund an. Und hüten sie sich vor außergewöhnlich
ehrgeizigen Personen: Diese sind
naturgemäß vor allem an ihrer eigene Karriere interessiert und
weniger daran ihre Arbeit ordentlich zu machen.
Rücksichten auf ihren derzeitigen Arbeitgeber
nehmen sie nicht und Freunde dienen ihnen nur als Mittel zum Zweck.
Im übrigen gilt: Glauben sie immer fest an ihre
Stärken. Ein Mann von Welt ist ein Macher und kein ewiger
Bedenkenträger. Erinnern sie sich an ihre Erfolge in der
Vergangenheit und schöpfen sie daraus Kraft für die
Zukunft. Denken sie daran, dass sich ein Mann von Welt in seiner
Wohnung mit Gegenständen umgibt, die ihn an frühere
Episoden seines Lebens erinnern; auch an Erfolge!
Noch ein Wort zu Gerüchten. Es wird nicht
ausbleiben, dass ein Mann von Welt das Ziel zahlreicher Neugieriger
wird und dass diese versuchen werden ihnen mit übler Nachrede zu
schaden. Gehen sie mit aller Härte gegen solche Leute vor! Es ist
besser, man hält sie für einen wütenden Psychopathen, als für ein
Weichei. Nehmen sie solche Leute ruhig mal persönlich und
öffentlich ohne Gnade ins Gebet. Hüten sie sich auch vor
Leuten, die sie öffentlich kritisieren. Die meinen es nie gut mit
ihnen. Ihre Freunde werden sie immer diskret auf Fehler hinweisen.
Wenn sie merken, dass die Gerüchteküche ihre Schwächen
thematisiert, dann zeigen sie den Schwätzern, dass eine ihrer
Stärken darin besteht solchen Leute die Gesäßfläche
aufzureißen. Inszenieren sie sich als wildgewordener
Psychopath. Lassen sie sich dabei nicht von Phrasen wie „so was
tut man nicht“ beeindrucken. Je mehr ihr Gegner sich
vor ihnen fürchtet, desto besser. Reden sie sich da bloß keine
Schuldgefühle ein. Apropos Schuldgefühle: Soetwas sollten
sie ohnehin niemals haben. Auch sollten sie sich
nicht von Fehlern oder Fehlentscheidungen der Vergangenheit
leiten lassen, oder gar von Verletzungen die sie anderen
zugefügt haben. Solche unerledigten Geschäfte sind nur
eine Belastung für die Zukunft. Wenn es nicht anders geht,
versuchen sie unerledigte Dinge zu beenden und ihren Frieden damit zu
machen, z.B. durch Wiedergutmachung oder Abbitte. Wenn sie katholisch
sind, können sie auch zur Beichte gehen.
Im übrigen sollten sie sich überlegen, auf
welche Art man sie am schwersten verletzen könnte und dabei
uneingeschränkt ehrlich zu sich selbst sein. Es versteht sich von
selbst, dass sie mit niemandem darüber reden.
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