Sonntag, 3. Dezember 2017

Wohnsitzwahl

Zum Zwecke der sozialen Umtriebe des Man­nes von Welt eignen sich weniger über­füll­te Großstädte, als vielmehr Mode­kur­orte, re­nom­mierte, aber wenig über­laufene Fe­rien­­orte, sowie Badeorte an Bin­nen­seen und an der Küste. Besonders geeignet zur Wohn­sitz­nah­me sind Heil­bä­der, die sich zwar mit dem Titel „Bad“ schmücken, deren Heilwasser aber kei­ne be­son­dere Wirkung zeigt, wie z.B. Heilwasser ge­gen Stuhl­­verstopfung. Da­her wer­den sie ge­le­­gent­lich „Mo­­de­kur­or­te“ ge­nannt. Auch See- und Kneipp­heil­bä­der kann man in diese Kategorie einordnen, denn bei Badeorten am Meer ge­nügt es in der Pra­xis geo­gra­phisch un­mit­tel­bar an der Kü­ste zu liegen, um sich See­heil­bad nennen zu dürfen und Kneippkuren sind medizinisch um­strit­ten.
Gemäß Wikipedia werden in der BRD als „Kur­orte“ Ge­mein­den oder Gemeindeteile be­zeich­net, de­nen aufgrund ihrer besonderen Eig­nung für eine medizinische Therapie ein ent­­spre­chen­des Prädikat von Amts wegen ver­liehen wurde. Prä­gend für einen Kurort ist das Vor­han­den­sein natür­li­cher Heilmittel des Bo­dens, des Was­sers oder des Klimas, oder die Mög­lich­keit eine Physio­the­rapie nach Kneipp zu ab­sol­vieren. Alle der knapp 400 an­erkannten Heilbäder in der BRD dürfen die Bezeichnung „Bad“ vor dem Namen füh­ren, was jedoch nicht alle tun. Es gibt sogar einige Orte, die „Bad“ als Wortteil bereits im Namen tragen, u.a. Baden-Baden, Baden­wei­ler, Jordanbad, Salzgitter-Bad, Schlangen­bad, Sibyllenbad, Warmbad, Wiesbaden und Wie­senbad. Man unterscheidet grob die fol­gen­den Heilbäderarten:
  • Mineralheilbad; Nutzung von Mineral­vor­­­kommen,
  • Moorheilbad; Zubereitung von Moor­bä­dern unter Nutzung von Torf,
  • Seeheilbad; Nutzung des Seeklimas,
  • Soleheilbad; Nutzung von Sole (Salz­lau­ge),
  • Radonbalneologie; Nutzung der natürli­chen Radioaktivität des Edelgases Radon,
  • Kneippheilbad.
Außerdem gibt es noch Erholungsorte, Luft­kur­orte, heilklimatische Kurorte etc. Ein­zel­hei­ten zur Klas­si­fi­kation von Kurorten gibt es auf der Webseite des Deutschen Heil­bä­der­verbandes e.V.
Der Österreichische Heilbäder- und Kur­orte­ver­band definiert „Kurorte“ als Gebiete, „in de­nen behörd­lich anerkannte Heil­vor­kom­men vorhanden sind und ortsgebunden ge­nutzt werden, und in denen die hierfür er­for­der­lichen Kureinrichtungen vorhanden sind.“ Unter die „Heilvorkommen“ fallen auch kli­ma­tische Einwirkungen (Luft­kur­or­te), aber, im Gegensatz zu Deutschland, kei­ne Kuren nach Kneipp, die allerdings weit ver­breitet sind.
In Südtirol ist der lange vergessene Bäder­tou­rismus wieder im Aufschwung begriffen. Fast vergessene Quellen werden seit einigen Jahren wieder für den Badebetrieb genutzt, u.a. die Schwefelquelle in Bad Moos in den Dolomiten. Im Elsass und in Lothringen ist der Badebetrieb heute situationsgemäß auf französische Badetouristen ausgerichtet. Ba­de­orte erkennt man an ihrem deutschen Orts­namen plus den nachgestellten Wörtern „..-les-bains“.
In der Schweiz stellt sich die Situation der Kur­­orte etwas anders und oft auch noch kan­tonal verschieden dar. Zunächst sei be­merkt, dass die Be­zeich­nung „Bad“ häufig, und öfter als in Deutschland üblich, nach dem Orts­­na­men folgt, wie z.B. in „St. Moritz Bad“, dem Orts­teil von St. Mo­ritz, in wel­chem der Ba­de­be­trieb statt­fin­det. Der Grund dafür liegt in der Organisation einer Ge­mein­de, die ihrerseits in Fraktionen (=Ortsteile) untergliedert ist, deren Namen dem Ge­mein­de­namen folgt. Dabei gilt, dass der Ortsteil „Platz“ derjenige ist, in welchem sich die Ge­meindeverwaltung befindet, „Dorf“ der Kern­­raum der Wohn­bebauung ist und „Bad“ den Gemeindeteil mit dem Kurbad bildet. Da­neben gibt es auch noch Orte, die eine ei­gen­ständige Gemeinde bilden und bei denen „Bad“ ein Teil des Namens ist, wie z.B. „Leu­­ker­­bad“.
Als Heilbäder offi­ziell aner­kannt nach Artikel 40 Bun­des­ge­setz über die Kran­ken­versicherung (KVG) sind die Or­te Baden, Rheinfelden, Schinz­nach-Bad, Bad Zurzach, Läufelfingen BL, Andeer GR, Al­va­neu Bad, Scuol, St. Moritz, Bad Ragaz, Va­lens SG, Stabio TI, La­vey-les-Bains, Yver­­don-les-Bains, Breiten ob Mörel, Leu­ker­bad, Ovron­naz VS und Sail­lon VS. In al­len Orten finden ernstzunehmende Kur­be­hand­lungen statt, al­ler­dings hat sich der Schwer­­punkt in den Heil­bädern der Berg­kantone schon lange auf den Touris­mus ver­­lagert. Vor allem St. Mo­ritz ist als Win­ter­sport­ort und zweimaliger Aus­tra­gungs­ort der olympischen Winter­spie­le nicht auf den Kur­be­trieb angewiesen. Ein auf­stre­bendes Kur­bad ist dagegen Alvaneu Bad in Grau­bün­den, wel­ches - einige Kilo­me­ter bergab­wärts vom ei­gent­lichen Ort ent­fernt - im we­sent­­li­chen aus einem Thermal­bad und einem Golfplatz be­steht. In Valens SG indessen wird man außer­halb der Kur­be­triebsanlagen nur Wohn­häu­ser vorfinden, während sich das gesell­schaft­liche Leben im einige Kilometer talab­wärts gelegenen Bad Ragaz abspielt. Völ­lig anders stellt sich die Lage in Leu­ker­bad dar. Hier wanderte der Gemeinde­prä­si­dent ins Ge­­fängnis, weil seine Bestrebungen den Ort zu einem Modekurbad umzu­ge­stal­ten einen gigantischen Schul­den­berg ange­häuft haben.
Im übrigen gibt es auch Badeorte die nicht als Heilbäder nach Artikel 40 KVG an­er­kannt sind und die dennoch das Kürzel „Bad“ vor oder hinter dem Namen führen, z.B. Bad Serneus GR, ein nur aus einem Kur­­ho­tel be­ste­hen­der Ortsteil des Dorfes Ser­­­neus, welches wie­de­rum einen Ortsteil der Ge­mein­de Klo­sters-Serneus darstellt, oder Schwefelberg-Bad, ein Teil der Ge­mein­­de Rüsch­egg BE, wo es ne­ben einer Schwe­­fel­quel­le das ein­zi­ge Natur­fango­vor­kom­men der Schweiz gibt.
Modekurorte findet man in der Schweiz kon­se­quenterweise vornehmlich unter jenen Or­ten, die nicht nach Art. 40 KVG anerkannt sind und folg­lich auf Kurtourismus setzen müs­sen, was aber bei der allge­mei­nen Tou­ris­mus­orien­tie­rung im Land kaum ins Auge fällt. Ein „Kur­haus“, oft mit Wellness-Be­reich, und ei­nen „Kur­­park“ gibt es ohnehin in fast jedem Tou­­ri­sten­ort.
In die Kategorie der Modekurorte fallen unter anderem die vor allem in der BRD und in Öster­reich ver­brei­teten sog. „Kneipp­­kur­or­te“ de­ren Be­hand­­­lungs­me­tho­de auf Was­ser­an­wen­dun­gen, Pflanzen­wirk­­stof­fen und auf Be­we­gungs- und Ernäh­rungs­em­pfeh­­lun­gen des be­kann­ten Pfarrers Sebastian Kneipp basiert. Die Wirk­sam­keit seiner Leh­re ist medi­zi­nisch zwar nicht ein­deu­tig be­legt, aller­dings sind bei eini­gen Krank­heiten Lin­de­run­gen nach­­­ge­wiesen. Als Heilbad an­er­kann­te Kneipp­kur­or­te gibt es nur in der BRD. In Österreich fin­den sich Kneippkuren vorwiegend als er­gän­zendes Kurangebot, in der Schweiz wer­den sie kaum offeriert.
Ähnliches gilt für Kurorte, in denen die sog. „Schroth­ku­ren“ angeboten werden. Die­ses ebenfalls um­­­strittene, im 19. Jahr­hun­dert ent­­wickelte Heilverfahren geht auf den Fuhr­mann Johann Schroth zurück, der seine eigenen Krank­hei­ten mit feuchten Wickeln, zeitweisem Nah­rungs- und Flüssig­keits­ent­zug und daran an­schließen­den Diättagen ku­rier­te. Es gibt Me­di­ziner, die Schroth­kuren sogar als gesund­heits­ge­fähr­dend einstufen. Ein­ziges „offi­ziel­les“ Schroth-Heil­bad in Deutsch­land ist Bad Ober­stau­fen im Allgäu, al­ler­­dings werden die um­strit­tenen Kuren auch in zahlreichen anderen Kur­bädern durch­­ge­führt, und zwar meistens dort, wo es auch Kneipp­ku­ren gibt.
Eine Mo­de­welle auf dem Gesund­heits­­markt sind Trink­kuren mit Molke, ei­nem Abfall­pro­­dukt aus der Milch­ver­ar­bei­tung. Molke­ku­­ren wurden etwa gegen 1745 in der Schweiz erfunden und erreichten im 19. Jahr­­­­hundert ihre größte Popularität. Ob sie ir­­gend­­­ei­ne medizini­sche Wir­­kung her­bei­füh­ren, ist nicht klar. Es existieren heute auch keine reinen Mol­­ke­kur­or­te mehr, so­dass Mol­­kekuren vor­wie­gend als Er­gän­zung zu Schroth- und Kneipp­ku­ren an­ge­bo­ten wer­den.
Modekurorte sind ge­ra­­de­zu ge­zwun­­gen, ne­ben ihrem üb­li­chen Kur­­be­trieb, ihre An­zie­hungs­kraft für ge­ho­be­ne Touristen zu för­dern, was bei Kneipp­- und Schroth­kurorten – neben der Erhebung von Kurtaxe - wohl auch die Ab­sicht ist. Sie tun das ge­wöhn­lich mittels einer reich­­­hal­ti­gen Frei­zeit­in­fra­­struk­tur, zu wel­cher un­be­dingt ein Kur­park mit einem oder mehreren Tanz­cafés ge­hört. In selbigen wird der Mann von Welt ge­nü­­gend Auswahl an hol­der Weib­­­lich­keit vor­fin­den, um seinen Ver­­­füh­rungs­­kün­sten freien Lauf zu lassen. Voraus­gesetzt, die Da­me sei­ner Wahl über­lässt ihm die Ini­tia­ti­ve! Eine wei­tere gute Mög­­lichkeit Kontakte zu knüp­fen bieten die in Kurorten vor­­han­de­nen Trink- und Wan­del­hallen. Sport­­­mög­lich­kei­ten sind ebenso wichtig. Ne­ben Tennis­plät­zen und einem Ther­­­­­mal­schwimm­bad soll­te vor allem ein Golf­­­­­platz vor­handen sein.
Der „norma­le“ Kur­be­trieb bedingt die Ein­rich­­tung eines Kur­- und Badehauses und ei­ner Trink- und Wan­del­hal­le, ideale Or­te der Kon­takt­pfle­ge für den Mann von Welt. Mei­stens sind diese Stätten von dem ob­­li­ga­to­ri­schen Kur­­park umgeben oder sel­biger liegt in un­mit­telbarer Nähe. Oft fin­den sich in der Trink- und Wandelhalle auch ein Lese­saal und ein Konzertsaal für Ver­an­stal­tun­gen. Im Kur­haus oder einem an­de­ren Ge­bäude gibt es in der Regel ein Thea­ter und nicht selten auch ein Spielcasino. Ge­säumt wer­den die Kur­­­­einrichtungen von nob­len Ho­tels und eben­­­­so noblen Geschäften, die fast immer naht­­­los in eine Geschäftstraße und Fuß­gän­ger­zone übergehen, die wiede­rum Ein­kaufs­mög­lichkeiten, Restaurants und Cafés für je­den Geldbeutel präsentiert. In der näheren Um­gebung, wenn nicht sogar im Ort selber, gibt es zahlreiche Sport­ein­rich­tungen, zu denen Wanderwege, Tennis­plä­tze und ein Golfplatz gehö­ren.
Urtyp aller Modekurorte ist Bad Ems an der Lahn, wo schon Kaiser Wilhelm und der rus­si­sche Zar ihren Ur­laub verbracht haben. An die Zarenzeit erinnert die russisch-orthodoxe Kirche, die bis heute alle Wir­ren über­dau­ert hat. Natürlich gibt es in Bad Ems auch ernst­zunehmende Kurbehandlungen, und zwar ist man auf Atem­wegs­er­kran­kun­gen speziali­siert, die oberhalb des Ortes in einer eigenen Höhenklinik behandelt wer­den. Dorthin ge­langt man von Ortszentrum aus mit einer Stand­seilbahn. In Bad Ems kann der Mann von Welt sogar mit seinem Was­­ser­fahrzeug vor­fahren, bietet die Lahn doch direkten Zu­gang zum Rhein, mittels di­ver­ser Schleu­sen, und der örtliche Sport­boot­club zahl­rei­che Lie­­­ge­plätze, übrigens auch für Gäste. Der Golf­­platz liegt nördlich des Ortes an der Straße nach Denzerheide.
Ein weiteres, exzellentes Beispiel für einen renommierten Modekurort ist Bad Neuenahr, südlich von Bonn. Der Ort verfügt neben ei­ner geographisch günstigen Lage mitten in ei­nem Weinanbaugebiet über alle Annehm­lich­keiten, die Männer von Welt schätzen. Der lokale Rotwein ist überdies von sehr gu­ter Qua­li­tät und für besondere Anlässe em­pfiehlt sich der regionale Sekt. Der Golf­­platz be­fin­det sich zwi­schen den Orts­teilen Lohrs­dorf und Kirch­daun. Leider ist die Ahr nicht schiff­bar, so­dass hier eine Vor­fahrt mit dem Was­­ser­fahr­zeug nicht mög­lich ist. Die näch­ste Ma­ri­na liegt etwa 16 km ent­fernt in Ober­winter am Rhein (Hinweis für Be­sucher, die per Boot an­­­­reisen: Zwi­schen den beiden Orten ver­kehrt stünd­lich ein di­rek­­ter Re­gio­nal­zug mit Erster-Klasse-Ab­teil. Die Fahrzeit be­trägt an­­­­nähernd 20 Mi­nuten. Mit dem Taxi geht es nur un­we­sent­­lich schnel­­ler und die Fahrt ko­stet etwa € 23,-). Auch in Bad Neu­­­en­­­­ahr gibt es natürlich ernst­hafte medizi­ni­sche Be­hand­lun­gen: Der Ort ist ein Zentrum für die Hei­lung von Blut­ge­fäß­­­krank­hei­ten.
Ein Beispiel für einen jungen, im Auf­schwung begriffenen Kneipp­­kur­ort ist Bad Kötzting in der Ober­pfalz, nord­öst­lich von Regensburg gelegen. Den Titel „Bad“ trägt der Ort seit 2005. Die dort ansässige „Deut­sche Klinik für Traditio­nel­­le Chinesi­sche Me­di­zin“ ist seit 2005 Universi­täts­kli­nik der Peking-Universität. An­sonsten gibt es di­ver­se Reha­bilita­tions­kli­ni­ken, z.B. für Or­tho­pä­die, Rheumatologie und Neu­ro­lo­gie. Außer­­dem hat der Ort eine Fach­schule für Alten­­pflege. Schwimmbad, Kurpark und na­­tür­lich diverse Kneipp­kur­be­trie­be sind eben­­falls vor­­handen. Seit 2000 gibt es auch eine Spiel­bank und seit 2006 eine Whiskybrennerei. Der nächst­ge­legene Golfclub be­fin­det sich in Furth ca. 20 km nörd­lich von Bad Kötzting, der nächste schiff­bare Fluss ist die Donau. Die nächst­­ge­le­gene Marina ist in Deg­­­gen­dorf, ca. 45 km weiter südlich, zu fin­den. Al­len vorgenannten Orten ist über­dies ge­mein­­­sam, dass sie über einen Golf­plat­z in der Nähe und ein Thermal­schwimm­­bad am Ort selbst ver­fügen.
Weiterhin als Wohn­sitz­orte geeig­net sind Ba­de­­or­te, die durch­­­­aus auch an einem Bin­nen­­ge­wäs­ser lie­gen können, wie z.B. Meers­burg am Bo­den­see oder das am Wör­ther­see be­find­liche Vel­den. Als Beispiel für einen an der Küste lie­genden Bade- und Ur­laubsort sei das flä­mi­sche Knokke-Heist, nordöstlich von Oost­ende, erwähnt.
Zwar sind neben Modekurorten auch Ferien­or­te jedweder Couleur eines Mannes von Welt wür­dig, je­doch gibt es dabei ein paar Din­ge zu beachten. Der Mann von Welt soll­te zu­nächst An­sied­lun­gen mei­den, die von ihrer In­­fra­struktur her aus­­schließ­lich auf Win­­ter­sport ausgerichtet sind. Es gibt kaum etwas deprimierenderes, als eine mit Ski­lif­ten voll­ge­stellte, som­mer­li­che Alp­weide und ein Berg­­bahn­ver­kehrs­netz, wel­ches im Som­mer nur vor sich hin düm­pelt. Zu allem Über­fluss gibt es in reinen Win­ter­sport­orten oft auch noch Hotels und Restaurants, die im Sommer ge­schlos­sen sind. Derartige Gei­ster­gebäude sind der At­mos­phäre nicht för­der­lich. Rezi­prok kann ein auf Sommer­be­trieb aus­ge­rich­te­ter Kü­sten­ba­de­ort im Winter einer der lang­­­wei­lig­sten Plätze der Welt sein. Dort fin­den sich oft, ana­log zu Win­ter­sport­or­ten, Ho­tels, die nur im Sommer ge­öff­net sind und im Winter als leblose Gei­ster­ge­bäu­de vor sich hin modern. Ein weiteres Pro­blem der Fe­rien­orte ist die wachsende Zahl an Zweit­woh­nungen, die je­doch nur wenige Wo­chen im Jahr bewohnt wer­den; in der Schweiz „Kalte Betten“ ge­nannt. So­wohl im Al­pen­raum als auch an den euro­pä­i­schen Kü­sten sind in den letzten Jahrzehnten ganze Stadt­viertel aus dem Bo­den gestampft wor­den, die aber die meiste Zeit über leer stehen. Ein wunderbares Bei­spiel dafür sind die auf Mal­lorca üblichen Ur­banisationen. Solche Gei­sterstädte sind der allgemeinen Atmos­phä­re ebenso we­­­nig dien­lich, wie leer­ste­hen­de Hotels oder still­lie­gende Skilifte.
Es gibt nur wenige Ferienorte, in denen das ganze Jahr über Betrieb herrscht und selbst im belebtesten Ferienort sind in der Regel der Frühling und der Herbst die Zeiten mit dem geringsten Besucherandrang. Die für Fe­­rien­orte typischen Verkehrsspitzen – sei es im Sommer oder im Winter - können die Le­bens­qualität der Einheimischen jedoch er­heb­­lich be­ein­trächtigen. Daher sind Ferien­or­te bei der Wohnsitzwahl mit Vor­sicht zu ge­nießen. Kur­orte dagegen ver­zeich­nen in al­ler Regel das gan­ze Jahr über einen relativ kon­stanten Be­su­cherstrom, was sich auch sehr po­si­tiv auf die Infra­struk­tur auswirkt.
Eigentlich versteht es sich von selbst, dass der Mann von Welt mit der Infrastruktur und den Be­son­der­hei­ten seines Wohnortes vertraut ist, d.h. er kennt die Einkaufsmöglichkeiten am Ort und weiß wo und wie er welche benötigten Güter beschaffen kann. Das Veranstaltungsprogramm im Umkreis ist ihm eben­so bekannt. Er weiß auch, welche Restaurants empfehlens­wert sind oder welche Sehenswürdig­keiten er seinen Besuchern zeigen kann. Selbst Briefkästen stellen inzwischen eine Besonderheit im Ortsbild dar, sodass man ihren Standort und ihre Leerungszeiten kennen sollte.
Der Mann von Welt sollte aber auch wissen welche Angebote dem Suchenden bei Nacht und an Wo­chen­enden und Feiertagen offen stehen, also welche Unterhaltungsmöglichkeiten es lange nach Einbruch der Dunkelheit gibt (Kino, Theater, Musik- und Tanzlokale etc.), wo man spät nachts etwas essen oder trinken kann (Restaurants, Bars oder auch Bringdienste), welche Einkaufsmöglichkeiten nach Laden­schluss es gibt, wo der nächste Geldautomat steht, welche Taxidienste nachts arbeiten, welche Tank­stellen geöffnet haben und welche Notfalldienste man im Falle eines Falles anrufen kann (Medi­zini­sche Notfälle, Pannendienst etc.). Als Tipp sei gesagt, dass u.a. Autobahnraststätten und Autohöfe rund um die Uhr geöffnet haben und man dort tanken, speisen, einkaufen und oft auch Geld abheben kann. In länd­­lichen Gegenden gibt es meist keine anderen Möglichkeiten. In einer Großstadt kann man nachts am Bahnhof oder am Flughafen essen und einkaufen; auch gibt es dort neben Taxis häufig auch Nacht­bus­netze und –bahnverbindungen.
Nachdem die generelle Wohnortfrage geklärt ist, benötigt der Mann von Welt natürlich auch ein Do­mi­zil. Hierbei stehen ihm prak­tisch alle Möglichkeiten offen, von der luxu­riö­sen Villa bis zur gemieteten Klein­woh­nung. Man möge sich in diesem Zu­sam­men­hang das Beispiel des bekannten Londoner Meisterde­tektivs Sherlock Holmes vor Au­gen hal­ten, der den größten Teil seines Le­bens als eine Art Untermieter („Lodger“) im ersten Stock des Hauses 221B Baker Street zu­brach­te, welches sich im Besitz sei­ner Ver­mie­terin („Landlady“) Mrs. Hudson be­fand. Mr. Hol­mes bewohnte persönlich nur einen kleinen Schlafraum. Den kombinierten Wohn-, Spei­se-, Empfangs- und Arbeitsraum teilte er vie­le Jahre mit seinem Mitbewohner und Freund Dr. Watson. Obwohl Mr. Hol­mes nie über einen Herrensitz oder ähnliches verfügt hat, würde ihm dennoch niemand den Titel „Mann von Welt“ streitig machen. Es war seine Persönlichkeit, die immer wieder rat­su­chen­de Menschen in sein holzgefeuertes Wohn­zimmer lockte und ihn immer wieder dazu brachte, weite Reisen im In- und Aus­land zu unternehmen.
Mr. Holmes pflegte des öfteren chemi­sche Ex­perimente durch­zu­führen, weshalb in einer Ecke des Wohn­­­­rau­mes ein Tisch mit di­­ver­­sen chemischen Appa­­ra­tu­ren bereit stand. Außerdem lagerte er seine Un­t­er­lagen über vergangene Fälle und Kri­mi­­nelle jed­we­der Couleur wohl­ge­ord­net in ver­­schie­denen Schrän­ken, ebenso einige be­deu­tende Erin­ne­­rungsstücke an seine auf­ge­klär­ten Fäl­le. Als exzentrischer Junggeselle be­wahr­te er über­­dies seinen Ta­bak in einem per­si­schen Haus­schuh auf und seine un­be­ant­­wor­tete Kor­­respondenz heftete er mit einem Mes­ser an den Kamin­sims. Die Wand zierten Spuren seiner Schieß­übungen, die er grund­sätz­lich vom Sessel aus machte. Staub war ein Teil seines Archivsystems, denn an der Dicke der Staub­schicht konnte er das Alter der Un­ter­la­gen ablesen. Dass er seinen Wohn­sitz im Zen­trum Londons nahm und nicht in einem britischen Kurort wie z.B. Lea­ming­ton Spa, war berufs­be­dingt. Damit seine Klienten ihn erreichen konnten, musste er zentral wohnen. Für den Mann von Welt heißt das, dass die Größe und Art des Wohnsitzes – Villa oder Miet­­woh­nung - nicht sonderlich be­deu­tend ist. Viel wichtiger ist, mit welchen Ge­rät­schaf­ten er sich in seiner Residenz um­gibt.
Der Mann von Welt sammelt Ge­gen­stände um sich, die in seinem auf­re­gen­den Le­ben eine Rolle spielen oder gespielt ha­ben. Er hat auf seinen Reisen nicht nur viel ge­se­hen, sondern auch viele interessante Ge­gen­stände mitgebracht, die er zur Erinnerung in seiner Behausung aufgestellt hat. Dazu kom­men die Dinge und Hobbys, mit denen er sich aktuell beschäftigt. Mit den Jah­ren hat sich somit ein Kuriosi­tä­ten­ka­bi­nett he­raus­gebildet, aus wel­chem der Mann von Welt Kraft schöpft, in­dem er sich an die Begeben­heiten erinnert, die mit den einzel­nen Sou­ve­nirs verbunden sind. So ge­rü­stet sieht er den Heraus­for­de­run­gen der Zukunft gelassen entgegen. Eine große Vil­la mit nichtssagenden Design­er­möbeln die einen un­per­sönlichen Charme aus­strahlen ist eines Mannes von Welt un­wür­­dig. Eine Re­si­denz von Welt muss die Per­sön­lich­keit ihres Bewohners wider­spie­geln.
Nebenbei bemerkt, sollte der Mann von Welt in seiner Sammlung unbedingt eine stilvolle Musik­dose, auch Spieldose genannt, sein eigen nen­nen (aber nicht den Kitsch aus Souvenirshops!). Der Besitz einer solchen Musikdose weist ihn schließlich als kultivierten Men­schen aus. Stilvolle Musikdosen werden auch heute noch in verschiedenen Größen und Aus­füh­run­gen hergestellt, vornehmlich in der Stadt Sainte-Croix in der Westschweiz. Bei den Me­lodien stehen neben den Klassikern auch modernere Stücke zur Auswahl, z.B. aus diver­sen Musicals.
Falls der Mann von Welt des öfteren Besuche von Personen empfängt, mit denen er aber keinen vertrau­li­chen Umgang pflegt, wie z.B. Geschäftspartner, dann ist es vielleicht sinnvoll einen Raum als eine Art Be­sprechungszimmer herzurichten. Optimal wäre es, wenn der Zugang zu diesem Raum durch einen separaten Eingang erfolgen könnte. Damit vermeidet man, dass diesem Besucherkreis ein Einblick in die Privatsphäre des Mannes von Welt gewährt wird. Sollten die Besucher über Nacht bleiben, benötigt man natürlich entsprechende Gästezimmer oder man mietet solche in einem nahegelegenen Hotel an. Letzteres hat den Vorteil, dass auch hier eine gewisse Distanz gewahrt bleibt.

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