Im Gegensatz zum Snob ist der Mann von Welt bei
der Wahl seines Verkehrsmittels nicht auf Luxuslimousinen und
Privatjets beschränkt. Ihm stehen vielmehr alle
Möglichkeiten offen und er bedient sich desjenigen
Verkehrsmittels welches gerade zur Verfügung
steht und sein Transportbedürfnis schnell und komplikationslos
erfüllt.
Beim Lufttransport nimmt er den komfortablen
Linienjet und reist möglichst Business Class oder höher,
sofern kein Privatflugzeug verfügbar ist. Kann er
sein Ziel aber nur mit einem Billigflieger erreichen, z.B.
weil überhaupt keine andere Gesellschaft das
Reiseziel anfliegt und auch keine Privatmaschine verfügbar
ist, dann wird er ohne zu zögern die einfache Touristenklasse
besteigen, die Gegenwart von Mitgliedern der Unterschicht
notgedrungen akzeptierend. Die schnelle
Erreichbarkeit des Reiseziels hat unbedingten
Vorrang! Im übrigen gibt es im modernen Lufttransport seit
Einstellung des Concorde-Service ohnehin keine Exklusivität
mehr, wenn man von Privatflugzeugen absieht.
Die Wahl der Fluggesellschaft ist heutzutage
sowieso eher Glücksache, vor allem weil die großen Gesellschaften
Kurzstrecken an ihre Billigflugtöchter abgegeben haben
oder weil ein Billigflieger als Partnergesellschaft in
einem Verbund die Beförderung übernimmt. Auch das sog. Codesharing
spielt eine immer größere Rolle, d.h. Fluggesellschaften kaufen bei
der Konkurrenz Sitzplatzkontingente, um eine bestimmte
Strecke anbieten zu können, ohne sie selbst fliegen zu müssen. Es
kann also durchaus passieren, dass z.B. jemand der Lufthansa
gebucht hat, mit Eurowings befördert wird. Dies geschieht vor allem
auf innereuropäischen Kurzstrecken und von oder zwischen
Regionalflughäfen. Beispielsweise werden alle Lufthansa-Flüge
von Köln/Bonn nach London von Eurowings durchgeführt.
Mit einer eigenen Privatmaschine zu fliegen –
und sei sie noch so klein – hat durchaus Vorteile. Man reist
individuell und ungestört, erspart sich (leider nicht immer) die
schikanösen Sicherheitskontrollen am Flughafen, entscheidet selbst
über die Flugroute und den Landeplatz und man ist nicht auf
irgendwelche Linienflugpläne angewiesen. Es muss ja auch nicht
unbedingt ein interkontinentales Strahlenflugzeug sein; eine kleine,
modern ausgestattete Propellermaschine erfüllt denselben Zweck.
Andererseits aber unterliegen auch Privatpiloten den Einschränkungen
des überfüllten Luftraumes, müssen alle Flugformalitäten
selbst abwickeln und neben der notwendigen Fluglizenz natürlich auch
ein Fluggerät besitzen. Selbst wer über das dafür notwendige
Kleingeld verfügt, sollte sich überlegen, ob der Besitz eines
Privatflugzeuges überhaupt rentabel ist. Man müsste
entweder ein begeisterter Hobbyflieger sein oder das Fluggerät
häufig genug einsetzen, um gegenüber einem Linienflug Kosten
einzusparen; erst recht, wenn man womöglich auch noch einen eigenen
Piloten einstellt. Für Wenigflieger ist es auf jeden Fall rentabler
einen Linienflug zu buchen oder ein Charterflugzeug/Lufttaxi zu
mieten.
Lufttaxis fallen in die Kategorie Charterflüge.
Geflogen wird mit kleinen Propellermaschinen oder auch Helikoptern,
wenn es sich um Kurzstrecken handelt, oder mit kleinen
Düsenmaschinen, die auch für Transatlantikflüge geeignet
sind, und etwa vier bis acht Passagiere aufnehmen können. Die
Bewegungsfreiheit ist an Bord naturgemäß eingeschränkt;
manche Kabinen, selbst die von Langstreckenjets, sind niedriger als
die Stehhöhe. Der Komfort an Bord beschränkt sich auf eine
Toilette, sofern es sich um ein Langstreckenflugzeug handelt.
Kleinere Propellermaschinen für max. vier Personen plus Pilot haben
nur eine kleine Kabine mit Sitzen darin. Nur in einigen, wenigen
Maschinen gibt es Kommunikationseinrichtungen (Telefon,
Internet etc.). Die Vorteile von Lufttaxis sind jedoch u.a. die
direkte Verbindung ohne Umsteigen und die Möglichkeit zur Mitnahme
von Gegenständen die auf Linienflügen verboten sind, wie z.B.
Flüssigkeiten oder spitze Gegenstände.
Im Internet finden sich weiterhin diverse
Mitflugzentralen, bei denen Hobbypiloten und andere Flieger freie
Plätze in Privat- und Charterflugzeugen anbieten; eine davon ist
de.wingly.io, eine andere flyt.club. Der Preis ist in der Regel
Verhandlungssache. Auch für Männer von Welt ist dies eine
interessante Möglichkeit der Fortbewegung. Seit neuestem
hat sogar die EU ihren Segen dazu gegeben, obwohl eine Zeit lang
sogar ein Verbot dieser Praxis im Gespräch war.
Die Erste Klasse oder die Business
Class der Linienflüge bieten gewisse Vorzüge gegenüber der
einfachen Touristenklasse, vor allem bei Fernflügen.
Während die Fluggesellschaften auf Kurzstrecken in den höheren
Klassen oft einfach nur den Mittelplatz nicht belegen, ohne
dass sich die Sitze oder der Sitzabstand nennenswert
von der Touristenklasse unterscheiden, gibt es auf
Langstreckenflügen durchaus interessante Zusatzleistungen.
Business und First Class Passagiere können z. B. vor dem
Flug an separaten Schaltern einchecken und in Lounges Platz
nehmen, sie erhalten während des Fluges eine
höherwertige Verköstigung mit
besserem Geschirr, eine größere Auswahl an Zeitungen und
Zeitschriften und nach dem Flug ihr Gepäck vor den
Passagieren der Economy Class. Gelegentlich
gelten auch höhere Gepäckfreimengen. Meist dürfen
Business und First Class Passagiere die Flugzeuge zuerst betreten
oder verlassen. Ebenso besteht in der First Class fast
immer die Möglichkeit, den Sitz in eine Liege umzuwandeln,
um den Fluggästen Schlaf zu ermöglichen. Und es
gibt für die Erste Klasse, neben einer Spitzengastronomie,
neuerdings auch eigene Badezimmer mit Dusche an Bord.
Die Klasseneinteilung variiert je nach Fluggesellschaft und
hat nicht selten auch noch einen eigenen Namen. Das
Leistungsniveau ist aber immer höher, als in der
Touristenklasse. Auf der Webseite www.seatguru.com
kann man eventuell sogar vorab einen Blick auf die Sitzplätze
werfen.
Ansonsten sollte man vielleicht einen Gangplatz
buchen, der etwas mehr Raum bietet, als ein Fensterplatz
und einem überdies den Weg auf die Toilette frei lässt. Sein Essen
und die Getränke kann man auch vom Flughafen mitbringen. Wer eine
leere (wegen der Sicherheitskontrolle) Thermoskanne dabei hat, kann
diese auf dem Flughafen mit Kaffee füllen lassen, und wer seine
Zeitungen, Zeitschriften und anderen Lesestoff mitbringt, ist
nicht auf das Unterhaltungsprogramm an Bord angewiesen. Das gilt auch
für mitgebrachte Filme, die man eventuell auf dem eigenen
Notebook (und mit eigenem Kopfhörer) anschauen kann,
sofern erlaubt. Vielflieger empfehlen außerdem das Gebläse über
dem Kopf umgehend auszuschalten, um sich keine Erkältung
einzufangen und auf Langstreckenflügen die Schuhe auszuziehen und
stattdessen ein paar Plastiksandalen o.ä. zu tragen, vor allem wenn
man auf die Toilette muss. Falls am Zielort ein Einreiseformular
ausgefüllt werden muss, sollte man einen Kugelschreiber griffbereit
haben. Es gibt sogar Insider, die schwören darauf mit einer
Dritte-Welt-Airline zu fliegen, weil der Service dort wesentlich
besser sei, als bei den Fluggesellschaften der Ersten Welt.
Praktisch alle Fluggesellschaften bieten
Vielfliegerprogramme an. Weil jedoch keine
Fluggesellschaft heute noch ein so weitreichendes
Netz besitzt, dass man auf andere Gesellschaften
verzichten könnte, haben sich manche Firmen zu einem
gemeinsamen Bonusprogramm
entschlossen. Das Bekannteste dürfte wohl
das Vielfliegerprogramm der Lufthansa
Star Alliance Miles&More sein, an welchem insgesamt 24
Fluggesellschaften teilhaben, u.a. auch Swiss und
Austrian Airlines. Falls sie eine Payback-Rabattkarte haben,
dann können sie auch ihre gesammelten Payback-Punkte in
Miles&More-Punkte umtauschen, um an ihre gewünschte Prämie
zu gelangen. Damit man aber wirklich keine Bonuspunkte
verliert, müsste man dennoch an mehreren
Programmen mehrerer Fluglinien partizipieren.
Auch sind praktisch alle Bonusprogramme so
angelegt, dass kaum jemand die angebotenen
Leistungen wirklich nutzen kann. Überdies
verfallen die gesammelten
Bonuspunkte nach einer gewissen Zeit. Generell
gilt für Bonusprogramme das
gleiche wie für Premiumdienste bei Kreditkarten:
Es handelt sich um künstlich erzeugte
Exklusivität und damit lediglich um
einen Trick zur Kundenbindung auf dem Niveau von
Rabattkarten. Zahlreiche Vielflieger schwören jedoch
auf Bonusprogramme und sammeln fleißig Meilen
an.
Wenn man Erster Klasse oder Business
Class fliegt, ist fast immer der Zugang zu einer
Airportlounge im Flugpreis inbegriffen. Das
Primärziel von Lounges ist es den Gästen den
Aufenthalt bis zum Beginn der Reise oder der Weiterreise
möglichst angenehm zu gestalten. Während offene Wartehallen
für jedermann zugänglich sind, ist der Zutritt zu einer
Flughafenlounge reglementiert. Man unterscheidet grob zwei Arten von
Lounges: Die von Fluggesellschaften betriebenen und die unabhängigen
Business Lounges.
Zumindest auf ihren Heimatflughäfen
und auf stark frequentierten Zielflughäfen bieten größere
Fluggesellschaften den Passagieren der Business oder
First Class vor dem Abflug den Aufenthalt in eigenen Lounges an. Um
dort hinein zu gelangen, benötigt man ein entsprechendes Flugticket
oder einen Vielfliegerstatus bei der jeweiligen
Gesellschaft. Gelegentlich gibt es an den Drehkreuzflughäfen auch
mehrere Lounges, die ein Reisender in Abhängigkeit von seinem Status
besuchen darf; z.B. unterscheiden Lufthansa, Austrian
Airlines und SWISS zwischen Frequent Traveler, Senator und HON
Circle. Für jede Statuskategorie ist dabei die Anzahl von
Statusmeilen maßgebend, die man bis dato gesammelt hat.
„Frequent Traveler“ dürfen die Business Lounges der drei
Gesellschaften besuchen, „Senatoren“ zusätzlich
die Senator Lounges, die Star Alliance Gold Lounges der
Partnergesellschaften und in Stuttgart und Köln auch die DB Lounges
am Hauptbahnhof. In der HON Circle Kategorie wird auch noch
Zugang zu den First Class Lounges in Frankfurt/M., München, Genf,
Zürich, Wien, Chicago und New York sowie zum First Class Terminal in
Frankfurt/M., inklusive Limousinenservice vom und zum Flugzeug,
gewährt. Den Mitgliedern werden überdies je nach Status
unterschiedliche Vergünstigungen bei der
Flugbuchung eingeräumt. Neben den genannten, gibt es auch
noch „Welcome Lounges“, die von ankommenden
First und Business Class Passagieren eines Interkontinentalfluges
besucht werden können. In diesen sind mitunter Duschen und ein
Bügelservice im Angebot.
Die unabhängigen Business Lounges (auch
Pay-In-Lounges genannt) werden entweder von der
Flughafengesellschaft oder einem Drittanbieter
betrieben und bieten allen Interessierten den Zutritt gegen Gebühr
an. In der BRD sind diese zu finden u.a. auf den Flughäfen Hannover,
Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn,
Frankfurt/M., Bremen, Berlin, Erfurt, Lübeck, Münster,
München, Nürnberg und Osnabrück. In Österreich
gibt es unabhängige Lounges auf den Flughäfen Wien
und Graz, in der Schweiz in Bern, Genf, Lugano und Zürich. Die
Eintrittspreise liegen gewöhnlich zwischen 15 und 30 Euro, bzw. bei
etwa 30 bis 36 Schweizer Franken. Buchen kann man die meisten über
die Webseite www. loungepass.com. Inhaber einer Diners Club
Karte erhalten mit ihrer Mitgliedschaft und bei einem jährlichen
Mindestumsatz von € 5000 Zugang zu weltweit etwa 450
Airportlounges. Besitzer eines Priority Passes
(www.prioritypass.de) können weltweit etwa 600 und Mitglieder
bei Airport Angel (www. airportangel.com) immerhin noch mehr als
500 Lounges besuchen. Oft bieten auch
Fluggesellschaften ihren Business Class Passagieren den
kostenlosen Zugang zur allgemeinen Business Lounge an,
wenn sie keine eigene Lounge auf dem betreffenden Flughafen
unterhalten. Bei einigen Premium Reiseveranstaltern
ist der Besuch einer Flughafenlounge ebenfalls im Reisepreis
inkludiert.
Seltener gibt es den Fall, dass die Lounge einer
Fluggesellschaft den Passagieren anderer Fluglinien gegen Bezahlung
offen steht. Die Lounge der Etihad Airways am Flughafen Frankfurt/M.,
zum Beispiel, ermöglicht allen Interessierten den Zutritt zum Preis
von € 50, sofern noch genügend Platz in der Lounge ist, und wer
mit Air Namibia ab Windhoek fliegt, kann dort die Oshoto Lounge
besuchen, in welche man auch gegen Bezahlung von NAD 150 (ca. €
20), mit einem Priority Pass, einer Diners Club Karte oder einer
Airport Angel Mitgliedschaft hineinkommt.
In den meisten Lounges werden die
Gäste an einer Rezeption, ähnlich wie in einem Hotel,
empfangen. Dabei wird zuerst die Zutrittsberechtigung
kontrolliert, bevor die Gästebetreuung erfolgt. In diesen
meist klimatisierten Lounges gibt es - neben
bequemen Sitzmöbeln - heiße und kalte
Getränke, kleine Speisen, Zeitungen und Zeitschriften,
in der Regel auch Telefon, Fax, Internet und/oder einen
WLAN-Hotspot, Handyakku-Ladestationen, oft auch einen
Fernseher und manchmal sogar Konferenzräume
oder eine Dusche. Damit man seinen Flieger nicht verpasst,
werden auf einem Monitor die Fluginformationen
angezeigt. Das Angebot kann je nach Landessitte
variieren; auch haben die meisten Lounges einen
Dresscode, wobei die Faustregel gilt: Lange Hosen und
bedeckte Schultern, keine Strandkleidung und
möglichst geschlossene Schuhe;
für Herren eventuell auch ein Sakko (engl. Smart
Casual Dress: Tagesanzug mit Hemd,
aber ohne Krawatte). In einigen Lounges
gilt eine maximale Aufenthaltsdauer von etwa drei Stunden. Für
ruhesuchende Vielflieger und Fluggäste, die
vor dem Abflug noch mit ihrem Notebook arbeiten
wollen, sind diese Lounges eine nützliche
Einrichtung, auch wenn ihr Exklusivitätsfaktor
eher gering ist. Zumindest vermeidet man aber das
Herumsitzen auf den eher ungemütlichen
Plastikstühlen im gewöhnlichen
Wartebereich und man kann sich bei den angebotenen (Gratis-)Speisen
und Getränken auch mehrfach bedienen. Und wer wissen will was ihn
erwartet, sollte einen Blick auf die Webseite www.loungeguide.net
werfen.
In den Luxuslounges der großen
Flughäfen, die meist von der größten dort beheimateten
Fluggesellschaft betrieben werden, gibt es für die Gäste u.a.
kostenlosen Champagner, Gratis-Galadiners,
Wäscheservice oder Wellness Spas, wobei, wie bei der Lufthansa,
gewisse Rangstufen gelten und man einen besonderen
Premiumstatus braucht, um hineinzugelangen.
Diese Arten von Lounges dürften jedoch eher für Snobs
geeignet sein, denn schließlich dient ein Flughafen als
Reisedrehkreuz. Bequemlichkeit ist ja
ganz schön, aber will man vor dem Abflug tatsächlich eine
Gesichtsmassage erhalten oder im
loungeeigenen Kino einen Film anschauen?
Dann gibt es allerdings noch Lounges, die
keineswegs auf Luxus ausgelegt sind, sondern vielmehr auf
Privatsphäre. Am Londoner Flughafen Heathrow,
Terminal 5 versteckt sich hinter einer unscheinbaren Tür das
(bisher) geheimste Wartezimmer des Flughafens: Die Windsor-Lounge.
Mobiliar und Ausstattung sind zwar vom Feinsten, aber die
eigentliche Attraktion ist die eigene Sicherheitskontrolle. Die Gäste
der Lounge können sich durch den Flughafen bewegen, ohne sich auch
nur ein einziges Mal in der Öffentlichkeit zu zeigen, nachdem sie
mit dem Auto am Privateingang eingetroffen sind. Während sie in der
Lounge warten, werden ihre Pässe eingesammelt, die Treppe hoch zur
Einreisebehörde gebracht und abgestempelt. Ein paar Minuten vor dem
Abflug werden die Passagiere ausgerufen, durch die
Sicherheitskontrolle geleitet und mit einem der hauseigenen
7er-BMWs direkt bis zur Flugzeugtür gefahren. Gedacht ist dieser
Service vor allem für Prominente und Politiker. Bis vor ein paar
Jahren wusste kaum jemand von der Existenz dieser Lounge in der
südlichsten Ecke von Terminal 5. Dass es jetzt bekannt wurde, hat
einen einfachen Grund: Nachdem das britische Außenministerium sich
aus der Mitfinanzierung zurückgezogen hat, ist der
Flughafenbetreiber gezwungen mit der Lounge Geld zu verdienen.
Daher kann nun jeder die Lounge besuchen, der die Eintrittsgebühr in
Höhe von 1800 Pfund bezahlt. So mancher Snob wird sich bestimmt
die Finger danach lecken, aber der Mann von Welt, sofern er nicht
gerade prominent ist, weiß sicher besseres mit dem Geld anzufangen.
Eine der wenigen Arten heute noch wirklich
exklusiv zu reisen, bietet – neben dem Privatfahr-
oder flugzeug – die Eisenbahn. Und zwar nicht die
überfüllten Vorortzüge der
Hauptverkehrszeit, sondern die Erste Klasse
einiger Nah- und der meisten Fernzüge. Wenn sie dann
auch noch ein Liebhaber von Bonusprogrammen sind,
werden sie auch bei den meisten europäischen
Bahngesellschaften auf ihre Kosten kommen.
Da heutzutage nur noch wenige
Reisende die Erste Klasse wählen, gibt es in den Nah- und
Fernverkehrszügen kaum noch
Erster-Klasse-Abteile. Diese wenigen
sind dafür jedoch in exzellentem Zustand und man
hat sie oft fast für sich alleine. Neben bequemeren
Sitzen mit größerem Sitzabstand als in der zweiten
Klasse, ist unter anderem die kostenlose
Benutzung der Lounge an großen Bahnhöfen im Fahrpreis
inbegriffen.
In den europäischen
Hochgeschwindigkeitszügen
erhalten sie in der Ersten Klasse – neben dem
üblichen größeren Sitzabstand gemessen an
der Zweiten Klasse - ein umfangreiches
Serviceangebot. Z..B. im Thalys, Eurostar
und den deutschen ICE-Verbindungen gehören Mahlzeiten
am Platz, Gratis-Zeitungen oder Musikprogramme
(im ICE; Kopfhörer mitbringen oder vor Ort
kaufen) zum Standard. Für Reisende mit Kindern gibt
es häufig Wickeltische und Spielecken. Im ICE-Handybereich
ist unterbrechungsfreies Telefonieren
möglich, in ICE-Ruhebereichen ist telefonieren oder
Musikhören unerwünscht. Je nach Zugart sind in der
Ersten Klasse - manchmal auch in der Zweiten - sog.
Businesszonen ausgewiesen:
Dort gibt es Computerarbeitstische mit
Steckdosen und WLAN-Zugang für die Arbeit mit dem
eigenen Notebook etc. In der BRD gilt das vor allem für die
ICE-Strecken vom Ruhrgebiet nach Frankfurt/M. und von dort
nach Hamburg oder München, sowie für die Thalys-Route von
Essen/Köln nach Brüssel. Weitere Linien sind in Planung.
Abgerechnet wird im ICE über die Deutsche Telekom, entweder
über ein vorhandenes Kundenkonto, eine
Kreditkarte oder einen Internet-Bezahldienst.
In der Schweiz befindet sich die
Businesszone in der Ersten Klasse der InterCity-Züge
im ersten Wagen nach der Lok. Eine Reservierung
ist obligatorisch. Mit Businesszonen ausgestattet sind
die Fernzüge auf den Relationen von Basel nach Lugano, Chur,
Brig, Lausanne und Interlaken, weiterhin Genf – St. Gallen,
Romanshorn – Brig, Biel – Bern und Zürich – Luzern. Wenn sie
kein Kunde der Swisscom sind, können sie
für den WLAN-Zugang entweder eine Prepaid Karte kaufen
oder über ihre Kreditkarte abrechnen.
Auch in anderen Ländern gibt es WLAN im Zug: Z.B.
wird in Irland nach und nach der gesamte Personenwagenbestand
mit Gratis-WLAN ausgestattet. In einigen Waggons gibt es auch
Steckdosen.
Als Erster-Klasse-Passagier oder
Vielfahrer erhalten sie Zugang zu Lounges an großen
Bahnhöfen, die ein ähnliches Angebot
haben, wie die Airportlounges: Bequeme
Sitzmöbel, Klimaanlage, Fahrkartenservice,
heiße und kalte Getränke, Zeitungen und
Zeitschriften, WLAN-Hotspot, Fernseher
und Toiletten. In der BRD gibt es derzeit fünfzehn Lounges an großen
ICE-Knotenbahnhöfen und Hauptbahnhöfen diverser
Großstädte, in Österreich sind es sieben. Weitere sind jedoch in
Planung. Europaweit sind derzeit ca. 40 Lounges in Betrieb.
Das Thalys-Netzwerk, an welchem mehrere
europäische Bahngesellschaften beteiligt sind, betreibt
Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen
Amsterdam, Brüssel, Paris und Köln mit Anschlüssen nach
Südfrankreich und via Eurostar nach London. Die Abfahrt erfolgt von
speziellen Bahnsteigen aus, zu denen der Reisende nur
Zugang erlangt, wenn er eine Sicherheitskontrolle über
sich ergehen lässt, ähnlich wie am Flughafen, Es gibt in
Brüssel eine eigene Bahnlounge und in Köln eine
eigene Fahrkartenverkaufsstelle mit Bahnlounge. In
Brüssel, Paris, Rotterdam, Schiphol und Amsterdam erhalten
Comfort 1 Passagiere überdies Zugang zu den Bahnlounges der
Partnergesellschaften. Weiterhin gibt es eine eigene
Smartphone App für Apple und Android, inklusive Mobile
Ticket Funktion. Es empfiehlt sich die Fahrkarte online zu
kaufen, da bei einer telefonischen oder
persönlichen Buchung am Bahnhof Service-Zuschläge erhoben werden.
Es existiert auch ein Bonusmeilenprogramm für Vielfahrer.
Während der Fahrt gibt es in der Comfort 1 Stufe Mahlzeiten am
Platz, kostenlose Tagespresse, Gratis-WLAN, Steckdosen am
Platz, Taxiruf in Paris und Brüssel für die Weiterreise und ein
separates Konferenzabteil. Für Comfort 2 Passagiere gibt es
ebenfalls Steckdosen am Platz, Snacks und Getränke an der ThalysBar
und, je nach gebuchtem Tarif, WLAN gratis oder gegen Bezahlung
(Guthabenkarte vorab online oder an der Bar
erhältlich).
Die Eurostargesellschaft betreibt die Bahnstrecken
von Paris Gare du Nord und Brüssel-Süd durch den Eurotunnel nach
London St. Pancras International. Die Fahrzeit liegt bei etwa
einer Stunde. Die Abfahrt erfolgt, wie beim Thalys, von
speziellen Bahnsteigen aus, zu denen der Reisende nur
Zugang erlangt, wenn er eine Sicherheitskontrolle über
sich ergehen lässt, außerdem gibt es beim Einstieg auf dem
Kontinent Passkontrollen. Die Check-In Zeit liegt
bei mindestens 30 Minuten. In der Standard Reiseklasse gibt
es Erfrischungen am Zugbuffet gegen Bezahlung, in der
Standard Premier Klasse sind die Sitze etwas bequemer und
es gibt Zeitungen, Zeitschriften und einen
leichten Imbiss am Platz. In der Business Premier Klasse werden dem
Reisenden kürzere Check-In Zeiten mit Boarding-Garantie, bequeme
Sitze, Zeitungen, Zeitschriften, Mahlzeiten am Platz
und ein Taxibestellservice für den Zielort geboten, überdies
Zugang zu den Business Premier Lounges in London,
Ebbsfleet, Brüssel und Paris mit Erfrischungen, Gratis-WLAN,
Steckdosen, Zeitungen und Zeitschriften, sowie
Konferenzräumen.
Auf langen Fernstrecken gibt es auch
Nachtzüge mit Schlafabteilen. Die
wichtigsten Züge verkehren in Nord-Süd-Richtung von Hamburg oder
Berlin über Zürich, Innsbruck oder Wien nach Mailand, Venedig oder
Rom. Betrieben werden sie im Regelfall von den ÖBB
(www.nightjet.com). Im Fahrpreis ist das Frühstück meist
inbegriffen, weitere Mahlzeiten im
Speisewagen werden extra berechnet. Die
Ausstattung der Wagen reicht von einfachen Liegesesseln
bis zum Zwei-Betten-Abteil mit eigenem Duschbad.
Hier noch ein paar allgemeine Tipps für
Nachtzugreisen: Ohrenstöpsel leisten unterwegs gute Dienste, denn
durch Fahrgeräusche, nächtliche Rangierarbeiten, die Klimaanlage
und Geräusche anderer Fahrgäste wird die Nachtruhe
eingeschränkt. Bequeme Kleidung ist wichtig und für den Gang zur
Toilette sind Hausschuhe praktisch. Für die Reise wichtige
Utensilien sollten in Griffnähe sein. Die Mitreisenden werden wenig
erfreut sein, wenn deren Nachtruhe durch das Hantieren mit Koffern
und Taschen gestört wird. Für die Nacht auch Proviant und Getränke
einpacken! Eventuell hilft Kreppband oder leicht ablösbares
Klebeband, um störende Lichtquellen wie den Türschlitz oder das
Bettlicht abkleben zu können. Wer noch vor der Endstation aussteigt,
sollte einen Gangplatz bzw. ein unteres Bett buchen. Bei Reisen nach
bzw. in Frankreich ist eine Etikettierung der Gepäckstücke in allen
in Frankreich verkehrenden Zügen aus Sicherheitsgründen zwingend
erforderlich. Der Gepäckanhänger muss mindestens den Vor- und
Nachnamen enthalten. Dies betrifft sämtliche Gepäckstücke, die in
Gepäckeinstellplätzen am Wagenende, über und zwischen
den Sitzen untergebracht werden. Persönliche mitgeführte
Gegenstände (z.B. Handgepäck) sind von dieser Regelung nicht
betroffen.
Trotz eines relativ dichten Bahnnetzes gibt es
auch in Mitteleuropa zahlreiche internationale
Fernbuslinien, vor allem nach Spanien, Portugal und
Osteuropa, die von Eurolines oder anderen, privaten
Betreibern bedient werden. Meistens werden diese
Fernbuslinien jedoch von Angehörigen der gesellschaftlichen
Unterschicht bevölkert, weshalb sich ihre Benutzung nicht empfiehlt.
Allerdings gibt es seit kurzem einige Eurolines Business Class
Linien, auf denen das Angebot den internationalen Vergleich nicht zu
scheuen braucht und wo (hoffentlich) auch eine andere Zielgruppe als
die Unterschicht anvisiert wird. Ausgehend von Berlin verbindet ein
besonderer Business Class Reisebus die Spreemetropole mit
Prag, von wo aus Umsteigeverbindungen nach Wien, Bratislawa, Budapest
und München bestehen. Außerdem gibt es eine weitere Business
Class Verbindung nach Kopenhagen und eine Linie Stuttgart -
Krakau. Die Busse bieten verstellbare Komfortsitze, Gratis-WLAN,
Steckdosen, individuelle Audioprogramme (Kopfhörer
mitbringen), Zeitungen und Zeitschriften sowie eine Flasche Wasser
und einen Snäck pro Reisendem. Ob sich das Angebot bei der
anvisierten Klientel durchsetzen wird, bleibt allerdings
abzuwarten. Zumindest ist aber damit zu rechnen, dass
das Publikum auf den Business Class Linien etwas niveauvoller
ist, als auf den herkömmlichen Verbindungen.
Im Ausland haben Fernbuslinien eine erheblich
größere Bedeutung als im deutschsprachigen Raum, was man auch daran
erkennen kann, dass es auf ausländischen Busbahnhöfen – ähnlich
den Bahnhöfen und Flughäfen - gelegentlich eigene Lounges
gibt. In Osteuropa oder in überseeischen Ländern ist der Reisebus
oft das einzige, öffentliche Verkehrsmittel mit einem
einigermaßen flächendeckenden Liniennetz. Wer in einem solchen
Land unterwegs ist, hat meist gar keine andere Wahl als einen
Reisebus zu benutzen, vor allem dort, wo der Luftverkehr noch
entwicklungsfähig ist. Eisenbahnverbindungen sind in vielen
Ländern einfach nicht vorhanden oder schlecht ausgebaut, wie z. B.
in Skandinavien, Irland oder der Türkei. Häufig sind es Faktoren,
wie geringe Bevölkerungsdichte in einzelnen Regionen,
geographische Widrigkeiten (Gebirge, Wüste,
Erdbebengebiete etc.) oder die Finanzkraft eines Staates, die den
Ausbau eines Eisenbahnnetzes beeinträchtigen und damit die
Einrichtung von Fernbuslinien begünstigen.
Fernbusse verkehren oft zwischen großen
Busbahnhöfen, die die Ausmaße von Flughäfen annehmen können. Die
Ausstattung der Busse ist je nach Land recht unterschiedlich. Üblich
sind jedoch fast immer Klimaanlage, verstellbare Sitze, Bordtoilette
und eine Minibar. Vor allem im Osten der USA bieten die Busse auch
Gratis-WLAN. In Norwegen sind Reisebusse im Einsatz, die neben dem
Fahrgastraum auch über eine Ladefläche für Stückgut
verfügen. In Irland stammt das Eisenbahnnetz noch aus der britischen
Kolonialzeit und wurde sternförmig auf Dublin hin ausgerichtet.
Dadurch bestehen so gut wie keine Querverbindungen im Schienennetz.
Diese werden folglich mittels Reisebussen hergestellt. Auch die
internationalen Flug- und Seehäfen werden fahrplanmäßig
angefahren. Die Gesellschaft Bus Éireann setzt auf den Hauptlinien
stündlich moderne Reisebusse mit Komfortsitzen, Steckdosen für
Notebooks etc, Gratis-WLAN und Haltevorrichtungen für Kindersitze
ein.
In Mitteleuropa gilt zwar generell, dass ein Mann
von Welt Fernbusse meiden sollte. Es gibt allerdings
einige Ausnahmen. Neben der neuen Business Class von
Eurolines, betreiben auch die nationalen Bahngesellschaften
ein paar Buslinien zwecks Ergänzung ihrer Schienennetze, die für
den Mann von Welt interessant sein können. Bei den ÖBB gibt es drei
Intercitybus-Linien auf den Strecken Graz –
Klagenfurt, Klagenfurt - Venedig und Graz –
Venedig. Die Busse sind klimatisiert, haben ein WC und
bieten in der Ersten Klasse Ledersitze, eine
Steckdose für Notebooks etc., Arbeitsfläche, Gratis-Getränke
und Gratis-Tageszeitungen. Eine Tochtergesellschaft
der Deutschen Bahn betreibt die InterCity-Buslinien
Nürnberg - Prag und München – Prag. An Bord der
klimatisierten Busse gibt es WCs, Steckdosen
für Notebooks etc. und Getränke und Snacks gegen Bezahlung.
Eine Einteilung nach Klassen wird hier aber nicht
vorgenommen.
In der Schweiz werden von der Post Auto
Schweiz AG sowohl regionale als auch Fernverkehrslinien
offeriert, wobei die Regel gilt: Wo keine Bahn fährt, fährt ein
Postauto. Eine Klasseneinteilung gibt es nicht, dafür ist fast immer
die Fahrradmitnahme möglich. Einige Linien verkehren ins
benachbarte Ausland. Nach und nach werden die Busse mit WLAN
ausgestattet. Auf den touristischen Linien, die meist über
Alpenpässe führen, ist die Platzreservierung obligatorisch. An
kleineren Busbahnhöfen, die vor allem dort existieren wo ein höheres
Verkehrsaufkommen herrscht aber kein Eisenbahnanschluss besteht, gibt
es in bahnhofsähnlicher Manier eigene Fahrkartenschalter, beheizte
Warteräume und Gepäckschließfächer.
Noch ein Wort zur Passagierschifffahrt. Man kann
in diesem Bereich grob zwischen Fährdiensten und Touristikfahrten
unterscheiden. Zu den Fährdiensten gehören alle fahrplanmäßigen
Schiffsverbindungen, die dazu dienen den erdgebundenen Verkehr
zwischen zwei am Wasser gelegenen Orten zu ermöglichen oder
wenigstens die Entfernung zu verkürzen. Unter die Kategorie „Fähren“
fallen zum einen die kleinen Personenfähren die einen Fluss
überqueren, ebenso wie die bekannten Roll-on/Roll-off Autofähren an
vielen Flüssen und Seen, aber auch die hochseetauglichen
Großraumfähren auf Nordsee, Ostsee und dem Mittelmeer. Der Gebrauch
der ersteren stellt eine gewisse Routinehandlung dar über die kaum
jemand weiter nachdenkt, aber die Fahrt mit einer hochseetauglichen
Fähre über eines der europäischen Randmeere oder ähnlicher
Gewässer hat auch für einen Mann von Welt ihren Reiz, sofern er
nicht mit seinem eigenen Boot unterwegs ist.
Den europäischen Fährreedereien macht der
Konkurrenzdruck durchaus zu schaffen, vor allem auf den Linien, wo
Brücken oder Tunnels den Verkehr an sich ziehen. Beispielsweise ist
seit Eröffnung des Kanaltunnels der Fährverkehr auf dem Ärmelkanal
erheblich zurückgegangen, auch wenn der Tunnel für die Investoren
einen finanziellen Reinfall darstellt. Zahlreiche Hafenstädte an der
Kanalküste werden überhaupt nicht mehr angelaufen; in den übrigen
wurde die Anzahl der Fährverbindungen gekürzt oder die Fähren auf
reine LKW-Beförderung umgestellt. Auch wurden diverse
Schnellverbindungen, u.a. die Luftkissenbootlinie Dover - Calais und
die Jetfoil-Linie ab Oostende, komplett eingestellt. Ähnliches
passiert auf der sog. Vogelfluglinie nach Skandinavien:
Dort wird derzeit an einer durchgehenden Straßen- und
Eisenbahnverbindung von Mitteleuropa nach Südschweden mittels
diverser Brücken und Tunnels gearbeitet; aktuell fehlt nur noch die
Verbindung Fehmarn - Lolland. Den Fährgesellschaften bleibt dann vor
allem der Verkehr auf den weniger befahrenen Routen, wie z.B. von
Zeebrugge in das nordenglische Hull, was den LKW-Spediteuren u.a. die
Umgehung des Großraumes London ermöglicht, oder die Fahrt von
Dänemark über den Skagerrak nach Norwegen. Für Privatreisende in
Richtung Schottland oder Norwegen kann eine Fährverbindung
ebenso interessant sein, und nicht zuletzt wird dadurch auch die
Möglichkeit eröffnet eine Art Mini-Kreuzfahrt zu veranstalten.
Einige Hochseefährschiffe offerieren ihren
Fahrgästen an Bord eine besondere Club Klasse, Club Lounge, Business
oder Voyager Class. Das Angebot ist je nach Fähre und Reederei so
unterschiedlich wie der Name, jedoch handelt es sich defacto
um eine gehobene Reiseklasse. Möglich sind unter anderem Express
Boarding, reservierter Ruhesitz, Gratis-Getränke und kleine Speisen,
Zeitungen und Zeitschriften, Arbeitstische für Notebooks (ev. mit
Steckdosen), Gratis-WLAN oder ein eigener TV-Monitor mit Radio,
Filmen und Internetzugang in der Rückenlehne des Vordersitzes
(Kopfhörer mitbringen).
Auch im Binnenland gibt es hin und wieder
Fährangebote, die sich an Berufspendler, Fernreisende und
Businesskunden richten, wie z.B. der Thames Clippers Dienst in
London oder der Bodensee-Katamaran, der zwischen Friedrichshafen und
Konstanz verkehrt. Bei letzterem liegt die Fahrzeit deutlich unter
der von Eisenbahn und PKW; an Bord gibt es Lagerraum für
Reisegepäck, ein Bordbistro, WLAN und Steckdosen für Notebooks etc.
In die Rubrik „Touristikfahrten“
gehören alle diejenigen Schiffsverbindungen, deren Aufgabe nicht die
Beförderungsleistung von einem Hafen zu einem anderen, sondern die
Reise an sich ist. Neben See-Kreuzfahrten gehören dazu auch
fahrplanmäßige Ausflugs- und Rundfahrten mit Fahrgastschiffen auf
Binnengewässern und natürlich Flusskreuzfahrten mit Übernachtungen
an Bord. Während Fahrgastschiffe, wohl aufgrund der
kürzeren Verweildauer der Gäste, meist kein besonderes
Komfortangebot aufweisen, sind der Ausstattung von
Kreuzfahrtschiffen keine Grenzen gesetzt. Es würde zu weit führen
diese alle auch nur ansatzweise aufzulisten, aber in einigen
Seekreuzfahrtschiffen finden sich z.B. Parkanlagen, Indoor-Golf,
Minigolfplatz oder eine Eislaufbahn. Damit dürften sie sich vor
allem bei Snobs einer großen Beliebtheit erfreuen, sofern diese
nicht mit der eigenen Hochseeyacht unterwegs sind. Auf
Seekreuzfahrten wird im Allgemeinen Wert auf formale
Abendgarderobe gelegt, worauf meist schon bei der Buchung hingewiesen
wird. Trinkgelder werden oft automatisch in Rechnung gestellt, sodass
sich die individuelle Entlohnung eines Mitarbeiters erübrigt. Bei
Flusskreuzfahrten geht es meist weniger formal zu und Trinkgelder
sind auch keine Pflicht. Dafür ist die Ausstattung des
Binnenkreuzfahrtschiffes platzbedingt weniger üppig als auf
See. Aber mit einem Restaurant/Bar, Bordboutique, Bibliothek,
Wellness-Bereich, Wäscheservice, Pool, Fitnessraum, Kinderspielzone
und Internetzugang kann man fast überall rechnen. Die Kabinen haben
gewöhnlich Telefon, Fernseher, einen Safe und einen Haartrockner.
Eine Nische stellen heutzutage Linienfahrten mit
Passagierschiffen dar. Es gibt sie nur noch in den Weltregionen wo
der Flugverkehr sie nicht völlig verdrängen konnte, u.a. der
Inselwelt Südostasiens und des Pazifiks. Das Komfortangebot in
diesen Weltregionen entspricht jedoch nicht immer den Erwartungen
eines Mitteleuropäers, außerdem sind Passagierschiffe in diesen
Weltgegenden beliebte Angriffsziele von Piraten, deren Anzahl
unglücklicherweise im Steigen begriffen ist.
In der BRD existiert noch eine ganzjährig
betriebene Passagierlinie von Hamburg oder Cuxhaven nach Helgoland,
die bei einer Fahrzeit von etwas mehr als zwei Stunden derzeit von
einem einzigen Passagierschiff bedient wird, wobei man
darüber streiten kann, ob es sich nicht vielleicht doch eher um
einen Fährdienst handelt. Dazu gibt es noch acht saisonal
betriebene Seebäderschiffe, die früher zum Personentransport
zwischen den Badeorten an der Küste, den Nordseeinseln und nach
Helgoland dienten. Heute werden praktisch alle Schiffe nur noch im
Sommer im Tourismusverkehr auf der Strecke nach Helgoland eingesetzt,
lediglich zwei Schiffe fahren im Fährbetrieb hauptsächlich einige
ostfriesische Inseln an. Die Schiffe sind bedingt hochseetauglich,
verfügen über mehrere Salons für die Passagiere, haben eventuell
Raum für Ladegüter, aber keine Kabinen und keine Fahrzeugdecks. Im
Sommer gibt es noch eine Katamaran-Verbindung nach
Helgoland, die aber als Fährverbindung gilt. Auf der Ostsee verkehrt
momentan nur noch ein Passagierschiff, welches vorwiegend
für Ostseerundfahrten eingesetzt wird. Alle weiteren Schiffe auf
Nord- und Ostsee sind Fähr- oder Kreuzfahrtsschiffe, von Frachtern
und Privatyachten natürlich abgesehen.
Eine Zeit lang waren sie groß in Mode:
Passagiermitfahrten auf Frachtschiffen. Es ist offensichtlich, dass
man an Bord eines Frachtschiffes nicht den selben Komfort erwarten
darf wie auf Kreuzfahrtschiffen, aber dafür werden ganzjährig
Routen befahren, die sonst nicht angeboten werden. Die Anzahl der
Kabinen ist gewöhnlich begrenzt, d.h. man ist nicht selten der
einzige Passagier an Bord. Die Preise sind allerdings recht
hoch; manchmal ist eine der üblichen Kreuzfahrten billiger zu haben
als die Mitreise auf einem Frachtschiff. Für jemanden, der aber ein
individuelles Reiserlebnis auf See sucht, sind Frachtschiffreisen
sicher eine interessante Möglichkeit. Zu beachten ist
selbstverständlich der Verhaltenskodex.
Auch auf Frachtschiffen gibt es so was wie einen
Dresscode, der allerdings dem auf Kreuzfahrtschiffen fast
entgegengesetzt ist: Keine hohen Schuhe und keine Sandalen an Bord;
keine Badebekleidung in der Offiziersmesse, in den Aufenthaltsräumen
oder gar auf der Kommandobrücke; ansonsten kleidet man sich leger.
Einige Bereiche des Schiffes sind für Passagiere nicht zugänglich
und auch die Brücke darf nur nach Absprache besucht werden.
Mahlzeiten werden zu bestimmten Uhrzeiten in der Messe
eingenommen; spezielle Essenswünsche oder
Kabinenservice gibt es nicht, Getränke werden separat berechnet und
der Ausschank von Alkohol ist eingeschränkt. Die Kabine wird nach
Absprache gereinigt, an hektischen Tagen aber auch mal gar
nicht. Dafür gibt es fast immer eine Waschmaschine an Bord.
Deckliegestühle stehen meistens zur Verfügung, das
Angebot der Bordbibliothek ist jedoch limitiert und es wird
empfohlen seinen Lesestoff selbst mitzubringen. Das gilt auch
für Filme, Musik und natürlich das entsprechendes
Abspielgerät; eventuell ist auch ein Radio-Weltempfänger hilfreich.
Die Stromspannung an Bord der meisten Schiffe liegt bei 220 Volt; in
der Regel wird ein Steckeradapter benötigt.
Telekommunikationseinrichtungen
mit Anbindung via Satellit stehen zwar zur Verfügung, kosten aber
entsprechend (z.B. eMails pro Stück € 1) und können nur
zu ruhigen Zeiten benutzt werden. Das eigene terrestrische
Handy hat nur in Küstennähe Netzempfang.
Ob Frachtschiffreisen für den Mann von Welt
geeignet sind, ist ein schwierige Frage. Zwar ist dies durchaus
eine exklusive Reiseart (Kreuzfahrten auf Passagierschiffen macht ja
heutzutage jeder), aber die Kommunikationsmöglichkeiten sind
aufgrund der benötigten Satellitenverbindung stark eingeschränkt,
ebenso die Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten. Wer jedoch Ruhe
sucht, wird sicherlich gut bedient. Auf jeden Fall sollte man
aber sein eigenes Satellitenhandy mitbringen, welches allerdings den
Nachteil hat, dass man es nicht oder nur mit teurem
Zubehör in der Kabine nutzen kann, weil ja bekanntlich „freie
Sicht“ zum Satelliten benötigt wird.
Am exklusivsten reisen Sie natürlich, wenn Ihr
Reiseziel an einer Wasserstraße liegt und Sie mit ihrem eigenen
Wassergefährt vorfahren können. Wenn Sie jetzt daran gedacht
haben ein Boot mit Kajüte anzuschaffen, dann können Sie so
übernachten, wie es zuletzt Kaiser Wilhelm mit der kaiserlichen
Yacht „Hohenzollern“ zu tun pflegte. Sie
befinden sich damit also in einer edlen Tradition,
auch wenn Ihre Yacht eine Nummer kleiner sein sollte.
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