Sonntag, 3. Dezember 2017

Fliegen und Reisen

Im Gegensatz zum Snob ist der Mann von Welt bei der Wahl seines Verkehrsmittels nicht auf Luxus­limousinen und Privatjets be­schränkt. Ihm stehen vielmehr alle Mög­lich­kei­ten offen und er bedient sich desjenigen Ver­­kehrs­mittels welches gerade zur Ver­fü­gung steht und sein Transportbedürfnis schnell und komplikationslos erfüllt.
Beim Lufttransport nimmt er den kom­for­tab­len Linienjet und reist möglichst Busi­ness Class oder höher, sofern kein Pri­vat­flug­zeug verfügbar ist. Kann er sein Ziel aber nur mit einem Billigflieger er­rei­chen, z.B. weil über­haupt keine andere Ge­sell­schaft das Reise­ziel anfliegt und auch keine Privatmaschine ver­füg­bar ist, dann wird er ohne zu zö­gern die einfache Tou­ristenklasse be­stei­gen, die Gegenwart von Mitgliedern der Unter­schicht not­ge­drun­gen akzeptierend. Die schnel­­le Er­reich­barkeit des Reiseziels hat un­be­dingten Vorrang! Im übrigen gibt es im mo­dernen Lufttransport seit Einstellung des Concorde-Service ohne­hin keine Exklusivität mehr, wenn man von Privatflugzeugen ab­sieht.
Die Wahl der Fluggesellschaft ist heutzutage sowieso eher Glücksache, vor allem weil die großen Gesell­schaf­ten Kurzstrecken an ihre Billig­flug­töchter abgegeben haben oder weil ein Billigflieger als Partner­gesell­schaft in einem Verbund die Beförderung übernimmt. Auch das sog. Codesharing spielt eine immer größere Rolle, d.h. Fluggesellschaften kaufen bei der Konkurrenz Sitzplatzkontingente, um eine be­stimm­te Strecke anbieten zu können, ohne sie selbst fliegen zu müssen. Es kann also durchaus passieren, dass z.B. je­mand der Lufthansa gebucht hat, mit Eurowings befördert wird. Dies geschieht vor allem auf inner­euro­päischen Kurzstrecken und von oder zwischen Regionalflughäfen. Beispielsweise werden alle Luft­hansa-Flüge von Köln/Bonn nach London von Eurowings durchgeführt.
Mit einer eigenen Privatmaschine zu fliegen – und sei sie noch so klein – hat durchaus Vorteile. Man reist individuell und ungestört, erspart sich (leider nicht immer) die schikanösen Sicherheitskontrollen am Flughafen, entscheidet selbst über die Flugroute und den Landeplatz und man ist nicht auf irgendwelche Linienflugpläne angewiesen. Es muss ja auch nicht unbedingt ein interkontinentales Strahlenflugzeug sein; eine kleine, modern ausgestattete Propellermaschine erfüllt denselben Zweck. Andererseits aber unterliegen auch Privatpiloten den Einschränkungen des überfüllten Luftraumes, müssen alle Flug­for­ma­li­täten selbst abwickeln und neben der notwendigen Fluglizenz natürlich auch ein Fluggerät besitzen. Selbst wer über das dafür notwendige Kleingeld verfügt, sollte sich überlegen, ob der Besitz eines Privat­flug­zeuges überhaupt rentabel ist. Man müsste entweder ein begeisterter Hobbyflieger sein oder das Flug­gerät häufig genug einsetzen, um gegenüber einem Linienflug Kosten einzusparen; erst recht, wenn man womöglich auch noch einen eigenen Piloten einstellt. Für Wenigflieger ist es auf jeden Fall renta­bler einen Linienflug zu buchen oder ein Charterflugzeug/Lufttaxi zu mieten.
Lufttaxis fallen in die Kategorie Charterflüge. Geflogen wird mit kleinen Propellermaschinen oder auch Helikoptern, wenn es sich um Kurzstrecken handelt, oder mit kleinen Düsenmaschinen, die auch für Trans­atlantikflüge geeignet sind, und etwa vier bis acht Passagiere aufnehmen können. Die Bewegungs­frei­heit ist an Bord naturgemäß eingeschränkt; manche Kabinen, selbst die von Langstreckenjets, sind niedriger als die Stehhöhe. Der Komfort an Bord beschränkt sich auf eine Toilette, sofern es sich um ein Langstreckenflugzeug handelt. Kleinere Propellermaschinen für max. vier Personen plus Pilot haben nur eine kleine Kabine mit Sitzen darin. Nur in einigen, wenigen Maschinen gibt es Kommunikations­einrich­tungen (Telefon, Internet etc.). Die Vorteile von Lufttaxis sind jedoch u.a. die direkte Verbindung ohne Umsteigen und die Möglichkeit zur Mitnahme von Gegenständen die auf Linienflügen verboten sind, wie z.B. Flüssigkeiten oder spitze Gegenstände.
Im Internet finden sich weiterhin diverse Mitflugzentralen, bei denen Hobbypiloten und andere Flieger freie Plätze in Privat- und Charterflugzeugen anbieten; eine davon ist de.wingly.io, eine andere flyt.club. Der Preis ist in der Regel Verhandlungssache. Auch für Männer von Welt ist dies eine interessante Mög­lich­keit der Fortbewegung. Seit neuestem hat sogar die EU ihren Segen dazu gegeben, obwohl eine Zeit lang sogar ein Ver­bot dieser Pra­xis im Gespräch war.
Die Erste Klasse oder die Busi­ness Class der Linienflüge bie­ten gewisse Vorzüge gegenüber der ein­fa­chen Touristenklasse, vor allem bei Fern­flü­gen. Während die Fluggesellschaften auf Kurz­strecken in den höheren Klassen oft ein­fach nur den Mittelplatz nicht belegen, oh­ne dass sich die Sitze oder der Sitz­ab­stand nen­nens­wert von der Touristenklasse unter­schei­den, gibt es auf Langstreckenflügen durch­aus interessante Zusatzleistungen. Bu­si­ness und First Class Passagiere können z. B. vor dem Flug an separaten Schaltern ein­checken und in Loun­ges Platz nehmen, sie er­halten wäh­rend des Fluges eine höher­wer­ti­ge Ver­kö­sti­gung mit besserem Geschirr, eine größere Aus­wahl an Zeitungen und Zeit­schriften und nach dem Flug ihr Gepäck vor den Pas­sa­gie­ren der Economy Class. Ge­le­gentlich gelten auch höhere Gepäck­frei­men­gen. Meist dür­fen Business und First Class Passagiere die Flugzeuge zuerst betre­ten oder verlassen. Eben­­so besteht in der First Class fast immer die Möglichkeit, den Sitz in eine Lie­ge um­zu­­wan­deln, um den Flug­­gästen Schlaf zu er­mög­lichen. Und es gibt für die Erste Klasse, neben einer Spitzen­ga­stronomie, neuer­dings auch eigene Bade­zim­mer mit Dusche an Bord. Die Klassen­ein­teilung variiert je nach Fluggesellschaft und hat nicht selten auch noch einen eigenen Namen. Das Lei­stungs­ni­veau ist aber immer höher, als in der Tou­ri­sten­klasse. Auf der Webseite www.seatguru.com kann man eventuell sogar vorab einen Blick auf die Sitzplätze werfen.
Ansonsten sollte man vielleicht einen Gangplatz buchen, der etwas mehr Raum bietet, als ein Fen­ster­platz und einem überdies den Weg auf die Toilette frei lässt. Sein Essen und die Getränke kann man auch vom Flughafen mitbringen. Wer eine leere (wegen der Sicherheitskontrolle) Thermoskanne dabei hat, kann diese auf dem Flughafen mit Kaffee füllen lassen, und wer seine Zeitungen, Zeitschriften und ande­ren Lesestoff mitbringt, ist nicht auf das Unterhaltungsprogramm an Bord angewiesen. Das gilt auch für mit­gebrachte Filme, die man eventuell auf dem eigenen Notebook (und mit eigenem Kopfhörer) an­schau­en kann, sofern erlaubt. Vielflieger empfehlen außerdem das Gebläse über dem Kopf umgehend aus­zuschalten, um sich keine Erkältung einzufangen und auf Langstreckenflügen die Schuhe auszuziehen und stattdessen ein paar Plastiksandalen o.ä. zu tragen, vor allem wenn man auf die Toilette muss. Falls am Zielort ein Einreiseformular ausgefüllt werden muss, sollte man einen Kugelschreiber griffbereit haben. Es gibt sogar Insider, die schwören darauf mit einer Dritte-Welt-Airline zu fliegen, weil der Service dort wesentlich besser sei, als bei den Fluggesellschaften der Ersten Welt.
Praktisch alle Fluggesellschaften bieten Viel­flie­gerprogramme an. Weil jedoch kei­ne Flug­­­gesellschaft heute noch ein so weit­rei­chen­des Netz be­sitzt, dass man auf an­dere Gesellschaften ver­zichten könnte, ha­ben sich man­che Firmen zu einem ge­mein­sa­men Bo­nus­­pro­gramm ent­schlossen. Das Be­kann­te­ste dürf­te wohl das Viel­flie­ger­pro­gramm der Luft­­­hansa Star Alliance Miles&More sein, an welchem insgesamt 24 Flug­ge­sell­schaften teil­haben, u.a. auch Swiss und Austrian Air­lines. Falls sie eine Payback-Rabattkarte ha­­ben, dann können sie auch ihre gesam­mel­ten Payback-Punkte in Miles&More-Punkte um­tauschen, um an ihre gewünschte Prämie zu gelangen. Damit man aber wirklich keine Bonus­punk­te ver­liert, müsste man den­noch an meh­re­ren Programmen mehrerer Flug­li­nien par­ti­zi­pie­ren. Auch sind prak­tisch alle Bo­nus­pro­gram­me so an­ge­legt, dass kaum je­mand die an­ge­bo­te­nen Lei­stungen wirklich nutzen kann. Über­dies ver­­­­­­­­fallen die ge­sam­mel­ten Bonus­punk­te nach einer ge­wis­sen Zeit. Generell gilt für Bo­­­nus­­pro­gram­me das glei­che wie für Pre­mi­umdienste bei Kre­dit­­kar­ten: Es handelt sich um künst­lich er­zeug­te Ex­klu­si­vi­tät und da­mit ledig­lich um einen Trick zur Kun­den­bindung auf dem Niveau von Rabattkarten. Zahl­rei­che Vielflieger schwö­ren jedoch auf Bonus­pro­gramme und sam­meln fleißig Mei­len an.
Wenn man Erster Klasse oder Business Class flie­gt, ist fast immer der Zugang zu einer Air­­­portlounge im Flugpreis inbegrif­fen. Das Pri­mär­ziel von Lounges ist es den Gä­sten den Auf­enthalt bis zum Beginn der Rei­se oder der Weiterreise möglichst angenehm zu ge­stalten. Während offene Wartehallen für je­dermann zugänglich sind, ist der Zutritt zu einer Flughafenlounge reglementiert. Man unterscheidet grob zwei Arten von Lounges: Die von Fluggesellschaften betriebenen und die unabhängigen Business Lounges.
Zumindest auf ihren Heimatflughäfen und auf stark frequentierten Zielflughäfen bieten größere Flug­ge­sell­schaften den Passagieren der Business oder First Class vor dem Abflug den Aufenthalt in eigenen Lounges an. Um dort hinein zu gelangen, benötigt man ein entsprechendes Flugticket oder einen Viel­flieger­­status bei der jeweiligen Gesellschaft. Gelegentlich gibt es an den Drehkreuzflughäfen auch mehrere Lounges, die ein Reisender in Abhängigkeit von seinem Status besuchen darf; z.B. unter­schei­den Lufthansa, Austrian Airlines und SWISS zwischen Frequent Traveler, Senator und HON Circle. Für jede Statuskategorie ist dabei die Anzahl von Statusmeilen maßgebend, die man bis dato ge­sammelt hat. „Frequent Traveler“ dürfen die Business Lounges der drei Gesellschaften besuchen, „Senatoren“ zu­sätz­lich die Senator Lounges, die Star Alliance Gold Lounges der Partnergesellschaften und in Stuttgart und Köln auch die DB Lounges am Hauptbahnhof. In der HON Circle Kategorie wird auch noch Zugang zu den First Class Lounges in Frankfurt/M., München, Genf, Zürich, Wien, Chicago und New York sowie zum First Class Terminal in Frankfurt/M., inklusive Limousinenservice vom und zum Flugzeug, ge­währt. Den Mitgliedern werden überdies je nach Status unterschiedliche Ver­gün­sti­gungen bei der Flug­bu­chung eingeräumt. Neben den genannten, gibt es auch noch „Welcome Lounges“, die von ankom­men­den First und Business Class Passagieren eines Interkontinentalfluges besucht werden können. In diesen sind mitunter Duschen und ein Bügelservice im Angebot.
Die unabhängigen Business Lounges (auch Pay-In-Lounges genannt) werden entweder von der Flug­ha­fen­gesellschaft oder einem Drittanbieter betrieben und bieten allen Interessierten den Zutritt gegen Ge­­bühr an. In der BRD sind diese zu finden u.a. auf den Flughäfen Hannover, Stutt­­gart, Düsseldorf, Ham­­­burg, Köln/Bonn, Frank­furt/M., Bremen, Berlin, Erfurt, Lü­beck, Mün­ster, München, Nürnberg und Os­na­­brück. In Öster­reich gibt es un­ab­hän­gige Lounges auf den Flughäfen Wien und Graz, in der Schweiz in Bern, Genf, Lugano und Zürich. Die Eintrittspreise liegen gewöhnlich zwischen 15 und 30 Euro, bzw. bei etwa 30 bis 36 Schweizer Franken. Buchen kann man die meisten über die Webseite www. loungepass.com. Inhaber einer Di­ners Club Karte erhalten mit ihrer Mitgliedschaft und bei einem jähr­lichen Mindest­um­satz von € 5000 Zugang zu weltweit etwa 450 Air­­port­lounges. Besitzer eines Pri­ority Passes (www.prioritypass.de) können welt­weit etwa 600 und Mitglieder bei Airport Angel (www. airportangel.com) immer­hin noch mehr als 500 Lounges be­­­su­chen. Oft bieten auch Flug­gesell­schaften ihren Business Class Passagieren den kostenlosen Zugang zur all­ge­mei­nen Business Lounge an, wenn sie keine eigene Lounge auf dem betreffenden Flughafen unterhalten. Bei einigen Premium Reise­veran­stal­tern ist der Besuch einer Flughafenlounge ebenfalls im Reisepreis inkludiert.
Seltener gibt es den Fall, dass die Lounge einer Fluggesellschaft den Passagieren anderer Fluglinien gegen Bezahlung offen steht. Die Lounge der Etihad Airways am Flughafen Frankfurt/M., zum Beispiel, ermöglicht allen Interessierten den Zutritt zum Preis von € 50, sofern noch genügend Platz in der Lounge ist, und wer mit Air Namibia ab Windhoek fliegt, kann dort die Oshoto Lounge besuchen, in welche man auch gegen Bezahlung von NAD 150 (ca. € 20), mit einem Priority Pass, einer Diners Club Karte oder einer Airport Angel Mitgliedschaft hineinkommt.
In den meisten Lounges werden die Gäste an ei­ner Rezeption, ähnlich wie in einem Hotel, em­pfangen. Dabei wird zuerst die Zu­tritts­be­rech­tigung kontrolliert, bevor die Gäste­be­treuung erfolgt. In diesen meist klima­ti­sier­ten Loun­ges gibt es - neben be­que­men Sitz­mö­beln - heiße und kal­te Getränke, kleine Speisen, Zei­tungen und Zeit­schrif­­ten, in der Regel auch Telefon, Fax, Inter­net und/oder einen WLAN-Hot­spot, Han­dy­akku-Ladestationen, oft auch einen Fern­­­seher und manch­mal sogar Kon­fe­renz­räume oder eine Dusche. Damit man seinen Flie­ger nicht verpasst, werden auf einem Mo­nitor die Flug­in­formationen an­­gezeigt. Das Angebot kann je nach Lan­des­sitte vari­ie­ren; auch ha­ben die meisten Loun­ges einen Dress­code, wobei die Faust­re­gel gilt: Lange Hosen und be­deck­te Schul­tern, keine Strand­klei­dung und mög­lichst ge­schlos­­sene Schuhe; für Herren eventuell auch ein Sakko (engl. Smart Casual Dress: Tages­anzug mit Hemd, aber ohne Krawatte). In einigen Lounges gilt eine maximale Aufenthaltsdauer von etwa drei Stunden. Für ruhe­su­chen­de Viel­flie­ger und Fluggäste, die vor dem Ab­­flug noch mit ihrem Note­­book ar­bei­ten wol­­len, sind diese Lounges eine nütz­li­che Ein­rich­tung, auch wenn ihr Ex­klu­si­vi­täts­faktor eher ge­ring ist. Zumindest ver­meidet man aber das Herum­sit­zen auf den eher un­ge­mütlichen Plastik­stüh­len im ge­­wöhn­lichen Wartebereich und man kann sich bei den angebotenen (Gratis-)Speisen und Getränken auch mehrfach bedienen. Und wer wissen will was ihn erwartet, sollte einen Blick auf die Webseite www.loungeguide.net werfen.
In den Lu­xus­lounges der großen Flughäfen, die meist von der größten dort beheimateten Fluggesellschaft betrieben werden, gibt es für die Gäste u.a. kostenlosen Cham­pag­­ner, Gratis-Galadiners, Wäscheservice oder Well­ness Spas, wobei, wie bei der Lufthansa, gewisse Rang­stu­fen gelten und man einen besonderen Pre­mi­um­status braucht, um hineinzu­ge­lan­gen. Die­se Arten von Lounges dürften je­doch eher für Snobs geeignet sein, denn schließ­­lich dient ein Flughafen als Reise­dreh­­­kreuz. Be­quem­lichkeit ist ja ganz schön, aber will man vor dem Abflug tat­sächlich eine Ge­sichts­mas­­sa­ge erhalten oder im lounge­­eigenen Ki­no einen Film anschauen?
Dann gibt es allerdings noch Lounges, die keineswegs auf Luxus ausgelegt sind, sondern vielmehr auf Privatsphäre. Am Londoner Flughafen Heathrow, Terminal 5 versteckt sich hinter einer unscheinbaren Tür das (bisher) geheimste Wartezimmer des Flughafens: Die Windsor-Lounge. Mobiliar und Aus­stat­tung sind zwar vom Feinsten, aber die eigentliche Attraktion ist die eigene Sicherheitskontrolle. Die Gäste der Lounge können sich durch den Flughafen bewegen, ohne sich auch nur ein einziges Mal in der Öffentlichkeit zu zeigen, nachdem sie mit dem Auto am Privateingang eingetroffen sind. Während sie in der Lounge warten, werden ihre Pässe eingesammelt, die Treppe hoch zur Einreisebehörde gebracht und abgestempelt. Ein paar Minuten vor dem Abflug werden die Passagiere ausgerufen, durch die Sicher­heitskontrolle geleitet und mit einem der hauseigenen 7er-BMWs direkt bis zur Flugzeugtür gefahren. Gedacht ist dieser Service vor allem für Prominente und Politiker. Bis vor ein paar Jahren wusste kaum jemand von der Existenz dieser Lounge in der südlichsten Ecke von Terminal 5. Dass es jetzt bekannt wurde, hat einen einfachen Grund: Nachdem das britische Außenministerium sich aus der Mit­finan­zie­rung zurückgezogen hat, ist der Flughafenbetreiber gezwungen mit der Lounge Geld zu ver­dienen. Daher kann nun jeder die Lounge besuchen, der die Eintrittsgebühr in Höhe von 1800 Pfund bezahlt. So man­cher Snob wird sich bestimmt die Finger danach lecken, aber der Mann von Welt, sofern er nicht gerade prominent ist, weiß sicher besseres mit dem Geld anzufangen.
Eine der wenigen Arten heute noch wirklich ex­klusiv zu reisen, bietet – neben dem Pri­vat­fahr- oder  flugzeug – die Ei­sen­bahn. Und zwar nicht die über­füll­ten Vor­ort­züge der Haupt­­ver­kehrszeit, son­dern die Er­ste Klasse ei­ni­ger Nah- und der meisten Fern­züge. Wenn sie dann auch noch ein Lieb­haber von Bo­nus­pro­grammen sind, wer­den sie auch bei den meisten euro­­päischen Bahn­­ge­sell­schaf­ten auf ihre Kosten kommen.
Da heut­zutage nur noch we­ni­ge Reisende die Er­ste Klasse wäh­len, gibt es in den Nah- und Fern­ver­kehrs­zü­gen kaum noch Er­ster-Klas­se-Ab­tei­le. Diese we­ni­gen sind dafür je­doch in exzel­len­tem Zu­stand und man hat sie oft fast für sich al­lei­ne. Neben bequemeren Sit­zen mit größerem Sitzabstand als in der zwei­ten Klasse, ist unter anderem die ko­sten­­­lose Benutzung der Lounge an großen Bahn­höfen im Fahrpreis inbe­grif­fen.
In den europäischen Hoch­ge­schwin­dig­keits­­­­zü­gen erhal­ten sie in der Er­sten Klas­se – ne­ben dem üb­li­chen größeren Sitz­ab­stand ge­messen an der Zwei­ten Klasse - ein um­fang­rei­­ches Service­an­ge­bot. Z..B. im Tha­lys, Eu­ro­star und den deutschen ICE-Ver­bindungen gehören Mahl­zei­ten am Platz, Gra­tis-Zeitun­gen oder Mu­sik­programme (im ICE; Kopf­hö­­rer mit­brin­gen oder vor Ort kau­fen) zum Stan­dard. Für Reisende mit Kin­dern gibt es häufig Wickeltische und Spiel­ecken. Im ICE-Han­dy­bereich ist unter­bre­chungs­freies Tele­fo­nie­ren möglich, in ICE-Ruhebereichen ist tele­fo­nieren oder Musik­hören uner­wünscht. Je nach Zug­art sind in der Er­sten Klas­se - manchmal auch in der Zweiten - sog. Bu­si­ness­zo­nen aus­­­ge­wie­sen: Dort gibt es Com­pu­ter­ar­beits­tische mit Steck­dosen und WLAN-Zu­gang für die Ar­beit mit dem eigenen Note­book etc. In der BRD gilt das vor allem für die ICE-Strecken vom Ruhr­gebiet nach Frank­furt/M. und von dort nach Hamburg oder Mün­chen, sowie für die Thalys-Route von Essen/Köln nach Brüssel. Weitere Linien sind in Pla­nung. Abgerechnet wird im ICE über die Deutsche Te­lekom, ent­weder über ein vor­han­denes Kun­den­kon­to, eine Kredit­karte oder einen Internet-Be­zahl­dienst.
In der Schweiz be­fin­det sich die Busi­ness­zo­ne in der Ersten Klasse der InterCity-Züge im ersten Wa­­gen nach der Lok. Eine Reser­vie­rung ist obligatorisch. Mit Busi­ness­zo­nen ausgestattet sind die Fernzüge auf den Re­lationen von Basel nach Lugano, Chur, Brig, Lausanne und Interlaken, weiterhin Genf – St. Gal­len, Romanshorn – Brig, Biel – Bern und Zürich – Luzern. Wenn sie kein Kunde der Swiss­com sind, kön­­­­nen sie für den WLAN-Zugang entweder eine Pre­­paid Karte kaufen oder über ihre Kre­dit­kar­te abrechnen.
Auch in anderen Ländern gibt es WLAN im Zug: Z.B. wird in Irland nach und nach der gesamte Perso­nen­wagenbestand mit Gratis-WLAN ausgestattet. In einigen Waggons gibt es auch Steckdosen.
Als Erster-Klasse-Pas­sa­gier oder Vielfahrer er­halten sie Zu­gang zu Lounges an großen Bahn­höfen, die ein ähn­li­ches An­ge­bot haben, wie die Air­port­loun­ges: Beque­me Sitz­mö­bel, Klimaanlage, Fahr­­kar­ten­ser­vice, heiße und kal­te Ge­tränke, Zei­tun­gen und Zeit­­­schriften, WLAN-Hot­spot, Fern­­seher und Toiletten. In der BRD gibt es derzeit fünfzehn Lounges an großen ICE-Knotenbahnhöfen und Haupt­bahn­höfen diver­ser Großstädte, in Österreich sind es sieben. Weitere sind jedoch in Planung. Europaweit sind derzeit ca. 40 Lounges in Betrieb.
Das Thalys-Netzwerk, an welchem mehrere europäische Bahngesellschaften beteiligt sind, betreibt Hoch­­­­­geschwindigkeitsverbindungen zwischen Amsterdam, Brüssel, Paris und Köln mit Anschlüssen nach Südfrankreich und via Eurostar nach London. Die Abfahrt erfolgt von spe­ziel­len Bahn­steigen aus, zu denen der Reisende nur Zugang erlangt, wenn er eine Sicher­heits­­kontrolle über sich ergehen lässt, ähn­­lich wie am Flughafen, Es gibt in Brüssel eine eigene Bahn­­­­lounge und in Köln eine eigene Fahr­kar­ten­verkaufsstelle mit Bahnlounge. In Brüssel, Paris, Rotterdam, Schiphol und Am­­sterdam erhalten Com­fort 1 Passagiere überdies Zugang zu den Bahnlounges der Partner­gesell­schaf­ten. Weiterhin gibt es eine eigene Smartphone App für Apple und Android, in­klu­sive Mobile Ticket Funk­tion. Es empfiehlt sich die Fahrkarte online zu kau­fen, da bei einer tele­fo­ni­schen oder persönlichen Buchung am Bahnhof Service-Zuschläge erhoben wer­den. Es existiert auch ein Bonus­meilen­programm für Vielfahrer. Während der Fahrt gibt es in der Com­fort 1 Stufe Mahlzeiten am Platz, kostenlose Tages­presse, Gratis-WLAN, Steck­dosen am Platz, Taxiruf in Paris und Brüssel für die Weiterreise und ein separates Konferenzabteil. Für Comfort 2 Passagiere gibt es ebenfalls Steckdosen am Platz, Snacks und Getränke an der ThalysBar und, je nach gebuchtem Tarif, WLAN gratis oder gegen Bezahlung (Gut­ha­ben­karte vorab online oder an der Bar erhältlich).
Die Eurostargesellschaft betreibt die Bahnstrecken von Paris Gare du Nord und Brüssel-Süd durch den Eurotunnel nach Lon­don St. Pancras International. Die Fahrzeit liegt bei etwa einer Stunde. Die Abfahrt er­folgt, wie beim Thalys, von spe­ziel­len Bahn­steigen aus, zu denen der Reisende nur Zugang erlangt, wenn er eine Sicher­heits­­kontrolle über sich ergehen lässt, außerdem gibt es beim Einstieg auf dem Kon­ti­nent Pass­kon­trollen. Die Check-In Zeit liegt bei mindestens 30 Minuten. In der Stan­dard Reise­klasse gibt es Erfri­schun­gen am Zugbuffet gegen Bezahlung, in der Standard Premier Klasse sind die Sitze etwas be­que­mer und es gibt Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten und einen leichten Imbiss am Platz. In der Business Premier Klasse werden dem Reisenden kürzere Check-In Zeiten mit Boarding-Garantie, be­que­me Sitze, Zeitun­gen, Zeitschriften, Mahl­­zeiten am Platz und ein Taxibestellservice für den Zielort gebo­ten, überdies Zu­gang zu den Busi­ness Premier Lounges in London, Ebbsfleet, Brüssel und Paris mit Erfri­schungen, Gra­tis-WLAN, Steck­dosen, Zeitun­gen und Zeitschriften, sowie Konferenzräumen.
Auf langen Fern­strecken gibt es auch Nacht­zü­ge mit Schlaf­ab­tei­len. Die wichtigsten Züge verkehren in Nord-Süd-Richtung von Hamburg oder Berlin über Zürich, Innsbruck oder Wien nach Mailand, Venedig oder Rom. Betrieben werden sie im Regelfall von den ÖBB (www.nightjet.com). Im Fahrpreis ist das Früh­stück meist in­­be­griffen, weitere Mahl­zei­ten im Spei­­se­wa­­gen werden extra berech­net. Die Aus­stat­tung der Wagen reicht von einfachen Lie­ge­ses­seln bis zum Zwei-Bet­ten-Abteil mit eigenem Dusch­bad.
Hier noch ein paar allgemeine Tipps für Nachtzugreisen: Ohrenstöpsel leisten unterwegs gute Dienste, denn durch Fahrgeräusche, nächtliche Rangierarbeiten, die Klimaanlage und Geräusche anderer Fahr­gä­ste wird die Nachtruhe eingeschränkt. Bequeme Kleidung ist wichtig und für den Gang zur Toilette sind Haus­schuhe praktisch. Für die Reise wichtige Utensilien sollten in Griffnähe sein. Die Mitreisenden werden wenig erfreut sein, wenn deren Nachtruhe durch das Hantieren mit Koffern und Taschen gestört wird. Für die Nacht auch Proviant und Getränke einpacken! Eventuell hilft Kreppband oder leicht ablös­ba­res Klebeband, um störende Lichtquellen wie den Türschlitz oder das Bettlicht abkleben zu können. Wer noch vor der Endstation aussteigt, sollte einen Gangplatz bzw. ein unteres Bett buchen. Bei Reisen nach bzw. in Frankreich ist eine Etikettierung der Gepäckstücke in allen in Frankreich verkehrenden Zügen aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich. Der Gepäckanhänger muss mindestens den Vor- und Nachnamen enthalten. Dies betrifft sämtliche Gepäckstücke, die in Gepäckeinstellplätzen am Wa­gen­ende, über und zwischen den Sitzen untergebracht werden. Persönliche mitgeführte Gegenstände (z.B. Handgepäck) sind von dieser Regelung nicht betroffen.
Trotz eines relativ dichten Bahnnetzes gibt es auch in Mitteleuropa zahlreiche inter­na­tio­nale Fern­bus­linien, vor allem nach Spa­nien, Portugal und Osteuropa, die von Euro­lines oder anderen, privaten Be­trei­bern be­dient werden. Meistens werden diese Fernbuslinien jedoch von Angehörigen der gesell­schaft­li­chen Unterschicht bevölkert, weshalb sich ihre Benutzung nicht empfiehlt. Allerdings gibt es seit kurzem einige Eurolines Business Class Linien, auf denen das Angebot den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht und wo (hoffentlich) auch eine andere Zielgruppe als die Unterschicht anvisiert wird. Ausgehend von Berlin verbindet ein besonderer Business Class Reisebus die Spreemetropole mit Prag, von wo aus Umsteigeverbindungen nach Wien, Bratislawa, Budapest und München bestehen. Außer­dem gibt es eine weitere Business Class Verbindung nach Kopenhagen und eine Linie Stuttgart - Krakau. Die Busse bieten verstellbare Komfortsitze, Gratis-WLAN, Steckdosen, individuelle Audio­pro­gram­me (Kopf­hörer mitbringen), Zeitungen und Zeitschriften sowie eine Flasche Wasser und einen Snäck pro Reisendem. Ob sich das Angebot bei der anvisierten Klientel durchsetzen wird, bleibt aller­dings ab­zu­war­ten. Zumindest ist aber damit zu rechnen, dass das Publikum auf den Business Class Linien etwas niveauvoller ist, als auf den herkömmlichen Verbindungen.
Im Ausland haben Fernbuslinien eine erheblich größere Bedeutung als im deutschsprachigen Raum, was man auch daran erkennen kann, dass es auf ausländischen Busbahnhöfen – ähnlich den Bahn­höfen und Flughäfen - gelegentlich eigene Lounges gibt. In Osteuropa oder in überseeischen Ländern ist der Reise­bus oft das einzige, öffentliche Ver­kehrs­mittel mit einem einigermaßen flächen­deckenden Liniennetz. Wer in einem solchen Land unterwegs ist, hat meist gar keine andere Wahl als einen Reisebus zu be­nutzen, vor allem dort, wo der Luftverkehr noch entwicklungsfähig ist. Eisenbahn­verbindungen sind in vielen Ländern einfach nicht vorhanden oder schlecht ausgebaut, wie z. B. in Skandinavien, Irland oder der Türkei. Häufig sind es Faktoren, wie geringe Bevölkerungsdichte in einzelnen Regionen, geo­gra­phi­sche Widrigkeiten (Gebirge, Wüste, Erdbebengebiete etc.) oder die Finanzkraft eines Staates, die den Ausbau eines Eisenbahnnetzes beeinträchtigen und damit die Einrichtung von Fernbuslinien begünstigen.
Fernbusse verkehren oft zwischen großen Busbahnhöfen, die die Ausmaße von Flughäfen annehmen können. Die Ausstattung der Busse ist je nach Land recht unterschiedlich. Üblich sind jedoch fast immer Klimaanlage, verstellbare Sitze, Bordtoilette und eine Minibar. Vor allem im Osten der USA bieten die Busse auch Gratis-WLAN. In Norwegen sind Reisebusse im Einsatz, die neben dem Fahr­gast­raum auch über eine Ladefläche für Stückgut verfügen. In Irland stammt das Eisenbahnnetz noch aus der britischen Kolonialzeit und wurde sternförmig auf Dublin hin ausgerichtet. Dadurch bestehen so gut wie keine Querverbindungen im Schienennetz. Diese werden folglich mittels Reisebussen hergestellt. Auch die internationalen Flug- und Seehäfen werden fahrplanmäßig angefahren. Die Gesellschaft Bus Éireann setzt auf den Hauptlinien stündlich moderne Reisebusse mit Komfortsitzen, Steckdosen für Notebooks etc, Gratis-WLAN und Haltevorrichtungen für Kindersitze ein.
In Mitteleuropa gilt zwar generell, dass ein Mann von Welt Fern­bus­se meiden sollte. Es gibt aller­dings einige Ausnahmen. Neben der neuen Business Class von Eurolines, betreiben auch die nationalen Bahn­ge­sellschaften ein paar Buslinien zwecks Ergänzung ihrer Schienennetze, die für den Mann von Welt interessant sein können. Bei den ÖBB gibt es drei In­ter­ci­ty­bus-Linien auf den Strecken Graz – Kla­gen­furt, Kla­gen­furt - Venedig und Graz – Ve­nedig. Die Bus­se sind klimatisiert, haben ein WC und bie­ten in der Ersten Klasse Le­der­sitze, eine Steck­dose für Notebooks etc., Arbeitsfläche, Gratis-Getränke und Gra­tis-Tageszeitungen. Eine Toch­ter­ge­sell­schaft der Deutschen Bahn betreibt die In­ter­Ci­ty-Buslinien Nürn­berg - Prag und Mün­chen – Prag. An Bord der kli­ma­ti­sier­ten Busse gibt es WCs, Steck­do­sen für Note­books etc. und Getränke und Snacks gegen Be­zahlung. Eine Einteilung nach Klas­sen wird hier aber nicht vor­ge­nom­men.
In der Schweiz werden von der Post Au­to Schweiz AG sowohl regionale als auch Fern­ver­kehrslinien offeriert, wobei die Regel gilt: Wo keine Bahn fährt, fährt ein Postauto. Eine Klasseneinteilung gibt es nicht, dafür ist fast immer die Fahrradmitnahme möglich. Ei­nige Linien verkehren ins benachbarte Aus­land. Nach und nach werden die Busse mit WLAN ausgestattet. Auf den touristischen Linien, die meist über Alpenpässe führen, ist die Platzreservierung obligatorisch. An kleineren Busbahnhöfen, die vor allem dort existieren wo ein höheres Verkehrsaufkommen herrscht aber kein Eisenbahnanschluss besteht, gibt es in bahnhofsähnlicher Manier eigene Fahrkartenschalter, beheizte Warteräume und Gepäck­schließfächer.
Noch ein Wort zur Passagierschifffahrt. Man kann in diesem Bereich grob zwischen Fährdiensten und Touristikfahrten unterscheiden. Zu den Fährdiensten gehören alle fahrplanmäßigen Schiffsverbindungen, die dazu dienen den erdgebundenen Verkehr zwischen zwei am Wasser gelegenen Orten zu ermöglichen oder wenigstens die Entfernung zu verkürzen. Unter die Kategorie „Fähren“ fallen zum einen die kleinen Personenfähren die einen Fluss überqueren, ebenso wie die bekannten Roll-on/Roll-off Autofähren an vielen Flüssen und Seen, aber auch die hochseetauglichen Großraumfähren auf Nordsee, Ostsee und dem Mittelmeer. Der Gebrauch der ersteren stellt eine gewisse Routinehandlung dar über die kaum jemand weiter nachdenkt, aber die Fahrt mit einer hochseetauglichen Fähre über eines der europäischen Rand­meere oder ähnlicher Gewässer hat auch für einen Mann von Welt ihren Reiz, sofern er nicht mit seinem eigenen Boot unterwegs ist.
Den europäischen Fährreedereien macht der Konkurrenzdruck durchaus zu schaffen, vor allem auf den Linien, wo Brücken oder Tunnels den Verkehr an sich ziehen. Beispielsweise ist seit Eröffnung des Kanaltunnels der Fährverkehr auf dem Ärmelkanal erheblich zurückgegangen, auch wenn der Tunnel für die Investoren einen finanziellen Reinfall darstellt. Zahlreiche Hafenstädte an der Kanalküste werden überhaupt nicht mehr angelaufen; in den übrigen wurde die Anzahl der Fährverbindungen gekürzt oder die Fähren auf reine LKW-Beförderung umgestellt. Auch wurden diverse Schnellverbindungen, u.a. die Luftkissenbootlinie Dover - Calais und die Jetfoil-Linie ab Oostende, komplett eingestellt. Ähnliches pas­­siert auf der sog. Vogelfluglinie nach Skandinavien: Dort wird derzeit an einer durchgehenden Straßen- und Eisenbahnverbindung von Mitteleuropa nach Südschweden mittels diverser Brücken und Tunnels gearbeitet; aktuell fehlt nur noch die Verbindung Fehmarn - Lolland. Den Fährgesellschaften bleibt dann vor allem der Verkehr auf den weniger befahrenen Routen, wie z.B. von Zeebrugge in das nordenglische Hull, was den LKW-Spediteuren u.a. die Umgehung des Großraumes London ermöglicht, oder die Fahrt von Dänemark über den Skagerrak nach Norwegen. Für Privatreisende in Richtung Schott­land oder Norwegen kann eine Fährverbindung ebenso interessant sein, und nicht zuletzt wird dadurch auch die Möglichkeit eröffnet eine Art Mini-Kreuzfahrt zu veranstalten.
Einige Hochseefährschiffe offerieren ihren Fahrgästen an Bord eine besondere Club Klasse, Club Lounge, Business oder Voyager Class. Das Angebot ist je nach Fähre und Reederei so unterschiedlich wie der Name, jedoch handelt es sich defacto um eine gehobene Reiseklasse. Möglich sind unter anderem Express Boarding, reservierter Ruhesitz, Gratis-Getränke und kleine Speisen, Zeitungen und Zeitschriften, Arbeitstische für Notebooks (ev. mit Steckdosen), Gratis-WLAN oder ein eigener TV-Monitor mit Radio, Filmen und Internetzugang in der Rückenlehne des Vordersitzes (Kopfhörer mitbringen).
Auch im Binnenland gibt es hin und wieder Fährangebote, die sich an Berufspendler, Fernreisende und Businesskunden richten, wie z.B. der Thames Clippers Dienst in London oder der Bodensee-Katamaran, der zwischen Friedrichshafen und Konstanz verkehrt. Bei letzterem liegt die Fahrzeit deutlich unter der von Eisenbahn und PKW; an Bord gibt es Lagerraum für Reisegepäck, ein Bordbistro, WLAN und Steckdosen für Notebooks etc.
In die Rubrik „Touristikfahrten“ gehören alle diejenigen Schiffsverbindungen, deren Aufgabe nicht die Beförderungsleistung von einem Hafen zu einem anderen, sondern die Reise an sich ist. Neben See-Kreuzfahrten gehören dazu auch fahrplanmäßige Ausflugs- und Rundfahrten mit Fahrgastschiffen auf Binnengewässern und natürlich Flusskreuzfahrten mit Übernachtungen an Bord. Während Fahr­gast­schif­fe, wohl aufgrund der kürzeren Verweildauer der Gäste, meist kein besonderes Komfort­angebot auf­wei­sen, sind der Ausstattung von Kreuzfahrtschiffen keine Grenzen gesetzt. Es würde zu weit führen diese alle auch nur ansatzweise aufzulisten, aber in einigen Seekreuzfahrtschiffen finden sich z.B. Parkanlagen, Indoor-Golf, Minigolfplatz oder eine Eislaufbahn. Damit dürften sie sich vor allem bei Snobs einer großen Beliebtheit erfreuen, sofern diese nicht mit der eigenen Hochseeyacht unterwegs sind. Auf See­kreuz­fahrten wird im Allgemeinen Wert auf formale Abendgarderobe gelegt, worauf meist schon bei der Buchung hingewiesen wird. Trinkgelder werden oft automatisch in Rechnung gestellt, sodass sich die individuelle Entlohnung eines Mitarbeiters erübrigt. Bei Flusskreuzfahrten geht es meist weniger formal zu und Trinkgelder sind auch keine Pflicht. Dafür ist die Ausstattung des Binnenkreuzfahrtschiffes platz­bedingt weniger üppig als auf See. Aber mit einem Restaurant/Bar, Bordboutique, Bibliothek, Wellness-Bereich, Wäscheservice, Pool, Fitnessraum, Kinderspielzone und Internetzugang kann man fast überall rechnen. Die Kabinen haben gewöhnlich Telefon, Fernseher, einen Safe und einen Haartrockner.
Eine Nische stellen heutzutage Linienfahrten mit Passagierschiffen dar. Es gibt sie nur noch in den Weltregionen wo der Flugverkehr sie nicht völlig verdrängen konnte, u.a. der Inselwelt Südostasiens und des Pazifiks. Das Komfortangebot in diesen Weltregionen entspricht jedoch nicht immer den Erwar­tungen eines Mitteleuropäers, außerdem sind Passagierschiffe in diesen Weltgegenden beliebte Angriffs­ziele von Piraten, deren Anzahl unglücklicherweise im Steigen begriffen ist.
In der BRD existiert noch eine ganzjährig betriebene Passagierlinie von Hamburg oder Cuxhaven nach Hel­goland, die bei einer Fahrzeit von etwas mehr als zwei Stunden derzeit von einem einzigen Passa­gier­schiff bedient wird, wobei man darüber streiten kann, ob es sich nicht vielleicht doch eher um einen Fähr­dienst handelt. Dazu gibt es noch acht saisonal betriebene Seebäderschiffe, die früher zum Per­so­nen­trans­port zwischen den Badeorten an der Küste, den Nordseeinseln und nach Helgoland dienten. Heute werden praktisch alle Schiffe nur noch im Sommer im Tourismusverkehr auf der Strecke nach Helgoland eingesetzt, lediglich zwei Schiffe fahren im Fährbetrieb hauptsächlich einige ostfriesische Inseln an. Die Schiffe sind bedingt hochseetauglich, verfügen über mehrere Salons für die Passagiere, haben eventuell Raum für Ladegüter, aber keine Kabinen und keine Fahrzeugdecks. Im Sommer gibt es noch eine Kata­ma­ran-Verbindung nach Helgoland, die aber als Fährverbindung gilt. Auf der Ostsee verkehrt momentan nur noch ein Passa­gier­schiff, welches vorwiegend für Ostseerundfahrten eingesetzt wird. Alle weiteren Schiffe auf Nord- und Ostsee sind Fähr- oder Kreuzfahrtsschiffe, von Frachtern und Privatyachten natür­lich abgesehen.
Eine Zeit lang waren sie groß in Mode: Passagiermitfahrten auf Frachtschiffen. Es ist offensichtlich, dass man an Bord eines Frachtschiffes nicht den selben Komfort erwarten darf wie auf Kreuzfahrtschiffen, aber dafür werden ganzjährig Routen befahren, die sonst nicht angeboten werden. Die Anzahl der Kabi­nen ist gewöhnlich begrenzt, d.h. man ist nicht selten der einzige Passagier an Bord. Die Preise sind aller­dings recht hoch; manchmal ist eine der üblichen Kreuzfahrten billiger zu haben als die Mitreise auf einem Frachtschiff. Für jemanden, der aber ein individuelles Reiserlebnis auf See sucht, sind Fracht­schiff­reisen sicher eine interessante Möglichkeit. Zu beachten ist selbstverständlich der Verhaltenskodex.
Auch auf Frachtschiffen gibt es so was wie einen Dresscode, der allerdings dem auf Kreuzfahrtschiffen fast entgegengesetzt ist: Keine hohen Schuhe und keine Sandalen an Bord; keine Badebekleidung in der Offiziersmesse, in den Aufenthaltsräumen oder gar auf der Kommandobrücke; ansonsten kleidet man sich leger. Einige Bereiche des Schiffes sind für Passagiere nicht zugänglich und auch die Brücke darf nur nach Absprache besucht werden. Mahlzeiten werden zu bestimmten Uhrzeiten in der Messe ein­ge­nom­men; spezielle Essenswünsche oder Kabinenservice gibt es nicht, Getränke werden separat berechnet und der Ausschank von Alkohol ist eingeschränkt. Die Kabine wird nach Absprache gereinigt, an hek­ti­schen Tagen aber auch mal gar nicht. Dafür gibt es fast immer eine Waschmaschine an Bord. Deck­liege­stühle stehen meistens zur Verfügung, das Angebot der Bordbibliothek ist jedoch limitiert und es wird em­pfohlen seinen Lesestoff selbst mitzubringen. Das gilt auch für Filme, Musik und natürlich das ent­sprechendes Abspielgerät; eventuell ist auch ein Radio-Weltempfänger hilfreich. Die Stromspannung an Bord der meisten Schiffe liegt bei 220 Volt; in der Regel wird ein Steckeradapter benötigt. Tele­kom­mu­nikations­­einrich­tun­gen mit Anbindung via Satellit stehen zwar zur Verfügung, kosten aber ent­spre­chend (z.B. eMails pro Stück € 1) und können nur zu ruhigen Zeiten benutzt werden. Das eigene ter­restri­sche Handy hat nur in Küstennähe Netzempfang.
Ob Frachtschiffreisen für den Mann von Welt geeignet sind, ist ein schwierige Frage. Zwar ist dies durch­­­­aus eine exklusive Reiseart (Kreuzfahrten auf Passagierschiffen macht ja heutzutage jeder), aber die Kommunikationsmöglichkeiten sind aufgrund der benötigten Satellitenverbindung stark eingeschränkt, ebenso die Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten. Wer jedoch Ruhe sucht, wird sicherlich gut be­dient. Auf jeden Fall sollte man aber sein eigenes Satellitenhandy mitbringen, welches allerdings den Nach­­­teil hat, dass man es nicht oder nur mit teurem Zubehör in der Kabine nutzen kann, weil ja bekanntlich „freie Sicht“ zum Satelliten benötigt wird.
Am exklusivsten reisen Sie natürlich, wenn Ihr Reise­ziel an einer Wasserstraße liegt und Sie mit ihrem eigenen Wassergefährt vorfahren kön­nen. Wenn Sie jetzt daran gedacht haben ein Boot mit Kajüte anzuschaffen, dann können Sie so übernachten, wie es zuletzt Kai­ser Wilhelm mit der kaiserlichen Yacht „Ho­hen­zollern“ zu tun pflegte. Sie be­fin­den sich da­mit also in einer edlen Tra­di­tion, auch wenn Ihre Yacht eine Nummer klei­ner sein sollte.

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