Der Mann von Welt ist kein Selbstdarsteller und
vermeidet ebenso mediale Aufmerksamkeit. Daher haben Veranstaltungen
wie Pressebälle, renommierte Pferderennen (Ascot, Großer Preis von
Baden etc.) oder gar der Wiener Opernball für ihn keine Bedeutung.
Exklusiv sind solche Veranstaltungen ohnehin nicht, zumal jeder Snob
versucht eine Einladung oder Eintrittskarte zu ergattern. Auch führt
die mediale Aufmerksamkeit höchstens dazu in irgendeiner
Klatschspalte in der Regenbogenpresse zerrissen zu werden. Für den
Mann von Welt ist die Teilnahme deshalb eher fakultativ, handelt es
sich bei Bällen und Pferderennen doch im Grunde genommen um
Jahrmärkte der Eitelkeiten. Es reicht daher vollkommen aus, wenn man
ungefähr weiß, was auf solchen Veranstaltungen passiert und wozu
sie dienen.
Da Großveranstaltungen mit medialer
Aufmerksamkeit häufig der Kritik alternativer Kreise ausgesetzt
sind, versuchen die Veranstalter regelmäßig ihrem Projekt einen
sozialen Anstrich zu geben. Folglich stellen die meisten Feste eine
Art Wohltätigkeitsball dar. Der Gewinn aus der obligatorischen
Tombola wird irgendeinem guten Zweck zugeführt. In der BRD und
Österreich dienen dazu vor allem die Presse- und andere -bälle,
derer es mehr gibt, als der Laie ahnt.
In der Regel ist allen Bällen gemein, dass es
sich um ein jährliches, feierliches Ereignis handelt, zu dem man
nicht in Alltagskleidung erscheint; man bereitet sich oft aufwändig
dafür vor und besucht den Ball mit der sicheren Absicht zu tanzen.
Der genaue Ablauf eines Ball hängt von Form und Anlass ab. Das
Tanzen ist, neben dem sehen und gesehen werden, jedoch der Kern der
Veranstaltung und grundsätzlich kann jeder mit jeder anderen Person
tanzen. Die Gastgeber eröffnen den Tanz, dann tanzt man zunächst
mit dem/der Partner(in) mit dem/der man gekommen ist. Wenn es sich
ergibt, wird der zweite Tanz mit dem/der Gastgeber(in) getanzt. Um
Mitternacht erfolgt die sog. Mitternachtseinlage, eine spezielle
Darbietung, z.B. eine kleine Show, Balletteinlage o.ä.
Anschließend werden die Preise der Tombola gezogen.
Eine schriftliche Einladung erfolgt meist
spätestens zwei bis drei Wochen vor dem Balltermin und weist neben
dem Anlass auch auf die gewünschte Kleidung hin: „Dunkler
Anzug“, „Dunkler Anzug oder Smoking“ oder
„Gesellschaftskleidung“ (=Frack).
Besonders prominente Persönlichkeiten werden für
ihre Teilnahme an hochrangigen Anlässen häufig bezahlt, um dem Ball
Glanz zu verleihen. Der A-Prominenz zugeordnete Personen werden
zwecks Aufwertung der Veranstaltung formell um ihre Teilnahme
gebeten, ohne dass ihnen Kosten entstehen. Weniger Prominenten bietet
man oftmals gemeinsam mit einer höflichen Pseudo-Einladung Karten
zum Kauf an. Nicht-Prominente können sich mit möglichst großzügigen
Spenden an die Einrichtung „einkaufen“, die der
Ball unterstützen will. Oftmals hat eine solche Spende über Jahre
hinweg mehrfach zu erfolgen, bevor man eine
Pseudo-Einladung und ein meist auf zwei Stück limitiertes
Kartenangebot erhält. Beziehungen können hier entscheidend sein,
was in diesem Zusammenhang nicht als ehrenrührig gilt, denn gute
gesellschaftliche Beziehungen weisen auf eine entsprechende
gesellschaftliche Position hin, deren Festigung und Verbesserung ein
Ziel solch elitärer Bälle ist. Sponsoren dieser Veranstaltungen
erhalten ebenfalls ein Kartenkontingent und vergeben es
nach eigenen Kriterien, zum Beispiel an gute Geschäftspartner.
Wichtigster Presseball in der BRD ist der
Bundespresseball in Berlin (bis 1998 Bonn) am zweiten Samstag im
Januar. 2.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur werden dazu
eingeladen. Man benötigt eine persönliche Einladung;
Eintrittskarten werden nicht verkauft. Wer eingeladen wird,
entscheiden die Mitglieder der Bundespressekonferenz. Durch die
Einnahmen der Tombola sollen hilfsbedürftige
Journalisten aus einem Sozialfonds unterstützt werden. Neben dem
Bundespresseball, der von einer Tochtergesellschaft der
Bundespressekonferenz organisiert wird, gibt es zahlreiche
Landespressebälle, die von regionalen
Journalistenverbänden oder Landespressekonferenzen getragen
werden, sowie einen Presseball Berlin, der aber mit dem
Bundespresseball nichts tun hat. Pressebälle gibt es auch in den
Nachbarländern, u.a. in Österreich.
Am letzten Donnerstag im Fasching findet in der
Wiener Staatsoper der traditionelle Wiener Opernball statt. Die
Eintrittskartenpreise beginnen bei € 390,-; wenn Sie eine eigene
Loge wünschen, rechnen Sie mit Kosten ab etwa € 16.000,-. Für
männliche Besucher herrscht grundsätzlich Frackzwang, alternativ
darf höchstens eine Ausgehuniform getragen werden. Von weiblichen
Besuchern wird das Tragen eines großen, langen Abendkleides
erwartet. Ein Schuster und eine Schneiderin stehen am Ballabend für
Notfälle gratis zur Verfügung. Die Eröffnung beginnt mit
dem Einzug des österreichischen Bundespräsidenten
in seine Loge. Dann erfolgt der Einzug der ca. 180 Tanzpaare in zwei
Gruppen mit dazwischenliegenden Darbietungen.
Erst nach dem Kommando „Alles Walzer!“ ist die Tanzfläche
für alle freigegeben. Um Mitternacht und um drei Uhr früh wird
jeweils eine Quadrille getanzt. Der Ball endet um fünf Uhr früh.
Während des Balls ist die Staatsoper komplett geöffnet; in den
übrigen Räumen werden für die Dauer des Balls Restaurants, Bars
und ein Spielcasino eingerichtet. Die Veranstaltung wird vom ORF live
übertragen. Ein Besuch des Wiener Opernballs ist zwar teuer, aber
deswegen nicht unbedingt exklusiv. Sicherlich handelt es sich um ein
gesellschaftliches Ereignis mit internationaler Beachtung, sodass
sich vor allem Snobs gerne dort aufhalten.
Als Hauptstadt des Balls gilt heutzutage Wien. In
der Donaumetropole finden jährlich über 400 Bälle mit mehr als 200
Besuchern (pro Ball natürlich) statt. Neben den bekannten Großbällen
veranstalten zahlreiche Schulen, Berufsgruppen, verschiedene
Vereine und soziale Vereinigungen sowie auch einzelne
Stadtbezirke jedes Jahr eigene Bälle. Für die Wiener Ballsaison von
November bis Faschingsdienstag gibt es einen eigenen
Ballkalender, in dem die Ereignisse verzeichnet sind. In der BRD hat
neben den Pressebällen auch der Frankfurter Opernball eine gewisse
Bedeutung, in der Schweiz der Polyball Ende November an der ETH
Zürich.
Pferderennen
Neben ihrer Bedeutung für den Reitsport, stellen
Pferderennen auch ein gesellschaftliches Ereignis dar. Bekannt sind
vor allem die Rennen von Ascot, Epsom oder Iffezheim (Großer Preis
von Baden). Aus Ascot stammt die Regel, dass Herren einen Cutaway und
Zylinder tragen und Damen ein entsprechendes Kleid und einen Hut. Der
Champagnerverbrauch liegt in Flaschen gerechnet im sechsstelligen
Bereich.
Auch bei dieser Art von Pferderennen gilt analog
zu Pressebällen etc., dass es sich wohl eher um Jahrmärkte der
Eitelkeiten handelt, von denen ein Mann von Welt sich besser fern
halten sollte, will er nicht für einen Snob gehalten werden.
Die Bayreuther oder Richard-Wagner-Festspiele Ende
August jeden Jahres sind so ziemlich das renommierteste
Musikereignis in Zentraleuropa. Insgesamt finden im Bayreuther
Festspielhaus auf dem Grünen Hügel, welches extra für die
Aufführungen von Wagners Werken erbaut wurde, jährlich etwa 30
Vorstellungen statt. Eintrittskarten sind so gut wie
gar nicht zu bekommen, weil den möglichen 58.000 Besuchern
ca. 500.000 Kartenbestellungen gegenüberstehen. Seit 2012 kommen
etwa 65% der Karten in den freien Verkauf, der Rest wird an Mäzene
etc. vergeben. Ohne eine Mitgliedschaft in der Gesellschaft der
Freunde von Bayreuth ist es praktisch unmöglich eine Karte zu
erhalten. Für die Saison 2013 wurden die Tickets nur online
angeboten und waren innerhalb von Minuten ausverkauft. Auf dem
Schwarzmarkt werden Eintrittskarten zum siebenfachen des regulären
Preises angeboten. Angesichts dieser Umstände ist klar, dass die
Festspiele ein Tummelplatz für Snobs sind, die sich damit brüsten
können irgendwie eine Karte ergattert zu haben. Bei allem Respekt
für das Werk Wagners sollte ein Mann von Welt sich auf so etwas
nicht einlassen sondern lieber auf andere Aufführungen ausweichen
(Termine unter www. richard-wagner-werkstatt.com).
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