Sonntag, 3. Dezember 2017

Renommierte Großveranstaltungen

Der Mann von Welt ist kein Selbstdarsteller und vermeidet ebenso mediale Aufmerksamkeit. Daher haben Veranstaltungen wie Pressebälle, renommierte Pferderennen (Ascot, Großer Preis von Baden etc.) oder gar der Wiener Opernball für ihn keine Bedeutung. Exklusiv sind solche Veranstaltungen ohnehin nicht, zumal jeder Snob versucht eine Einladung oder Eintrittskarte zu ergattern. Auch führt die mediale Aufmerksamkeit höchstens dazu in irgendeiner Klatschspalte in der Regenbogenpresse zerrissen zu werden. Für den Mann von Welt ist die Teilnahme deshalb eher fakultativ, handelt es sich bei Bällen und Pferderennen doch im Grunde genommen um Jahrmärkte der Eitelkeiten. Es reicht daher vollkommen aus, wenn man ungefähr weiß, was auf solchen Veranstaltungen passiert und wozu sie dienen.
Da Großveranstaltungen mit medialer Aufmerksamkeit häufig der Kritik alternativer Kreise ausgesetzt sind, versuchen die Veranstalter regelmäßig ihrem Projekt einen sozialen Anstrich zu geben. Folglich stellen die meisten Feste eine Art Wohltätigkeitsball dar. Der Gewinn aus der obligatorischen Tombola wird irgendeinem guten Zweck zugeführt. In der BRD und Österreich dienen dazu vor allem die Presse- und andere -bälle, derer es mehr gibt, als der Laie ahnt.
In der Regel ist allen Bällen gemein, dass es sich um ein jährliches, feierliches Ereignis handelt, zu dem man nicht in Alltagskleidung erscheint; man bereitet sich oft aufwändig dafür vor und besucht den Ball mit der sicheren Absicht zu tanzen. Der genaue Ablauf eines Ball hängt von Form und Anlass ab. Das Tanzen ist, neben dem sehen und gesehen werden, jedoch der Kern der Veranstaltung und grundsätzlich kann jeder mit jeder anderen Person tanzen. Die Gastgeber eröffnen den Tanz, dann tanzt man zunächst mit dem/der Partner(in) mit dem/der man gekommen ist. Wenn es sich ergibt, wird der zweite Tanz mit dem/der Gastgeber(in) getanzt. Um Mitternacht erfolgt die sog. Mitternachtseinlage, eine spezielle Dar­bie­tung, z.B. eine kleine Show, Balletteinlage o.ä. Anschließend werden die Preise der Tombola ge­zogen.
Eine schriftliche Einladung erfolgt meist spätestens zwei bis drei Wochen vor dem Balltermin und weist neben dem Anlass auch auf die gewünschte Kleidung hin: „Dunkler Anzug“, „Dunkler Anzug oder Smo­king“ oder „Gesellschaftskleidung“ (=Frack).
Besonders prominente Persönlichkeiten werden für ihre Teilnahme an hochrangigen Anlässen häufig bezahlt, um dem Ball Glanz zu verleihen. Der A-Prominenz zugeordnete Personen werden zwecks Aufwertung der Veranstaltung formell um ihre Teilnahme gebeten, ohne dass ihnen Kosten entstehen. Weniger Prominenten bietet man oftmals gemeinsam mit einer höflichen Pseudo-Einladung Karten zum Kauf an. Nicht-Prominente können sich mit möglichst großzügigen Spenden an die Einrichtung „ein­kau­fen“, die der Ball unterstützen will. Oftmals hat eine solche Spende über Jahre hinweg mehrfach zu er­fol­gen, bevor man eine Pseudo-Einladung und ein meist auf zwei Stück limitiertes Kartenangebot erhält. Beziehungen können hier entscheidend sein, was in diesem Zusammenhang nicht als ehrenrührig gilt, denn gute gesellschaftliche Beziehungen weisen auf eine entsprechende gesellschaftliche Position hin, deren Festigung und Verbesserung ein Ziel solch elitärer Bälle ist. Sponsoren dieser Veranstaltungen er­hal­ten ebenfalls ein Kartenkontingent und vergeben es nach eigenen Kriterien, zum Beispiel an gute Geschäftspartner.

Pressebälle
Wichtigster Presseball in der BRD ist der Bundespresseball in Berlin (bis 1998 Bonn) am zweiten Samstag im Januar. 2.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur werden dazu eingeladen. Man benötigt eine persönliche Einladung; Eintrittskarten werden nicht verkauft. Wer eingeladen wird, ent­scheiden die Mitglieder der Bundespressekonferenz. Durch die Einnahmen der Tombola sollen hilfs­be­dürf­tige Journalisten aus einem Sozialfonds unterstützt werden. Neben dem Bundes­presse­ball, der von einer Tochtergesellschaft der Bundespressekonferenz organisiert wird, gibt es zahlreiche Landes­pres­se­bäl­le, die von regionalen Journalisten­verbänden oder Landespressekonferenzen getragen werden, sowie einen Presseball Berlin, der aber mit dem Bundespresseball nichts tun hat. Pressebälle gibt es auch in den Nachbarländern, u.a. in Österreich.

Der Wiener Opernball
Am letzten Donnerstag im Fasching findet in der Wiener Staatsoper der traditionelle Wiener Opernball statt. Die Eintrittskartenpreise beginnen bei € 390,-; wenn Sie eine eigene Loge wünschen, rechnen Sie mit Kosten ab etwa € 16.000,-. Für männliche Besucher herrscht grundsätzlich Frackzwang, alternativ darf höchstens eine Ausgehuniform getragen werden. Von weiblichen Besuchern wird das Tragen eines großen, langen Abendkleides erwartet. Ein Schuster und eine Schneiderin stehen am Ballabend für Not­fäl­le gratis zur Verfügung. Die Eröffnung beginnt mit dem Einzug des österreichischen Bundes­prä­si­den­ten in seine Loge. Dann erfolgt der Einzug der ca. 180 Tanzpaare in zwei Gruppen mit dazwi­schen­lie­gen­den Darbietungen. Erst nach dem Kommando „Alles Walzer!“ ist die Tanzfläche für alle freigegeben. Um Mitternacht und um drei Uhr früh wird jeweils eine Quadrille getanzt. Der Ball endet um fünf Uhr früh. Während des Balls ist die Staatsoper komplett geöffnet; in den übrigen Räumen werden für die Dauer des Balls Restaurants, Bars und ein Spielcasino eingerichtet. Die Veranstaltung wird vom ORF live übertragen. Ein Besuch des Wiener Opernballs ist zwar teuer, aber deswegen nicht unbedingt exklusiv. Sicherlich handelt es sich um ein gesellschaftliches Ereignis mit internationaler Beachtung, sodass sich vor allem Snobs gerne dort aufhalten.

Andere Tanzbälle
Als Hauptstadt des Balls gilt heutzutage Wien. In der Donaumetropole finden jährlich über 400 Bälle mit mehr als 200 Besuchern (pro Ball natürlich) statt. Neben den bekannten Großbällen veranstalten zahl­reiche Schulen, Berufsgruppen, verschiedene Vereine und soziale Vereinigungen sowie auch ein­zelne Stadtbezirke jedes Jahr eigene Bälle. Für die Wiener Ballsaison von November bis Faschings­dienstag gibt es einen eigenen Ballkalender, in dem die Ereignisse verzeichnet sind. In der BRD hat neben den Pressebällen auch der Frankfurter Opernball eine gewisse Bedeutung, in der Schweiz der Polyball Ende November an der ETH Zürich.

Pferderennen
Neben ihrer Bedeutung für den Reitsport, stellen Pferderennen auch ein gesellschaftliches Ereignis dar. Bekannt sind vor allem die Rennen von Ascot, Epsom oder Iffezheim (Großer Preis von Baden). Aus Ascot stammt die Regel, dass Herren einen Cutaway und Zylinder tragen und Damen ein entsprechendes Kleid und einen Hut. Der Champagnerverbrauch liegt in Flaschen gerechnet im sechsstelligen Bereich.
Auch bei dieser Art von Pferderennen gilt analog zu Pressebällen etc., dass es sich wohl eher um Jahr­märkte der Eitelkeiten handelt, von denen ein Mann von Welt sich besser fern halten sollte, will er nicht für einen Snob gehalten werden.

Bayreuther Festspiele
Die Bayreuther oder Richard-Wagner-Festspiele Ende August jeden Jahres sind so ziemlich das renom­mier­teste Musikereignis in Zentraleuropa. Insgesamt finden im Bayreuther Festspielhaus auf dem Grünen Hügel, welches extra für die Aufführungen von Wagners Werken erbaut wurde, jährlich etwa 30 Vor­stel­lun­gen statt. Eintrittskarten sind so gut wie gar nicht zu bekommen, weil den möglichen 58.000 Be­su­chern ca. 500.000 Kartenbestellungen gegenüberstehen. Seit 2012 kommen etwa 65% der Karten in den freien Verkauf, der Rest wird an Mäzene etc. vergeben. Ohne eine Mitgliedschaft in der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth ist es praktisch unmöglich eine Karte zu erhalten. Für die Saison 2013 wurden die Tickets nur online angeboten und waren innerhalb von Minuten ausverkauft. Auf dem Schwarzmarkt werden Eintrittskarten zum siebenfachen des regulären Preises angeboten. Angesichts dieser Umstände ist klar, dass die Festspiele ein Tummelplatz für Snobs sind, die sich damit brüsten können irgendwie eine Karte ergattert zu haben. Bei allem Respekt für das Werk Wagners sollte ein Mann von Welt sich auf so etwas nicht einlassen sondern lieber auf andere Aufführungen ausweichen (Termine unter www. richard-wagner-werkstatt.com).

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