Sonntag, 3. Dezember 2017

Sportboote

Ein Mann von Welt sollte auf jeden Fall über ein Wasserfahrzeug verfügen und auch über entsprechende Kenntnisse es zu steuern, d.h. einen Sportbootführerschein. Kurse dazu bie­ten inzwischen auch viele Volks­hoch­schu­len an, jedoch sollten sie einer renommierten Boots­­schule den Vorrang geben. Das Was­ser­­fahrzeug von Welt muss natürlich dem Geld­­­­beutel von Welt, als auch dem Ge­wäs­ser an­ge­passt sein. Wenn sie also ihr Boot an einem kleinen Binnengewässer liegen haben, dann brauchen sie keine hoch­see­tüchtige Yacht, eine solche würde auf ei­nem kleinen Binnensee völlig deplaziert wir­ken. Aber auch auf dem kleinsten Gewässer muss un­be­dingt auf Schlauch­boote oder kleine Boote mit Außen­border ver­zich­tet werden. Wenig­stens eine klei­ne Kajüte ist das Mindeste, was ein Boot von Welt aufzuweisen hat.
Die Auswahl des Gewässers und des Lie­ge­platzes hängt vom per­sön­lichen Geschmack und von den Nut­zungs­gewohnheiten des Eig­ners ab. Nichtsdestotrotz sollte die aus­ge­wäh­­l­te Marina bevorzugt an einer Bin­nen­was­­serstraße liegen, die Zugang zum Meer ermöglicht, so­fern es sich nicht ohnehin um einen Kü­sten­­ha­fen oder wenigstens um einen großen Binnensee handelt, wie z.B. dem Bo­den­see. Im Ge­gen­satz zum Snob, der eine über­große Mo­toryacht oder eine mehr­ma­stige, kreditfinanzierte Segel­yacht in Monte Carlo oder Por­to­fino liegen hat, wählt der Mann von Welt den Liegeplatz so, dass er sein Boot auch mög­­lichst oft nut­zen kann. Die geo­gra­phi­sche Nähe zum Wohn- oder be­vorzugten Auf­enthaltsort ist für ihn ent­schei­dend. Na­tür­lich kann sich auch ein Mann von Welt in Monaco auf­hal­ten, aber im Gegensatz zum Snob muss er es nicht! Für ihn sind auch kleinere Marinas an einer mitteleuropäischen Binnen­was­serstraße ak­zep­tabel, die er schnell und pro­blemlos er­rei­chen kann. Sollte er dennoch den Wunsch ver­­spüren von seinem Liegeplatz an der Mo­sel ins offene Meer zu steuern, macht er dies im Rahmen einer mehr­mo­na­ti­gen Bootstour ins Mittel­meer oder in die Nordsee, oder er char­tert sein ent­spre­chendes Ge­fährt vor Ort. Denn im Gegensatz zum Snob, der mit seiner Lu­xus­yacht sowieso meistens nur an der Ufer­­­­­promenade des ausgewählten Nobel­or­tes an­liegt, um den Pöbel zu beeindrucken, ist der Mann von Welt tat­säch­lich in der Lage ein Boot zu steuern und auch auf See zu na­vi­gieren. Einer gelegentlichen Mehr­­ta­ges­tour von der Mosel rheinabwärts in die Nordsee bis an die englische Küste steht also nichts im Wege. Dafür muss das Boot natürlich see­tauglich sein und das Lie­ge­gewässer ei­nen Zugang zum Meer haben, was kleinere Binnenseen in der Regel aus­schließt.
Bei der Wahl des Bootstyps gilt: Nicht größer als es das Heimatgewässer erlaubt, aber immerhin groß ge­nug und mit einer Ka­jü­te, um auf dem Boot bequem über­nach­ten zu können. Sollte ihr Liegeplatz auf dem Steinhuder Meer sein, dann wählen sie bes­ser ein kleineres Segel­boot, wohingegen sie in einem Ha­fen am Rhein auch eine hoch­see­taug­liche Yacht parken können, mit wel­cher sie gele­gent­liche Streif­züge in die Nord­see unter­neh­men. Wenn sie an der Kü­ste woh­nen oder dort ihr bevorzugter Auf­ent­halts­ort liegt, dann können sie im örtlichen Hafen auch eine mehrmastige Segelyacht par­kieren. Be­sit­zen sie eine Villa an den ober­ita­lie­ni­schen Seen, dann kommt wohl eher ein nicht zu langsames Sportboot in­fra­ge. Hier könnte man notfalls sogar auf einen Außenborder zurückgreifen. Beachten sie außer­­dem, dass bei einem strömungsstarken Fließ­ge­wäs­ser, z.B. dem Rhein, unbedingt ein Glei­ter oder ein Halb­gleiter be­nötigt wird. Sollte ihnen der Sinn nach einem Speedboot stehen, dann dürfen sie sogar von der „Kajü­ten­regel“ ab­weichen, ohne einen Image­ver­lust befürchten zu müssen. Achten Sie aber da­rauf, dass sie eine ent­spre­chen­de „Renn­strecke“ vor der Hafeneinfahrt haben, sonst hält man Sie für einen Snob.
Was die genaue Bootsmarke angeht, gilt auch hier: Je seltener und exklusiver, desto besser, aber funk­tio­nal muss es sein. Auf je­den Fall soll­ten sie die Finger von Bay­li­ner-Boo­ten lassen. Dort erhalten sie eher min­dere Quali­tät und ein schlechtes Image dazu. Auch von Hausbooten sei abgeraten. Diese wirken im­mer so, als ob sich der Be­woh­ner nicht die Miete für eine Wohnung leisten könne.
Zugegebenermaßen haben sie schlechte Kar­ten als Mann von Welt zu gelten, wenn sie unter See­krank­heit leiden. Diese wird in der Re­gel durch die Schiffs­be­we­gun­gen verursacht, die den im Ohr sitzenden Gleich­­gewichtssinn irritieren. Dummerweise gibt es kein Patentrezept dagegen. Bei man­chen schafft je­doch ein Akupressurband am Hand­­gelenk Abhilfe. Es soll sogar spezielle Arm­band­uhren für Segler ge­ben, die diese Auf­gabe über­neh­men. Ansonsten hilft nur die Einnahme von Medikamenten.
Ferienorte an Binnenwasserstraßen die Gastliegeplätze offerieren gibt es überall, z.B. Bad Ems, wo man zur Kur sehr gut mit dem Boot anreisen kann. In vielen Sportbootrevieren haben sich auch ans Wasser gren­­zende Geschäfte und Re­stau­rants auf Boots­tou­risten eingestellt und bieten eigene Anlege­mög­lich­kei­ten. Selbst ei­ni­ge Grenz­su­per­märkte sind auf dem Was­serweg zu er­rei­chen und das Designer Outlet Cen­­ter in Maas­mechelen be­sitzt am Kanal Zuid-Willems­vaart einen eigenen Boots­an­leger für Kunden. Wer also mit dem Boot in der Nähe un­ter­wegs ist, sollte einen Ein­kaufs­stopp einlegen. Auf­ge­führt sind im fol­­gen­den (von Nord nach Süd) nur die Geschäfte, die eine direkte Zugangsmöglichkeit vom Wasser aus bie­ten. Die Li­ste er­­hebt keinen Anspruch auf Voll­stän­digkeit.

Delfzijl an der Emsmündung, Niederlande ■ Seeschifffahrtsstraße ■ Yachthafen Neptunus mit Diesel­tank­stel­le in Stadtnähe ■ Eventuell gün­stig: Kaf­­fee, Bier, freiverkäufliche Medikamente ■ Ge­trän­ke­dosen und  fla­schen un­ter 1 Liter (Bier nur teilw.) sind pfandfrei.

Tankstelle in Ter Apel, Niederlande ■ nahe am Ter Apelkanaal, an der Einmündung des Haren-Rüten­brock-Kanals von der Ems bei Haren kommend ■ Grensstation Jan Potze B.V. ■ www.tankpotze.nl ■ Ru­ten­brockerweg 1, 9561 NT Ter Apel, Niederlande ■ Eventuell gün­stig: Kaf­­fee, Bier ■ Ge­trän­ke­dosen und  fla­schen un­ter 1 Liter (Bier nur teilw.) sind pfandfrei ■ Ge­öffnet: Mo.-Fr. 07:00-20.00, Sa. 08:00-20:00, So. 09:00-20:00 Uhr.

Jachthaven de Bijland, Tolkamer am Rhein, Niederlande ■ www.jachthavendebijland.nl ■ Su­per­markt im Reacreatiepark de Bijland ■ weitere Einkaufsmöglichkeiten im Ort ■ Even­tuell gün­stig: Kaf­­fee, Bier, frei­ver­käufliche Medikamente ■ Ge­trän­ke­dosen und  fla­schen un­ter 1 Liter (Bier nur teilw.) sind pfand­frei.

Designer Outlet Cen­ter Maasmechelen, Belgien ■ www.maasmechelenvillage.com ■ wichtigste Marken: Calvin Klein, Golfino und div. Jeans- und Outdoor­be­klei­dungs­hersteller ■ Geöff­net: Mo.-Fr. 10:00 bis 18:00, Sa.+So. 10:00-19:00 Uhr ■ gratis WLAN ■ Heimlieferservice ■ Miles&More Bonus­meilen Stil­beratung Mehrwert­steuer­erstattung für Nicht-EU-Bürger eigene Handy-App ■ Boots­anleger für Kunden am Kanal Zuid-Willems­vaar­t (Maas-Seitenkanal).

Yachthafen Schweb­sange an der Mosel, Luxemburg ■ www.camping-port.lu ■ Einkaufs­mög­lichkeiten im Hafen und in der Umgebung ■ Even­tu­ell günstig: Kaffee, Schaumw­ein, Spiri­tuo­­sen, Diesel, Tabak­wa­ren, Bier ■ pfand­freie Getränke.

Yachthafen Kasten an der Donau, Österreich ■ hafen-kasten.jimdo.com ■ Eventuell günstig: Kaffee, Diesel, In­län­der-Rum, Tabak­waren.

Bodensee Marina »Hafen Rohner«, Fußach, Österreich ■ hafen-rohner.at ■ Freie Tankstelle nach der Ein­­­­fahrt zweites Hafenbecken links (In Bö­schen, Hard) ■ Eventuell günstig: Kaffee, Diesel, In­län­der-Rum, Tabak­waren.

Bodensee Marina »Hafen am Rohrspitz«, Fußach, Österreich ■ www.salzmann.at ■ div. Dienst­leistun­gen rund ums Boot ■ Eventuell günstig: Kaffee, Diesel, In­län­der-Rum, Tabak­waren.

Noch zwei Hinweise: Wer »dringend« Treibstoff braucht, kann im Binnenland auch notfalls ir­gend­wo am Ufer an­le­gen (wo es erlaubt ist) und mit einem Kanister zur nächsten Tank­stel­le laufen, wes­halb man immer einen Kanister an Bord haben sollte. Und bei See­rei­sen außerhalb des EU-Küsten­ge­bietes, die länger als 72 Stunden dauern oder wenn ein Hafen außerhalb der EU an­ge­lau­fen wird, ist über­­­dies die Kon­sumation zollfreier Waren an Bord mög­­lich.

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