Sonntag, 3. Dezember 2017

Clubmitgliedschaften

Ich möchte in keinem Club Mit­glied sein, der bereit ist jemanden wie mich auf­zunehmen!“, sagte einst der Komiker Grou­cho Marx. In der Tat werben zahlreiche Clubs um die Gunst der Män­ner von Welt. Auch hier gilt: Je exklu­si­ver, desto besser. Des besseren Verständnisses wegen sei ge­sagt, dass mit „Clubs“ keine Partylokale ge­meint sind, in die praktisch jeder eingelassen wird, der den Eindruck erweckt zur Szene zu ge­hören oder genügend Geld für eine große Zeche zu besitzen. Ansonsten bezieht sich der Be­griff „Club“, sofern er in Kontinentaleuropa überhaupt verwendet wird, im allgemeinen Verständnis vornehmlich auf das u.a. für Deutsch­land typische, gesellige Vereins­we­sen, aber auch dieses ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Es geht vielmehr um solche Clubs, die für den Mann von Welt geeignet sind, u.a. Golfclubs, Country Clubs oder die sogenannten „Social Clubs“.
Urheimat der „Social Clubs“ oder „Gentlemen’s Clubs“ ist Großbritannien, vor al­lem London. Dort gibt es eine ganze Reihe der auch aus den Medien bekannten Herrenclubs, die bis heute ihre Tradition aus­leben und sich z.B. nur widerwillig weib­li­chen Mit­glie­dern öffnen. Zur Erlangung der Mit­glied­schaft be­nö­tigt man meist die Empfehlung zweier be­ste­hen­der Mitglieder. Niemand weiß ge­nau, was hin­­ter den ver­schlossenen Clubtüren ei­gent­lich pas­siert. Es gibt sogar das Gerücht, dass die Re­gie­rungs­zentrale in Whitehall durch un­ter­ir­di­sche Gänge mit den vor­nehm­sten Clubs in der Nähe ver­bunden sei, damit die Re­gie­rungs­mitglieder unbeobachtet ein und aus gehen können. Bei Wikipedia ist le­dig­lich nachzulesen: „In den Clubs wur­de weniger öffentliche Unterhaltung wie Musik oder dergleichen geboten; vielmehr dienten sie vor allem als „zweites Heim“, in dem die Herren entspannen, sich mit ihren Freunden treffen, Gesellschaftsspiele spielen und eine Mahlzeit erhalten konnten. [..] Auch boten die Clubs ihren Mitgliedern Zu­flucht vor al­ler­lei häuslich-ehelichem Unge­mach. [..] Man­che Clubs waren für ihre Glücks­spiele berühmt...“ Einschränkend heißt es dann aber im Folgetext: „Natürlich wurde in den Clubs aber auch hin und wieder National-, wenn nicht Weltgeschichte geschrieben.“ Dieses lässt den Schluss zu, dass es sich bei den Clubs um Institutionen handelt, die Politik oder Geschäft mit den Angenehmen – in diesem Fall einer ruhigen, private Umgebung mitten im hektischen London – verbinden.
In Mitteleuropa hat sich diese Art von Ge­heim­gesellschaft nicht sonderlich durchsetzen können, obwohl es im vergangenen Jahrhundert Ver­su­che zu ihrer Etablierung gegeben hat. Einen unbestreitbaren, lo­gi­sti­schen Vorteil haben diese sozialen Clubs allerdings: Mitglieder haben gewissermaßen eine Opera­tions­basis vor Ort, auch wenn sie dort keine Wohnung etc. unterhalten. Im Britannien der viktorianischen Ära war es so üblich, dass sich zu Geld gekommene Privatiers einen Landsitz zugelegt haben und nur nach London gefahren sind, um dort ihre (Bank-)Geschäfte abzuwickeln, einzukaufen oder Freunde zu treffen. Als Basis und zweites Zuhause diente ihnen dann der Club, wo sie telegraphisch erreichbar waren, ihre Gäste bewirteten und wohin sie ihre Einkäufe liefern ließen. Manchmal handelte es sich bei dem Club um einen Veteranenverein, wenn der Betreffende Militärdienst in den Kolonien geleistet hatte, sodass er dort auch seine ehemaligen Kameraden treffen konnte.
Auch heute noch ist es aber sowohl in Britannien als auch in anderen Ländern üblich, dass Firmeninhaber und Geschäftsleute aus der Provinz Mitglied eines „Business Club“ in einer nahegelegenen Großstadt sind, um dort Geschäftsfreunde zu empfangen oder Kontakte zu pflegen. Zwar könnte man zu diesem Zweck heute praktisch überall Büro- oder Konferenzräume auch stundenweise anmieten. Ein Treffen in „seinem“ Club ist aber zugegebenermaßen persönlicher. Und besser lassen sich Geschäft und Freizeit wohl kaum miteinander verbinden. Es gibt inzwischen sogar Clubs, die mit anderen Clubs im Ausland Übereinkommen über die gegenseitige Nutzung der Clubeinrichtungen getroffen haben. Sollte z.B. ein europäischer Geschäftsmann in Peking ein entsprechendes, eher privates Umfeld benötigen, muss er nicht irgendeinen Konferenzraum anmieten, sondern kann einfach die Einrichtungen des chinesischen Partnerclubs nutzen.
Eine weitere, interessante Möglichkeit ist die Mitgliedschaft in einem Golfclub. Um einen Golfplatz nutzen zu können, muss man in der Regel Clubmitglied sein. Für Be­sucher gibt es die Möglichkeit einer Gast­mit­gliedschaft. Da der Mann von Welt den Golf­­­platz nicht nur zum spielen, sondern auch für Geschäfts- und Privatkontakte nutzt, ist eine Clubmitgliedschaft fast obligatorisch.
Weiterhin kann die Mitgliedschaft in einem Bridge­club gesellschaftlich von Vorteil sein, die dann natürlich mit der Ausübung des gleich­namigen Kartenspiels verbunden ist. Bridge hat den Vorteil, dass es vorwiegend in gehobenen Gesellschaftskreisen gespielt wird und somit neben dem Spiel auch zahl­rei­che, nützliche Kontakte ermöglicht.
Relativ neu sind in Mitteleuropa die sog. Country Clubs. Dabei handelt es sich um weit­räumige, länd­li­che Besitzungen auf denen die Mitglieder Reiten, Golf spielen oder anderen sportlichen Aktivitäten nach­­gehen. Wenn sie das Glück haben einen sol­chen Club in ihrer Reichweite zu wissen, dann sollten sie dort unbedingt Mitglied wer­den. Nicht selten gibt es in solchen Coun­try­clubs auch eine Bridgerunde.
Besitzt der Mann von Welt außerdem ein Wasser­fahr­zeug, ist damit häufig auch der Ein­tritt in einen Was­sersportclub verbunden. Ob dies not­wendig ist, muss im Einzelfall ent­schieden werden. Weitere Club­mitgliedschaften, z.B. in Sport­ver­einen, sind abhängig von den per­sön­li­chen Neigungen des Mannes von Welt. Ört­li­che Schützen- oder Feuer­wehr­vereine sind je­doch eher die Tum­mel­plät­ze der Unter­schicht und sollten daher ge­mieden werden.
Wenig empfehlenswert sind Mit­glied­schaf­ten in so seltsamen Vereinigungen wie dem in­zwischen erlo­sche­nen Play­boy­club. Auch wenn dessen Mitgliedschaft nicht einer ge­wis­sen Ironie entbehrt, ist ein sol­cher Verein eher für Snobs geeignet. Ebenso lasse man die Finger von sog. Freun­des­kreisen und Förder­ver­einen. Diese dienen nur po­li­ti­schen Zwecken und bringen dem Mann von Welt eher Nachteile. Der Sinn dieser Ver­eine besteht nämlich darin Pro­jekte von allgemeinem Interesse zu ver­wirk­lichen, de­ren Finanzierung sonst nicht zu be­werk­stel­li­gen wäre. Das funktioniert fol­gen­der­maßen.
Nehmen wir an, ein historisches Bauwerk soll er­hal­ten werden, aber die Gemeinde hat kein Geld da­zu. Der Bürgermeister und ein paar Ge­folgs­leute gründen einen För­der­ver­ein und ge­­nehmigen dem Verein einen ge­rin­gen jähr­li­chen Zuschuss aus der Staatskasse. Der Ver­­ein, der ja nun regelmäßige Ein­künf­te hat, ist kreditwürdig und erhält einen Kre­dit von der regionalen Sparkasse, um das Bau­­werk zu restaurieren. Die Kreditschuld wird durch die jährlichen Zuschüsse mehr oder weniger ab­ge­tra­gen, ohne dass dieser Po­sten in einem öffent­li­chen Haushalt auf­taucht. So lagert man Schul­den aus! Als Mann von Welt sollten sie sich dafür nicht einspannen lassen. Das schädigt auf lange Sicht das Image!
Mit Wohltätigkeitsvereinen, auch Service­clubs genannt, muss man eben­falls vorsichtig sein. Oft dienen sie mehr der Wohltätigkeit der Betreiber als der All­ge­mein­heit, was die­se natürlich zu verbergen be­müht sind. Das gilt auch für Rotarier, den Lions Club, mo­der­­ne Ritterorden und ähn­li­chen Zu­sam­men­schlüs­se. Besonders fern hal­­ten sollte man sich von diversen Geheim­ge­sellschaften, un­ter denen die Frei­mau­rer einen besonderen Rang einnehmen. Deren un­durchsichtige Prak­tiken verheißen nichts gutes und deren Exklusivität ist ohne­hin nur künstlich er­zeugt. Im übrigen fragt man sich, welchen Zweck eine Geheim­ge­sell­schaft in einer (zu­min­dest theoretisch) frei­heit­lich-de­mo­­kra­ti­schen Grund­ord­nung hat, in der ei­gent­lich nur noch das Ver­brechen verboten ist.
Dem Mann von Welt bietet sich auch die Op­tion sich in politischen oder kirchlichen Ver­einigungen zu engagieren. Generell ist po­­litisches Engagement begrüßenswert, je­doch ist der Erfolg einer Partei oder anderen po­litischen Gruppe stark anhängig von der je­weiligen Stimmung des Wahlpöbels. Daran kann auch die Mitgliedschaft in „Mittel­stands­parteien“ oder „Parteien der Besser­ver­dienenden“ nichts ändern. Die jüngere Vergangenheit hat weiterhin gezeigt, dass die ge­sell­schaftlichen Unterschichten in den mei­sten Ländern nicht in der Lage sind ver­nünf­ti­ge, politische Entscheidungen zu tref­fen - eine der wenigen Ausnahmen bildet die Schweiz. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis ihnen das Recht auf politische Selbst­bestimmung wieder entzogen werden wird. Politisches En­gagement macht folglich nur Sinn, wenn die Erfolgsaussichten ent­sprechend sind.
Die etablierten Amtskirchen hatten in den letzten Jahren unter zahlreichen Skandalen zu leiden, von denen sich jedoch zumindest die Katholische Kirche unzweifelhaft wieder erholen wird. Allerdings gibt es schon seit vie­len Jahren berechtigte Zweifel an der offiziellen Auslegung der Bibel, die in den nächsten Jahrzehnten zu weiteren Er­schüt­te­run­gen der christlichen Kirchen führen wer­den. Nicht viel besser sieht es bei den an­de­ren Religionen aus. Allerdings haben Kir­chen­gemeinden auch eine soziale Funktion, zumal sie den Zusammenhalt, vor allen in klei­neren Orten, fördern und soziale Kon­tak­te im näheren Umfeld ermöglichen. Neu­zu­ge­zogenen wird oft empfohlen regelmäßig die örtliche Kirchengemeinde zu besuchen, weil es so am einfachsten ist die Leute am Ort kennen zu lernen. Dem kann nicht wi­der­spro­chen werden. Dennoch sollte der Mann von Welt auch hier eine gewisse Distanz wah­ren.
Generell sollte ein Mann von Welt nur we­nige Clubmitgliedschaften aufweisen. Er­stens ist es nicht nötig überall Mitglied zu sein und zweitens gibt es nur wenige exklu­si­ve Clubs die eines Mannes von Welt würdig sind.

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