Sonntag, 3. Dezember 2017

Ostasiatische Umgangsformen

Die folgenden Aussagen beziehen sich in er­ster Linie auf den Umgang mit Angehörigen sinider Völker, also Chinesen, Koreaner und Japaner, und anderer ostasiatische Völker, die kulturell von diesen be­einflusst wurden, wie z.B. die Viet­na­me­sen. Auch besitzen die Re­geln in Ländern mit einem hohen Anteil chi­ne­sischer Ein­woh­ner eine gewisse Gül­tig­keit; als Beispiel sei Singapur genannt.
Das Wichtigste: Eine Verbeugung wird im­mer erwidert! Bei formalen Anlässen le­gen Herren ihre Hand­flä­chen an die Hosen­naht und Damen kreuzen die Hände vor ihren Ober­­­schenkeln. Dann beugen sie ihren Rücken um etwa 30 Grad nach vorne und ver­­­harren so für ca. drei Sekunden. Bei der All­­tags­ver­beu­gung biegen sie den Rücken nur um etwa 15 Grad für ca. ein oder zwei Se­­kun­den. Lassen sie ihren Gegenüber sich zu­erst aufrichten. Wenn sie doch einmal schnel­ler waren, verbeugen sie sich wieder. Über­­­haupt ist es nicht unüblich sich mehr­mals hintereinander zu verbeugen. Über­rei­chen sie ihre Visiten­kar­te oder ein Geschenk immer mit beiden Händen und einer Ver­beu­gung und nehmen sie alles was ihnen über­reicht wird mit beiden Händen und einer Ver­beugung entgegen. Visitenkarten lesen sie so­fort, ein verpacktes Geschenk sollten sie erst später öffnen. Behandeln sie alles was ihnen überreicht wird mit Respekt und stopfen sie die Sachen auf keinen Fall in irgendeine Tasche. Wenn sie einen Ostasia­ten ansprechen wollen, dann beginnen sie immer mit einer Verbeugung.
Bedenken sie, dass Ostasiaten Harmonie be­vor­zugen, Geduld als wich­ti­ge Tugend be­trach­ten und Ge­sichts­­ver­lust fürchten. Halten sie sich mit Kritik zu­rück und seien sie höf­lich. Und wenn ihnen sonst nichts mehr ein­fällt, ver­beu­gen sie sich einfach. Im übrigen gilt di­rek­ter Blickkontakt als respektlos!
Verschenken sie nie ein Messer, eine Schere oder einen Brieföffner; das ist ein Signal für eine Trennung! Abbildungen von Füchsen oder Dachsen gelten als anzüglich. Sie sym­bo­lisieren Fruchtbarkeit bzw. Hin­ter­­häl­tig­keit. Präsente werden mit der Formel „Es ist zwar wertlos, nehmen Sie es aber bitte trotz­dem an!“ überreicht. Der Beschenkte legt das Mitbringsel ungeöffnet beiseite, denn alles andere würde von Hab­gier zeugen. Viele Asiaten sehen das übereinanderschlagen der Beine als arrogant an. Weiß ist in Ja­pan die Farbe des Todes und der Yakuza, während man in Südkorea rote Schreibtinte etc. vermeiden soll­te, weil damit früher Todesurteile unterzeichnet wurden. In China sollte man keine grünen Kopf­be­deckungen tragen, weil die Bezeichnung „grüner Hut“ soviel wie „betrogener Ehemann“ bedeutet und den Träger der Lächerlichkeit preisgibt.
Denken sie auch da­ran, dass bei den Chine­sen und einigen anderen ostasiatischen Völ­kern zuerst der Fa­mi­lien­na­me genannt wird! Je­mand, der „Man Lee Hong“ heißt, trägt den Familiennamen „Man“ und die Vor­na­men „Lee Hong“. In Indonesien kann es ihnen sogar passieren, dass sie jemanden treffen, der über­haupt nur einen Namen hat! Und was sie noch über asiatische Ess­ge­wohn­hei­ten wis­sen soll­ten: Die meisten Ostasia­­ten ver­tra­gen bio­­­lo­gisch bedingt Milch­pro­dukte ex­trem schlecht und empfinden Blu­men­kohl als ab­stoßend. Außer­dem gilt es als unschicklich sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen.
Der Umgang mit Essstäbchen (engl. chop sticks“, chin. [fai dзi:]) stellt für Mit­tel­eu­ro­pä­er eine beson­de­re Herausforderung dar, ge­­hört für den Mann von Welt aber un­be­dingt zum Standardrepertoire. Ess­stäb­chen wer­den vor allem in China, Japan, Korea und Vietnam verwendet.

Ein Stäbchen wird mit dem dickeren Ende in die Hautfalte zwischen Daumen und Zei­ge­fin­ger gelegt, während der Mittelteil auf der Spitze des Ringfingers ruht. Dieses Stäbchen wird nicht bewegt. Das zweite Stäbchen wird, ähnlich wie ein Stift, mit den Spitzen des Daumens, Zeige- und Mittelfinger ge­hal­ten. Das zweite Stäbchen wird nun zum fest­lie­genden Stäbchen hin und wieder davon weg bewegt. Auf diese Weise können auch große Dinge einfach gegriffen werden. Üben sie das sorg­fäl­tig, bevor sie es in der Öffentlichkeit ver­su­chen.
Rücken sie die Stäbchen nicht gera­de, indem sie diese auf den Tisch drücken. Legen sie Stäbchen nie in die Essschale, son­dern auf ein Stäbchenbänkchen oder die Ser­viet­te. Spie­len sie nicht mit den Stäbchen, deu­­­ten sie nicht auf Personen, rühren sie nicht im Essen herum und stecken sie sie auf keinen Fall in die Reisschale (das er­in­nert an ein Totenritual). Stecken sie gebrauchte Stäb­chen zurück in die Papierhülle und fal­ten sie das untere Ende um (das zeigt an, dass die Stäbchen gebraucht sind). Übrigens sitzt bei Tisch der Rangniederste mit dem Rücken zur Tür.
Wenn sie häufi­ger mit (Ost-)Asiaten ge­schäft­lich oder privat zu tun haben, dann be­sorgen sie sich im Buch­han­­del einen Rat­ge­ber für die landesspezifischen Um­gangs­­for­men.

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