Bei der Auswahl seiner Bekleidung verfährt der
Mann von Welt ähnlich, wie bei der Wahl seines Automobils:
Sein Outfit sollte immer der Situation angemessen
sein, also Sakko und Krawatte oder Abendanzug bei
der abendlichen Umtriebigkeit im Casino oder Kurparkcafé (gilt
auch für den nachmittäglichen Tanztee) und
Freizeitkleidung im Kurpark und auf dem Golfplatz.
Wichtig ist aber auch hier, dass die Bekleidung der Persönlichkeit
des Mannes von Welt entspricht.
In den letzten Jahrzehnten haben
sich die Bekleidungskonventionen
merklich verändert. War es vor einem halben Jahrhundert
noch problemlos möglich einen Menschen an seiner
Bekleidung einzuschätzen, tragen heute,
nach der Proletarisierung der Gesellschaft als
Folge der 68er Revolte, auch Angehörige des Geldadels
unauffällige Freizeitkleidung. Man muss schon genau hinschauen,
um zu erkennen, ob es sich um ein billiges Massenprodukt
oder eine exklusive Sonderanfertigung
handelt.
Was für die Auswahl teurer oder sogar
maßgefertigter Kleidung spricht, ist die bessere
Qualität. Textilwaren und Schuhe aus billiger
Massenproduktion verschleißen in der Regel schneller und
erfordert häufigen Ersatz. Ein qualitativ
hochwertiges Produkt besitzt eine längere Lebensdauer, die den
höheren Preis wettmacht. Man beachte jedoch, dass
Kleidung recht schnell unmodern werden kann.
Worauf der Mann von Welt bei der Auswahl seiner
Kleidung jedoch unbedingt achten muss, ist der harmonische
Bezug zu seinem persönlichen Stil. Die Kleidung sollte nicht nur
größenmäßig zu ihm passen. Der Mann von Welt, der sich nicht
sicher ist welche Art Kleidungsstücke seinem Typ
entsprechen (Pullover oder Hemden, Weste oder
Sakko etc.) oder welche Farben ihm besonders gut stehen und welche
nicht, sollte sich an einen fachkundigen Stilberater
wenden. Oft ist es leichter für einen Außenstehenden
solche Fragen zu klären, als für einen selbst, da man sich selbst
nur schwer beobachten kann.
Hin und wieder wird ein Mann von Welt in eine
Situation geraten, wo er unbedingt einen guten Anzug tragen
muss, z.B. bei wichtigen Geschäftsgesprächen,
Hochzeiten, Beerdigungen etc. Wenn man nicht daran
gewöhnt ist, dann wird einem das Tragen eines Hemdes mit
Krawatte, Sakko, passender Hose und vielleicht sogar einer Weste
ungewohnt vorkommen, was man dem Träger
dann unzweifelhaft ansehen wird. Man tut folglich gut daran
sich rechtzeitig an das Tragen von Anzügen zu gewöhnen.
Wenn das auf sie zutrifft und damit dieser
Gewöhnungseffekt eintritt, machen sie folgendes:
Ziehen sie einen Anzug an und legen sie sich damit Schlafen!
Wenn es ein wirklich guter Anzug aus gutem Material ist, dann
brauchen sie ihn am nächsten Morgen nicht einmal zu bügeln. Erst
wenn sie den Anzug so selbstverständlich tragen wie sonst ihre
Freizeitkleidung, wirken sie überzeugend und bewegen sich
so selbstsicher, wie man es von einem Mann von Welt erwartet.
Was die Auswahl des Anzuges angeht, sei etwas
zeitloses empfohlen, z.B. ein dunkler Anzug, bei dem die
einzelnen Bestandteile Sakko, Weste und Hose aufeinander
abgestimmt sind. Dazu trägt man ein weißes Hemd (mit
Kentkragen), schwarze Schuhe (keinesfalls braune!) und
Socken, einen passenden Gürtel und eine Krawatte oder
Fliege. Am Sakko sollte ein gefaltetes Einstecktuch nicht fehlen,
an der Krawatte eventuell eine Krawattennadel getragen
werden.
Ein paar
Worte zur Krawatte: Eine dunkelblaue, fast schwarze (midnightblue)
Krawatte sollte im Kleiderschrank nicht fehlen, denn man
kann sie mit praktisch jeder anderen Bekleidungsfarbe kombinieren.
Vor allem auf Reisen ist das sehr praktisch. Die Krawatte sollte aber
wirklich tief dunkelblau und nicht schwarz sein, denn schwarze
Krawatten trägt man nur zu Trauerfeiern.
Wenn sie etwas besonderes vorhaben, dann
erkundigen sie sich vorher, was man trägt,
sofern ihnen der Dresscode nicht ohnehin mit
der Eintrittskarte übermittelt wird. Die folgenden
Dresscode-Angaben finden sich gewöhnlich auf Einladungen etc.:
1. „Großer Gesellschaftsanzug“ (engl.
„white tie“, franz. „cravate blanche“) als
formale Abendgarderobe, d.h. für Herren
Frack und für Damen langes Abendkleid,
2. „Großer Gesellschaftsanzug“ für
formelle und festliche Anlässe am Vormittag oder
frühen Nachmittag (besonders Hochzeiten), d.h. Cutaway
(engl. „morning coat“) oder Stresemann,
3. „Gesellschaftsanzug“
(engl. „black tie“, franz. „cravate
noire“), d.h. für Herren Smoking (ab 18 Uhr) und für
Damen langes Abendkleid, das aber schulterfrei sein darf,
4. „Abendgarderobe“, d.h. für Herren
dunkler Anzug und für Damen Cocktailkleid.
Dann gibt es noch die Bezeichnungen „Smart
Casual“ (Anzug ohne Krawatte oder Blazer, geschlossene
Schuhe) und „Business Casual“ (Hemd und Jacket, keine
Jeans und keine kurzen Hosen, geschlossene Schuhe).
Oft verrät auch schon der Veranstaltungsort,
welche Kleidung man dort tragen sollte. Bei einer Geburtstagsfeier
in einem Landgasthof wird es sicher nicht so formal zugehen, wie bei
einem Empfang in der Staatsoper. Bei einigen formalen
Veranstaltungen, u.a. beim Wiener Opernball, müssen
sie unbedingt einen Frack tragen. Bei Staatsempfängen
ist das mittlerweile nicht mehr üblich. Als Faustregel gilt,
einen Frack erst ab 18 Uhr zu tragen, außer vielleicht bei
Hochzeitszeremonien die schon am späten
Nachmittag in der Kirche beginnen. Ansonsten gilt tagsüber,
auch bei Hochzeiten, der Cutaway als festlichster Anzug (engl.
„morning coat“). Sie können auch einen Frack oder
Cutaway mieten; Angebote finden sie im Internet
mit den Suchbegriffen „Frack leihen“, „Frack mieten“
oder „Cutaway mieten“ etc.
Der Frack besteht aus der Frackjacke und einer
passenden Hose. Eine Frackhose wird nicht mit Gürtel
sondern nur mit Hosenträgern getragen.
Dazu trägt man ein weißes Frackhemd mit gestärkter
Piquébrust, Frackknöpfen sowie Stehkragen
(Vatermörder) und einfacher Manschette, die
nicht umgeschlagen wird. Über dem Hemd wird eine
weiße Frackweste und eine weiße Schleife (beides aus
Baumwoll-Piqué) getragen. Hemd, Weste und Fliege werden
zusammen als Frackset bezeichnet. Meistens können
sie das Frackset zusammen mit dem Frack mieten. Der Fuß
wird mit dunklen Seiden- oder Wollstrümpfen, die
bis unter das Knie reichen (beim Sitzen darf man keinesfalls
Haut zeigen) und schwarzen Lackschuhen bekleidet.
Kopfbedeckung (nur wenn nötig) zum Frack ist der
schwarze Klappzylinder (Chapeau Claque); optionale
Accessoires sind weißer Seidenschal und weiße
Glaceehandschuhe. Als Taschentücher sind
nur solche aus Stoff angebracht. Ein Einstecktuch sollte
korrekt gefaltet sein. Papiertaschentücher können
sie dabei haben, aber ohne sie öffentlich zu zeigen.
Denken sie daran zum Frack oder Cutaway immer eine Taschenuhr zu
tragen. Armbanduhren zum Frack gelten als
stillos.
Der Cutaway besteht aus einer schwarz-grau
gestreiften Hose, schwarzen Schuhen, einer hellgrauen oder farbigen
Weste (im Falle einer Beisetzung sollte sie aus demselben dunklen
Stoff wie das Jackett bestehen oder schwarz sein), einem weißen Hemd
und dazu einer silbergrauen, für Trauerfeiern schwarzen,
Krawatte oder auch einem Plastron (eine breite, weiße
Krawatte; auf Hochzeiten trägt aber nur der Bräutigam einen
Plastron!) Der anthrazitfarbene oder hellgraue Cut ist ein Gehrock
mit rundem Abstich. Zum klassischen Cut gehören
knöchellange weiße Wollstoff-Gamaschen mit Steg, welche eine
flauschige Innenseite haben.
Beim hellgrauen Cut – zu Hochzeiten vom
Bräutigam und vom Brautvater sowie bei Pferderennen
getragen – bestehen Weste und Hose häufig aus demselben
Stoff wie das Jackett. Traditionell trägt man dazu auch heute
noch einen schwarzen oder silbergrauen Zylinder und
eine weiße Chrysantheme im Knopfloch. Für Feiern im Ausland
gilt zu beachten, dass dort die Farbwahl häufig eine andere ist. So
wird der schwarze Cutaway in Deutschland ausschließlich zu
Beisetzungen getragen, in Spanien hingegen auch zu Hochzeiten.
Es gibt im Buchhandel zahlreiche
Stilhandbücher mit
Bekleidungshinweisen. Greifen sie
im Zweifelsfall ruhig darauf zurück. Oder schauen sie auf die
Webseite www.stilmagazin.com. Noch ein Tipp: Wenn sie absolut
keine Krawatten binden können, besorgen
sie sich fertiggebundene Krawatten mit Gummizug
oder tragen sie eine vorgebundene Fliege!
Ansonsten gibt es Anleitungen zum Krawattenbinden sogar als App für
Apple und Android-Handys.
Wenn Sie einen guten Anzug mit auf eine Reise
nehmen und, am Zielort angekommen, Ihr Anzug trotz sorgfältiger
Verpackung knittert: Hängen Sie ihn in Hotel gleich in der Dusche
auf und drehen Sie das heiße Wasser eine Weile an. Der Dampf glättet
die Falten. Nach etwa fünfzehn Minuten das Kleidungsstück vom
Bügel nehmen, ausschütteln und fertig. Der einzige Haken: Leider
funktioniert diese Bügelmethode nicht bei festeren
Stoffen, sondern nur bei Baumwolle, Viskose, Samt und Seide. Aber es
geht auch mit einem Föhn: Hierzu wird das Kleidungsstück leicht mit
Wasser benetzt und anschließend werden die Knitterfalten
einfach nur heraus geföhnt. Besonders gut funktioniert diese
Methode bei Baumwollkleidung. Eine weitere
Möglichkeit hat man, wenn man über einen Kochtopf mit heißem
Wasser verfügt; diesen benutzt man einfach wie ein Bügeleisen.
Man muss nur darauf achten, dass die Unterseite sauber ist, sonst hat
man den Schmutz auf dem Stoff.
Stilexperten
empfehlen überdies auch auf Freizeitreisen einen dunkelblauen Blazer
mitzuführen, für den Fall, dass man „auf
die Schnelle“
elegant sein muss.
Wenn Sie auf der Suche nach einem wirklich
exklusiven Kleidungsstück sind, dann probieren sie
folgendes: In Schottland gibt es die bekannten
Karomuster auf dem traditionellen Kilt,
welche die Clanzugehörigkeit der
Träger anzeigen. Diese Muster - Tartan
genannt – werden in einem Register geführt
und auch heute noch neu geschaffen. Tartan-Stoff wird
mittlerweile auch für andere Kleidungsstücke
verwendet, z.B. für Anzüge, Jacken, Mützen,
Pullover oder Damenkleider. Was hindert Sie
daran in Schottland einen eigenen Tartan registrieren
zu lassen und sich ein paar Meter Stoff mit diesem Muster zu
bestellen? Daraus lassen sie sich dann eine Jacke oder
ein Sakko, eine Hose und eine Schirmmütze schneidern,
vielleicht auch noch eine Krawatte. Natürlich sollten Sie nicht alle Teile gleichzeitig tragen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen