Sonntag, 3. Dezember 2017

Kleidung

Bei der Auswahl seiner Bekleidung verfährt der Mann von Welt ähnlich, wie bei der Wahl seines Auto­mo­bils: Sein Outfit soll­te immer der Situ­a­tion angemessen sein, also Sakko und Kra­wat­te oder Abend­an­zug bei der abendlichen Um­triebigkeit im Casino oder Kurparkcafé (gilt auch für den nach­mit­täg­lichen Tanztee) und Frei­zeit­klei­dung im Kurpark und auf dem Golfplatz. Wichtig ist aber auch hier, dass die Bekleidung der Persönlichkeit des Mannes von Welt entspricht.
In den letz­ten Jahr­zehn­ten haben sich die Be­klei­­dungs­kon­ven­tio­nen merk­­lich verändert. War es vor einem halben Jahrhundert noch pro­blemlos möglich einen Menschen an sei­ner Be­klei­dung ein­zu­schät­zen, tragen heute, nach der Pro­­le­ta­risierung der Gesellschaft als Folge der 68er Revolte, auch Angehörige des Geld­adels unauffällige Freizeitkleidung. Man muss schon genau hin­schauen, um zu er­ken­nen, ob es sich um ein billiges Massen­pro­dukt oder eine exklu­si­ve Sonder­an­fer­ti­gung handelt.
Was für die Auswahl teurer oder sogar maß­­ge­fertigter Kleidung spricht, ist die bes­sere Qualität. Textil­wa­ren und Schuhe aus bil­li­ger Massenproduktion verschleißen in der Re­­gel schneller und erfordert häu­fi­gen Er­satz. Ein qualitativ hochwertiges Produkt be­sitzt eine längere Lebensdauer, die den hö­he­ren Preis wett­macht. Man beachte jedoch, dass Klei­dung recht schnell un­mo­dern wer­den kann.
Worauf der Mann von Welt bei der Auswahl seiner Kleidung jedoch unbedingt achten muss, ist der har­mo­nische Bezug zu seinem persönlichen Stil. Die Kleidung sollte nicht nur größenmäßig zu ihm passen. Der Mann von Welt, der sich nicht sicher ist welche Art Klei­dungs­stücke seinem Typ ent­spre­chen (Pull­over oder Hem­den, Weste oder Sakko etc.) oder welche Farben ihm besonders gut stehen und wel­che nicht, sollte sich an einen fach­kun­di­gen Stil­be­rater wenden. Oft ist es leich­ter für einen Außen­stehenden solche Fragen zu klären, als für einen selbst, da man sich selbst nur schwer beobachten kann.
Hin und wieder wird ein Mann von Welt in eine Situation geraten, wo er unbedingt einen guten An­zug tragen muss, z.B. bei wichtigen Ge­schäfts­­­ge­sprä­chen, Hochzeiten, Beerdi­gun­­gen etc. Wenn man nicht daran gewöhnt ist, dann wird einem das Tragen eines Hem­des mit Krawatte, Sakko, passender Hose und vielleicht sogar einer Weste un­ge­wohnt vor­­kom­men, was man dem Trä­ger dann un­zwei­felhaft ansehen wird. Man tut folglich gut daran sich rechtzeitig an das Tra­gen von Anzügen zu ge­­wöhnen.
Wenn das auf sie zutrifft und damit dieser Ge­wöhnungseffekt ein­tritt, machen sie fol­gen­des: Ziehen sie einen Anzug an und legen sie sich damit Schla­fen! Wenn es ein wirk­lich guter Anzug aus gutem Material ist, dann brauchen sie ihn am nächsten Morgen nicht einmal zu bügeln. Erst wenn sie den An­zug so selbstverständlich tragen wie sonst ihre Freizeitkleidung, wirken sie über­zeu­gend und bewegen sich so selbstsicher, wie man es von einem Mann von Welt erwartet.
Was die Auswahl des Anzuges angeht, sei etwas zeitloses empfohlen, z.B. ein dunkler An­zug, bei dem die einzelnen Bestandteile Sak­ko, Weste und Hose aufeinander ab­ge­stimmt sind. Dazu trägt man ein weißes Hemd (mit Kentkragen), schwarze Schu­he (kei­nesfalls brau­ne!) und Socken, einen pas­sen­den Gür­tel und eine Krawatte oder Fliege. Am Sakko sollte ein gefaltetes Einstecktuch nicht feh­len, an der Krawatte eventuell eine Kra­wat­ten­nadel getragen werden.
Ein paar Worte zur Krawatte: Eine dunkelblaue, fast schwarze (midnightblue) Krawatte sollte im Klei­der­schrank nicht fehlen, denn man kann sie mit praktisch jeder anderen Bekleidungsfarbe kom­bi­nie­ren. Vor allem auf Reisen ist das sehr praktisch. Die Krawatte sollte aber wirklich tief dunkelblau und nicht schwarz sein, denn schwarze Krawatten trägt man nur zu Trauerfeiern.
Wenn sie etwas besonderes vorhaben, dann er­­kun­­di­gen sie sich vorher, was man trägt, so­­fern ihnen der Dresscode nicht ohne­hin mit der Eintrittskarte übermittelt wird. Die fol­genden Dresscode-Angaben finden sich gewöhnlich auf Einladungen etc.:
1. „Großer Gesellschaftsanzug“ (engl. „white tie“, franz. „cravate blanche“) als for­ma­le Abend­gar­de­robe, d.h. für Herren Frack und für Damen lan­ges Abendkleid,
2. „Großer Gesellschaftsanzug“ für for­­mel­le und festliche Anlässe am Vormittag oder frü­hen Nachmittag (besonders Hoch­zeiten), d.h. Cutaway (engl. „morning coat“) oder Strese­mann,
3. „Ge­sell­schafts­anzug“ (engl. „black tie“, franz. „cra­va­te noire“), d.h. für Herren Smo­king (ab 18 Uhr) und für Da­men langes Abend­kleid, das aber schulterfrei sein darf,
4. „Abendgarderobe“, d.h. für Herren dunk­ler An­zug und für Damen Cock­tail­kleid.
Dann gibt es noch die Bezeichnungen „Smart Casual“ (Anzug ohne Krawatte oder Blazer, geschlos­se­­ne Schuhe) und „Business Casual“ (Hemd und Jacket, keine Jeans und keine kurzen Hosen, ge­schlos­se­ne Schuhe).
Oft verrät auch schon der Veranstaltungsort, welche Kleidung man dort tragen sollte. Bei einer Ge­burts­tags­feier in einem Landgasthof wird es sicher nicht so formal zugehen, wie bei einem Empfang in der Staatsoper. Bei einigen formalen Veran­stal­tun­gen, u.a. beim Wiener Opernball, müssen sie unbe­dingt einen Frack tragen. Bei Staats­em­pfän­gen ist das mittlerweile nicht mehr üb­lich. Als Faustregel gilt, einen Frack erst ab 18 Uhr zu tragen, außer vielleicht bei Hoch­zeits­­zere­mo­nien die schon am späten Nach­mit­tag in der Kirche beginnen. Ansonsten gilt tagsüber, auch bei Hochzeiten, der Cuta­way als festlichster Anzug (engl. „morning coat“). Sie können auch einen Frack oder Cuta­way mieten; Angebote finden sie im In­ter­­net mit den Suchbegriffen „Frack leihen“, „Frack mieten“ oder „Cutaway mieten“ etc.
Der Frack besteht aus der Frackjacke und ei­ner pas­senden Ho­se. Eine Frackhose wird nicht mit Gürtel son­­dern nur mit Hosen­trä­gern ge­tragen. Da­zu trägt man ein weißes Frack­hemd mit ge­stärk­ter Piquébrust, Frack­knö­pfen sowie Steh­­kra­gen (Vatermörder) und ein­facher Man­­schet­te, die nicht umge­schla­­gen wird. Über dem Hemd wird eine weiße Frackweste und eine weiße Schleife (bei­des aus Baum­woll-Piqué) getragen. Hemd, Weste und Flie­ge werden zu­sammen als Frack­set be­zeich­net. Meistens können sie das Frackset zu­sammen mit dem Frack mie­ten. Der Fuß wird mit dunklen Sei­den- oder Woll­­strüm­pfen, die bis unter das Knie rei­chen (beim Sitzen darf man kei­nes­falls Haut zeigen) und schwarzen Lack­schu­hen be­klei­det. Kopf­be­de­ckung (nur wenn nötig) zum Frack ist der schwar­ze Klappzylinder (Cha­peau Cla­que); optionale Accessoires sind weißer Sei­den­schal und weiße Glacee­hand­schu­he. Als Ta­schen­tücher sind nur solche aus Stoff an­ge­bracht. Ein Einstecktuch sollte korrekt ge­fal­tet sein. Papiertaschentücher kön­nen sie da­bei haben, aber ohne sie öffent­lich zu zei­gen. Denken sie daran zum Frack oder Cutaway immer eine Taschenuhr zu tra­gen. Arm­band­uh­ren zum Frack gelten als stil­los.
Der Cutaway besteht aus einer schwarz-grau gestreiften Hose, schwarzen Schuhen, einer hellgrauen oder farbigen Weste (im Falle einer Beisetzung sollte sie aus demselben dunk­len Stoff wie das Jackett bestehen oder schwarz sein), einem weißen Hemd und dazu einer silbergrauen, für Trauerfeiern schwar­zen, Krawatte oder auch einem Plastron (ei­ne breite, weiße Krawatte; auf Hochzeiten trägt aber nur der Bräutigam einen Plastron!) Der anthrazitfarbene oder hellgraue Cut ist ein Geh­rock mit run­dem Abstich. Zum klassi­schen Cut gehören knöchellange weiße Woll­stoff-Gamaschen mit Steg, welche eine flauschige Innenseite haben.
Beim hellgrauen Cut – zu Hochzeiten vom Bräu­­tigam und vom Brautvater sowie bei Pfer­­derennen ge­tra­gen – bestehen Weste und Hose häufig aus demselben Stoff wie das Jackett. Traditionell trägt man dazu auch heu­­­te noch einen schwarzen oder sil­ber­grau­en Zylinder und eine weiße Chrysantheme im Knopf­loch. Für Feiern im Ausland gilt zu beachten, dass dort die Farbwahl häufig eine andere ist. So wird der schwarze Cutaway in Deutsch­land ausschließlich zu Beisetzungen getragen, in Spanien hingegen auch zu Hoch­zei­ten.
Es gibt im Buchhandel zahl­­reiche Stil­­hand­­bü­cher mit Be­klei­dungs­­hin­weisen. Grei­­fen sie im Zweifelsfall ruhig darauf zu­rück. Oder schauen sie auf die Webseite www.stilmagazin.com. Noch ein Tipp: Wenn sie ab­solut kei­­­ne Kra­wat­ten binden können, be­sor­gen sie sich fer­tig­gebundene Krawatten mit Gum­­­­­mizug oder tragen sie eine vor­ge­bun­de­ne Fliege! Ansonsten gibt es Anleitungen zum Krawattenbinden sogar als App für App­le und Android-Handys.
Wenn Sie einen guten Anzug mit auf eine Reise nehmen und, am Zielort angekommen, Ihr Anzug trotz sorg­fältiger Verpackung knittert: Hängen Sie ihn in Hotel gleich in der Dusche auf und drehen Sie das heiße Wasser eine Weile an. Der Dampf glättet die Falten. Nach etwa fünfzehn Minuten das Kleidungs­stück vom Bügel nehmen, ausschütteln und fertig. Der einzige Haken: Leider funktioniert diese Bügel­metho­de nicht bei festeren Stoffen, sondern nur bei Baumwolle, Viskose, Samt und Seide. Aber es geht auch mit einem Föhn: Hierzu wird das Kleidungsstück leicht mit Wasser benetzt und an­schließend wer­den die Knitterfalten einfach nur heraus geföhnt. Besonders gut funktioniert diese Me­tho­de bei Baum­woll­kleidung. Eine weitere Möglichkeit hat man, wenn man über einen Kochtopf mit heißem Wasser ver­fügt; diesen benutzt man einfach wie ein Bügeleisen. Man muss nur darauf achten, dass die Unterseite sauber ist, sonst hat man den Schmutz auf dem Stoff. Stilexperten empfehlen überdies auch auf Freizeitreisen einen dunkelblauen Blazer mit­zu­füh­ren, für den Fall, dass man „auf die Schnelle“ elegant sein muss.
Wenn Sie auf der Suche nach einem wirklich exklusiven Kleidungsstück sind, dann pro­bie­ren sie fol­gen­des: In Schott­land gibt es die bekannten Karo­mu­ster auf dem tradi­tio­nel­len Kilt, wel­che die Clan­zu­ge­hö­rig­keit der Trä­ger an­zei­gen. Die­se Mu­ster - Tartan ge­nannt – wer­­den in ei­nem Re­gister geführt und auch heu­te noch neu ge­schaffen. Tartan-Stoff wird mitt­ler­weile auch für andere Klei­dungs­stücke ver­wendet, z.B. für Anzüge, Jacken, Müt­­zen, Pullover oder Da­men­klei­der. Was hin­dert Sie da­ran in Schottland einen eigenen Tartan re­gi­strie­ren zu lassen und sich ein paar Meter Stoff mit diesem Muster zu be­stel­len? Da­raus lassen sie sich dann eine Jacke oder ein Sakko, eine Hose und eine Schirmmütze schnei­dern, viel­leicht auch noch eine Kra­wat­te. Natürlich sollten Sie nicht alle Teile gleich­zeitig tragen.

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