Sonntag, 3. Dezember 2017

Geldanlagen

Es mag vielleicht pessimistisch klingen, aber Glückspiel und Geldanlagen haben eines ge­mein­sam: Die Bank gewinnt auf jeden Fall. Und wie die Börsencrashs der jüngeren Ver­gan­genheit gezeigt haben, ist die Grenze zwi­schen beiden auch sonst recht fließend. Das Thema Geldanlagen ist zu­ge­ge­be­ner­maßen viel zu kom­pli­ziert und umfangreich, um es innerhalb die­ses Buches abhandeln zu können. Es gibt aber ein paar Grundregeln, die jeder Anleger be­herzigen sollte.
Zunächst sollten sie sich nicht von Ren­di­te­ver­­sprechen blenden las­sen. Je höher die Ren­­dite, desto höher ist auch das Risiko. Ge­ben sie auch nichts auf stei­gende Renditen oder Kursgewinne in der Ver­gan­gen­heit. Die­­se müssen sich in der Zukunft nicht un­be­dingt fortsetzen. Schauen Sie zunächst auf die aktuellen Renditen fest­ver­zinslicher Wert­­papiere, dann haben sie eine ungefähre Vorstellung dessen, was rea­li­stisch ist. Bietet ihnen jemand eine Anlage die wesentliche höhere Renditen abwirft, dann ist irgendwo ein Haken, den Sie un­be­dingt finden müssen. Erst dann können sie eine Entscheidung treffen oder gleich die Finger davon lassen. Ein großes Pro­blem bei Inve­sti­tions­ent­schei­dun­gen ist, dass man fast nie alle wichtigen Informationen zusammen hat, die man für eine gute Ent­schei­dung benötigen würde. Sie wer­den ihre Entscheidung also praktisch im­mer auf unzu­rei­chenden Infor­ma­tionen ba­sie­ren müssen. Bevor Sie ein­stei­gen, soll­ten Sie sich schon mal überlegen wann sie wie­der aussteigen wollen. Viele Ge­schäfte schei­­­tern nur des­halb, weil die Be­tei­ligten den Moment zum Aus­stieg ver­pas­sen.
Bei Aktien sollten Sie sich die Kurs­ent­wick­lung des gewünschten Papiers in den letzten Jahren an­schau­en, aber auch das gibt keinen Auf­schluss über die Entwicklung in der Zu­kunft. Es zeigt lediglich, ob die Fir­men­ma­na­ger in der Vergangenheit ihr Ge­schäft ver­stan­den haben und die Aktionäre können nur hoffen, dass sie auch weiterhin das Rich­ti­ge tun werden. Unbedingt sollten sie die Finger von Hedge Fonds oder ähnlichen hoch­spe­ku­la­tiven An­la­gen lassen. Dabei zu gewinnen ist so un­wahr­scheinlich, wie im Spielcasino die Bank zu sprengen.
Das gleiche gilt für irgend­wel­che Ge­heim­tipp-Geldanlagen. Vor ein paar Jah­ren gab es einen Fall, wo ein Be­trü­ger In­ve­sti­tions­ka­pi­tal sammelte, um eine bisher un­­entdeckte, nor­­we­gi­sche Ölquelle zu er­schließen. Seinen Opfern versprach er 14% Rendite. Über­flüs­sig zu sagen, dass es ein Schnee­ballsystem war und keiner der Inve­sto­ren sein Geld wie­der­ge­se­hen hat. Seien sie also nicht zu gierig, was ihre Ren­di­te­er­war­tungen betrifft.
Nebenbei bemerkt sind Aktien von Spiel­ca­si­no­betreibern - trotz Casinokrise - eine recht gu­te Geld­anlage, z.B. Casinos Austria AG (lei­der nicht börsen­no­tiert), denn es gibt im­mer noch genug Spiel­süch­tige, die glauben den Jack­pot knacken zu kön­nen. Und warum sollten Sie nicht an der Dumm­heit anderer mit­ver­dienen?
Im übrigen sollten Sie in der Lage sein den Wert einer (Wohn-)Immobilie wenigstens un­gefähr ein­­zu­schä­tzen, zumindest, wenn sie in Im­mo­bilien investieren wollen. Das ge­schieht dann wie folgt: Neh­men Sie den Miet­­spiegel der infrage­kom­men­den Region zur Hand und schauen Sie, wie hoch dort die Miete pro Qua­dratmeter ist. Soll­te kein Miet­spie­gel ver­fügbar sein, kön­nen Sie auch die Im­­mo­bi­lien­anzeigen einer regionalen Zei­tung stu­die­ren, für jede ange­bo­tene Woh­nung die Miete pro Quadrat­me­ter be­rech­nen und aus diesen Wer­­­ten das arith­­me­ti­sche Mit­tel berechnen. Je mehr Immo­bi­lien­an­ge­bo­te sie in ihrer Sta­ti­stik berücksichtigen, desto genauer wird ihr errechneter Wert.
Den Miet­preis pro Quadratmeter multipli­zie­ren Sie mit der Qua­drat­meterzahl der Im­mo­bi­lie und sie er­hal­ten den monatlichen Miet­preis; mal zwölf ergibt das die Jahresmiete. Diese se­tzen Sie in ei­ner ein­fa­chen Glei­chung in Relation zum aktuellen Durch­schnitts­­zins für fest­verzinsliche Wert­pa­piere in Pro­zent, sodass wenn der Jahresmietpreis dem Wert­­pa­pierzins in Prozent entspricht, hun­dert Prozent dem Wert der Immobilie ent­spricht. Mathematisch sähe das etwa so aus:


Wenn sie diese Gleichung nach x auflösen, er­­hal­ten sie den ungefähren Wert der Immo­bi­lie. Der Preis ist na­türlich auch abhängig von der Grundstücksgröße wenn es sich um ein Haus handelt oder der Aus­stat­tung des Ob­­jektes. Machen sie sich aber klar, dass alles was wesentlich über den errechneten Preis hin­aus­geht in die Kategorie Lieb­ha­ber­preise fällt.

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