Der Mann von Welt sollte möglichst keinen Schmuck
tragen; zumindest keinen auffälligen. Dies gilt
auch für Piercings, Tätowierungen und
Ohrringe; das sind Merkmale des Pöbels!
Akzeptabel sind Eheringe, Siegelringe und
vielleicht noch eine unauffällige Halskette, z.B. mit
einem Medaillon oder ähnlichem. Ansonsten geht nur solcher
Schmuck der nicht auf der Haut getragen wird, wie z.B.
Manschettenknöpfe oder Krawattennadeln,
eventuell noch eine Anstecknadel mit dem Signum der
Alma Mater oder einer Studentenverbindung. Nichtsdestotrotz muss der
Mann von Welt in der Lage sein wertvollen Schmuck von
wertlosem zu unterscheiden und den monetären Wert
eines Schmuckstückes grob einzuschätzen.
Bei Edelmetallen wird vor allem Gold als
Schmuckmetall verwendet, aber auch Silberschmuck erfreut sich
wegen des geringeren Metallpreises einer großen Beliebtheit.
Seltener kommen Platin und Palladium zur Anwendung.
Bei Edelsteinen ist die Auswahl geradezu unübersichtlich.
Als wichtigster Schmuckstein gilt jedoch nach wie vor der
Diamant.
Der
Wert eines aus Gold gefertigten Schmuckstückes lässt sich
relativ einfach berechnen. Echte Goldsachen sind in
der Regel mit einem Goldgehaltstempel, auch Punzierung genannt,
versehen. Die häufigsten Punzierungen sind 333, 585
und 750 bzw. 8K, 14K und 18K. Reines Gold wäre demnach mit 1000 oder
24 Karat gestempelt, was allerdings aufgrund der Weichheit
des Edelmetalls kaum herstellbar ist. Aus dem Gewicht
eines goldenen Schmuckstücks errechnet man den
Goldgehalt, wie folgt.
Nehmen wir an, ein goldenes Armband wiegt 15g und
ist 333 gestempelt. Der Feingoldgehalt entspricht
dann 15 * 0,333 = 4,995g. Dieses Gewicht
multipliziert mit dem aktuellen Goldpreis pro Gramm ergibt
den Materialwert des Armbandes. Jeder
über diesem Preis liegende Betrag wäre dann ein
Liebhaberpreis, aber je nach künstlerischer
Ausführung des Armbandes durchaus vertretbar.
Zur Verdeutlichung: Die bekannte Krügerrand-Münze
hat 91,7% Goldanteil oder 22K. Diese Münze enthält in ihrer
1/1-Ausführung genau 1 Unze Gold (31,1035g) und repräsentiert
daher den Goldpreis, wie er z.B. im Londoner Gold Fixing
täglich (außer an Feiertagen) festgelegt wird.
Auch Silberschmuck
ist gelegentlich gestempelt. Ein nach links laufender Löwe mit
erhobener Pfote besagt, dass der
Schmuckgegenstand aus England stammt, aus
Sterling-Silber gefertigt wurde und mindestens 92% reines
Silber enthält. Die Buchstaben EPNS (=elektroplattiertes
Nickelsilber) kennzeichnen versilbertes Material. Die
Echtheit von Gold oder Silber kann übrigens nur durch eine
metallurgische Untersuchung einwandfrei
festgestellt werden.
Bei Edelsteinen wird die Bewertung deutlich
schwieriger. Nach Möglichkeit sollte man einen Fachmann
hinzuziehen. Um den Wert eines Diamanten grob einzuschätzen,
sollte man aber folgendes über sie wissen.
Der bei Diamanten am häufigsten verwendete
Schliff ist der Brillantschliff. Im landläufigen
Sinne ist ein Brillant folglich ein entsprechend
geschliffener Diamant. Im Fachjargon kann damit aber auch jeder
andere Edelstein gemeint sein, weshalb Fachleute den Namen des
Minerals hinzufügen, z.B. Topasbrillant. Ein
Brillantschliff hat genau 57 Facetten, also glatte Seiten die in den
Ecken aneinander stoßen, und eine runde Form. Die Größen der
einzelnen Facetten sind unter Fachleuten ebenfalls genau prozentual
festgelegt, brauchen uns aber hier nicht weiter zu interessieren.
Das Gewicht eines Diamanten wird in metrischen
Karat angegeben, wobei ein Karat 0,2g entspricht. Als weitere
Bewertungskriterien gelten Farbe oder
Farblosigkeit, Reinheit, Größe, Schliff und Seltenheit.
Bei der Farbe wird meistens entweder
Farblosigkeit oder eine intensive Farbsättigung
gewünscht. Letztere wird als „fancy coloured“
bezeichnet. Farbige Diamanten machen etwa 90% aller
Diamanten aus. Damit ist klar wie selten farblose
Steine sind und welchen Stellenwert sie einnehmen. Die
Farbbezeichnungen lauten wie folgt:
River R blauweiß
Top Wesselton TW feines weiß
Wesselton W weiß
Top Crystal TCr sehr, sehr leicht gelblich
Crystal Cr sehr leicht gelblich
Top Cape TCa leicht gelblich
Cape Ca gelblich
Diese Begriffe stammen aus der Zeit, als man
glaubte die Herkunft von Diamanten an der Farbe ablesen zu können.
Betreffend die Reinheit ist den meisten Menschen
der Begriff „lupenrein“ bekannt. Er bedeutet,
dass man mit einer 10fachen aplanatischen (randlich
nicht verzerrten) und achromatischen (nicht mit farbigen
Konturen umgebenen) Lupe keine Einschlüsse erkennen darf.
Als Einschlüsse bezeichnet man alle arteigenen und fremden Substanzen, die innerhalb eines Diamanten entstanden sind. Das gilt auch für Risse oder ähnliches. Es gibt bei der Klassifikation der Einschlüsse diverse Abstufungen von „sehr, sehr kleine Einschlüsse“ bis „große, mit bloßem Auge leicht erkennbare Einschlüsse“. Über die Zwischenstufen ist sich auch die Fachwelt nicht ganze einig. Den aktuellen Stand
kann man vielleicht im Internet erfahren.
Der Schliff sollte von einem Fachmann
durchgeführt worden sein und entsprechend keine rauen Stellen,
Polierstreifen, gebrannte Stellen, Kantenverletzungen, Kerben,
Kratzer oder gar Ausbrüche enthalten.
Ein wichtiges Kriterium für Wert und Seltenheit
eines Steines ist neben der Farbe u.a. das Gewicht.
Dies zu ermitteln ist bei eingefassten
Steinen nicht möglich, aber man kann es in etwa berechnen.
Dazu muss man den Durchmesser und die Höhe des Steines
messen. Der Durchmesser d im Quadrat
wird mit der Höhe h multipliziert und das
Ergebnis mit der sogenannten Scharfenbergschen Zahl
S=0,0067 multipliziert, also (d² * h) * 0,0067.
Noch ein Wort zu Diamant-Imitaten. Für einen
Laien ohne entsprechende Ausrüstung und Fachkenntnisse
ist es praktisch unmöglich einen echten von einem gutgemachten
falschen Diamanten zu unterscheiden. Auch ein Blick durch
die Lupe entlarvt höchstens die Hälfte aller Fälschungen. Oft
erkennt man eine Fälschung an der Lichtbrechung - bei
Diamanten beträgt sie 2,417 bei einer Wellenlänge von
589nm - oder indem man den Edelstein in eine flüssige,
sog. „Schwere Lösung“ mit einer Dichte von 3,52
legt. Ein echter Diamant schwebt darin, während Fälschungen
zu Boden sinken. Man kann auch versuchen den Diamanten
langwelligem UV-Licht auszusetzen. Etwa 98% aller
Diamanten fluoreszieren unter UV-Licht. Die übrigen 2%
müssen einem anderen Test unterzogen werden. Wenn sie
bezüglich der Echtheit eines Steines nicht sicher sind,
fragen sie lieber einen Fachmann.
Es gibt allerdings ein paar einfache Tests, mit
denen auch ein Laie die einfachen Fälschungen erkennen kann. Der
einfachste ist, auf den Stein zu pusten. Läuft er an, dann ist er
mit Sicherheit kein Diamant, sondern aus Glas oder Zirkonium.
Wenn Sie einen Stein ins Wasser legen, bemerken Sie möglicherweise
eine Verbindungslinie zwischen einer winzigen Spitze und einem
starken Boden. Das bedeutet, dass jemand einen winzigen
Diamantsplitter (mit dem man zum Beweis Glas zerkratzen kann) auf
einen Glasboden geklebt hat, den man erst bemerkt, wenn das
umgebende Wasser das Licht gebrochen hat, dass durch den Stein fällt.
Der dritte, für Laien durchführbare Test besteht darin den
vermeintlichen Diamanten etwa auf Armlänge von sich weg zu
halten, ihn horizontal zu betrachten und dabei langsam zu neigen.
Kann man durch den Stein hindurchsehen, ist er kein Diamant, denn
diese strahlen so hell, dass man das eben nicht kann.
Neuerdings werden neben natürlichen Diamanten
immer öfter auch künstliche Diamanten angeboten. Der Unterschied
zwischen natürlichen und gut gemachten künstlichen Diamanten ist
nur für Fachleute mit entsprechender Ausrüstung erkennbar, wobei
künstliche Diamanten um etwa zweidrittel billiger zu haben sind als
natürliche Diamanten. Hin und wieder werden selbst in
Internetauktionshäusern künstliche Diamanten offeriert, z.B. 5
Stück à 1 Karat (= 1g) mit einem Durchmesser von etwa 0,5mm zum
Preis von ca. € 12.
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