Sonntag, 3. Dezember 2017

Goldschmuck und Diamanten

Der Mann von Welt sollte möglichst keinen Schmuck tragen; zumindest keinen auf­­fäl­li­gen. Dies gilt auch für Piercings, Tä­to­­wie­run­gen und Ohrringe; das sind Merk­ma­le des Pö­­bels! Akzeptabel sind Ehe­rin­ge, Sie­gel­rin­ge und vielleicht noch eine unauf­fäl­lige Hals­kette, z.B. mit einem Medaillon oder ähn­li­chem. Ansonsten geht nur solcher Schmuck der nicht auf der Haut getragen wird, wie z.B. Man­schet­ten­knöpfe oder Kra­wat­tennadeln, eventuell noch eine An­steck­na­del mit dem Signum der Alma Mater oder einer Studentenverbindung. Nichtsdestotrotz muss der Mann von Welt in der Lage sein wert­­vollen Schmuck von wertlosem zu un­ter­­scheiden und den monetären Wert eines Schmuck­stückes grob ein­zu­schätzen.
Bei Edelmetallen wird vor allem Gold als Schmuckmetall verwendet, aber auch Silber­schmuck erfreut sich wegen des geringeren Metallpreises einer großen Beliebtheit. Selte­ner kommen Platin und Palladium zur An­wen­dung. Bei Edelsteinen ist die Auswahl ge­ra­dezu unübersichtlich. Als wichtigster Schmuck­stein gilt jedoch nach wie vor der Dia­mant.
Der Wert eines aus Gold gefertigten Schmuck­­stückes lässt sich relativ einfach be­rech­nen. Echte Gold­sachen sind in der Regel mit einem Goldgehaltstempel, auch Punzie­rung genannt, versehen. Die häufig­sten Pun­zie­rungen sind 333, 585 und 750 bzw. 8K, 14K und 18K. Reines Gold wäre demnach mit 1000 oder 24 Karat gestempelt, was aller­­dings aufgrund der Weichheit des Edel­me­talls kaum herstellbar ist. Aus dem Ge­wicht eines gol­de­nen Schmuckstücks errech­net man den Gold­gehalt, wie folgt.
Nehmen wir an, ein goldenes Armband wiegt 15g und ist 333 gestempelt. Der Fein­gold­ge­halt ent­spricht dann 15 * 0,333 = 4,995g. Die­ses Gewicht multipliziert mit dem aktu­el­len Goldpreis pro Gramm er­gibt den Ma­te­rial­wert des Arm­­ban­des. Jeder über diesem Preis lie­gen­de Betrag wäre dann ein Lieb­ha­ber­preis, aber je nach künstlerischer Aus­füh­rung des Arm­ban­des durchaus vertretbar.
Zur Verdeutlichung: Die bekannte Krüger­rand-Münze hat 91,7% Goldanteil oder 22K. Diese Münze ent­hält in ihrer 1/1-Ausführung genau 1 Unze Gold (31,1035g) und reprä­sen­tiert daher den Goldpreis, wie er z.B. im Lon­­doner Gold Fixing täglich (außer an Fei­er­tagen) festgelegt wird.
Auch Silberschmuck ist gelegentlich gestem­pelt. Ein nach links laufender Löwe mit er­ho­­bener Pfote be­sagt, dass der Schmuck­ge­gen­stand aus England stammt, aus Sterling-Silber gefertigt wurde und min­de­stens 92% reines Silber enthält. Die Buchstaben EPNS (=elektroplattiertes Nickelsilber) kenn­zeich­nen versilbertes Material. Die Echt­heit von Gold oder Silber kann übrigens nur durch eine metallur­gi­sche Un­ter­suchung einwandfrei festgestellt werden.
Bei Edelsteinen wird die Bewertung deutlich schwieriger. Nach Möglichkeit sollte man einen Fachmann hin­zuziehen. Um den Wert eines Diamanten grob einzuschätzen, sollte man aber folgendes über sie wissen.
Der bei Diamanten am häufigsten ver­wen­de­te Schliff ist der Brillantschliff. Im land­läu­fi­gen Sinne ist ein Brillant folglich ein ent­spre­chend geschliffener Diamant. Im Fach­jargon kann damit aber auch jeder andere Edelstein gemeint sein, weshalb Fachleute den Namen des Minerals hinzufügen, z.B. Topas­bril­lant. Ein Brillantschliff hat genau 57 Facetten, also glatte Seiten die in den Ecken aneinander stoßen, und eine runde Form. Die Größen der einzelnen Facetten sind unter Fachleuten ebenfalls genau pro­zen­tual festgelegt, brauchen uns aber hier nicht weiter zu in­te­res­sieren.
Das Gewicht eines Diamanten wird in me­tri­schen Karat angegeben, wobei ein Karat 0,2g entspricht. Als weitere Bewertungs­kri­te­rien gel­ten Farbe oder Farblosigkeit, Rein­heit, Größe, Schliff und Seltenheit.
Bei der Farbe wird meistens entweder Farb­lo­sigkeit oder eine intensive Farbsättigung ge­­wünscht. Letztere wird als „fancy colour­ed“ bezeichnet. Farbige Dia­man­ten machen etwa 90% aller Dia­man­ten aus. Da­mit ist klar wie selten farblose Steine sind und wel­chen Stellenwert sie ein­neh­men. Die Farb­be­zeich­nungen lauten wie folgt:

River R blauweiß
Top Wesselton TW feines weiß
Wesselton W weiß
Top Crystal TCr sehr, sehr leicht gelblich
Crystal Cr sehr leicht gelblich
Top Cape TCa leicht gelblich
Cape Ca gelblich

Diese Begriffe stammen aus der Zeit, als man glaubte die Herkunft von Diamanten an der Farbe ablesen zu können.
Betreffend die Reinheit ist den meisten Men­schen der Begriff „lupenrein“ bekannt. Er be­­­deutet, dass man mit einer 10fachen apla­na­­tischen (randlich nicht verzerrten) und achro­­matischen (nicht mit farbigen Kon­turen umgebenen) Lupe keine Einschlüsse erken­nen darf. Als Einschlüsse bezeichnet man alle art­eige­nen und fremden Substanzen, die innerhalb eines Diamanten entstanden sind. Das gilt auch für Risse oder ähnliches. Es gibt bei der Klassifikation der Einschlüsse di­verse Abstufungen von „sehr, sehr kleine Ein­schlüsse“ bis „große, mit bloßem Auge leicht erkennbare Einschlüsse“. Über die Zwi­­schenstufen ist sich auch die Fachwelt nicht ganze einig. Den aktuellen Stand kann man vielleicht im Internet erfahren.
Der Schliff sollte von einem Fachmann durch­geführt worden sein und entsprechend keine rauen Stellen, Polierstreifen, gebrannte Stellen, Kantenverletzungen, Kerben, Krat­zer oder gar Ausbrüche enthalten.
Ein wichtiges Kriterium für Wert und Sel­ten­heit ei­nes Steines ist neben der Farbe u.a. das Ge­­­wicht. Dies zu er­mit­teln ist bei ein­ge­fass­ten Steinen nicht mög­lich, aber man kann es in etwa be­rech­nen. Dazu muss man den Durch­­messer und die Höhe des Steines mes­sen. Der Durch­mes­ser d im Quadrat wird mit der Höhe h mul­tipliziert und das Ergebnis mit der soge­nann­ten Scharfenbergschen Zahl S=0,0067 multipliziert, also (d² * h) * 0,0067.
Noch ein Wort zu Diamant-Imitaten. Für ei­nen Laien ohne entsprechende Ausrüstung und Fach­kennt­nis­se ist es praktisch unmög­lich einen echten von einem gutgemachten falschen Diamanten zu unter­schei­den. Auch ein Blick durch die Lupe entlarvt höchstens die Hälfte aller Fälschungen. Oft er­kennt man eine Fälschung an der Licht­brechung - bei Diamanten beträgt sie 2,417 bei einer Wel­­lenlänge von 589nm - oder indem man den Edelstein in eine flüs­si­ge, sog. „Schwe­re Lösung“ mit einer Dich­te von 3,52 legt. Ein echter Diamant schwebt darin, wäh­rend Fäl­schun­gen zu Boden sin­ken. Man kann auch versuchen den Dia­man­ten lang­wel­ligem UV-Licht auszusetzen. Etwa 98% aller Diaman­ten fluoreszieren unter UV-Licht. Die übri­gen 2% müssen einem ande­ren Test unter­zo­gen werden. Wenn sie be­züg­lich der Echtheit eines Steines nicht sicher sind, fragen sie lieber einen Fach­mann.
Es gibt allerdings ein paar einfache Tests, mit denen auch ein Laie die einfachen Fälschungen erkennen kann. Der einfachste ist, auf den Stein zu pusten. Läuft er an, dann ist er mit Sicherheit kein Diamant, son­dern aus Glas oder Zirkonium. Wenn Sie einen Stein ins Wasser legen, bemerken Sie möglicherweise eine Verbindungslinie zwischen einer winzigen Spitze und einem starken Boden. Das bedeutet, dass je­mand einen winzigen Diamantsplitter (mit dem man zum Beweis Glas zerkratzen kann) auf einen Glas­bo­den geklebt hat, den man erst bemerkt, wenn das umgebende Wasser das Licht gebrochen hat, dass durch den Stein fällt. Der dritte, für Laien durchführbare Test besteht darin den vermeintlichen Dia­man­ten etwa auf Armlänge von sich weg zu halten, ihn horizontal zu betrachten und dabei langsam zu nei­gen. Kann man durch den Stein hindurchsehen, ist er kein Diamant, denn diese strahlen so hell, dass man das eben nicht kann.
Neuerdings werden neben natürlichen Diamanten immer öfter auch künstliche Diamanten angeboten. Der Unterschied zwischen natürlichen und gut gemachten künstlichen Diamanten ist nur für Fachleute mit entsprechender Ausrüstung erkennbar, wo­bei künstliche Diamanten um etwa zweidrittel billiger zu haben sind als natürliche Diamanten. Hin und wieder werden selbst in Internetauktionshäusern künstliche Diamanten offeriert, z.B. 5 Stück à 1 Karat (= 1g) mit einem Durchmesser von etwa 0,5mm zum Preis von ca. € 12.


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