Sonntag, 3. Dezember 2017

Eigene Titel und Auszeichnungen

Der Mann von Welt sollte es unbedingt ver­mei­den seine Titel, Auszeichnungen und Prei­se öffentlich zur Schau zu stellen. Vor allem sollte er diese nicht, wie bei Snobs üblich, im Empfangszimmer aufstellen, dort, wo diese ihre Besucher eine Weile warten lassen, damit sie Zeit haben die Trophäen zu bewundern. Alle Arten von Auszeichnungen sollten ihren Platz an einer unauffälligen Wand im Arbeitszimmer finden, damit der Mann von Welt an seine früheren Erfolge erinnert wird, wenn er den Heraus­for­derun­gen der Zukunft begegnet.
Ein Mann von Welt sollte sich niemals aktiv um den Erwerb eines Preises bemühen. An Wettkämpfen sollte er nur teilnehmen, wenn er sicher sein kann einigermaßen gut ab­zu­schnei­den. Der Imageverlust durch einen ver­lorenen Sieg ist größer, als das, was man mit einem schwer erkämpften Erfolg errei­chen könnte.
Nicht selten ist auch ein Mann von Welt ver­sucht sich den vermeintlichen Verlockungen eines gekauften Adelstitels oder aka­de­mi­schen Grades hinzugeben. Es sei gleich vor­weg gesagt: Tun sie es nicht! Ein Mann von Welt sollte sich nicht der Lächerlichkeit preis­geben, indem er Titel oder Orden gegen Bares erwirbt. So was machen nur Snobs. Vor allem sollte ein Mann von Welt dem Füh­ren von Adels- oder akademischen Titeln keine übergroße Bedeutung beimessen. Es ist nicht so toll, wie der Laie glaubt.
Adelsnamen werden heutzutage entweder im Internet oder als Anzeige in der Re­gen­bo­gen­presse feilgeboten. Der übliche Weg ist, dass der Träger eines adligen Namens diesen auf dem Wege einer mehr oder weniger legalen Adoption, meistens im Ausland, oder durch Heirat auf eine andere Person über­trägt.
Für Adelsnamen gilt zunächst, dass der Trä­ger oder die Trägerin nicht notwen­di­ger­wei­se auch adlig ist. Hat er oder sie den Namen selbst auf dem Wege der Heirat oder Adop­tion erworben, dann mag das möglicherweise sogar legal sein, aber eine Erhebung in den Adel­s­tand stellt dies nicht dar. Weiterhin wird dem vermeintlichen Titel immer der Ma­kel anhaften mehr oder weniger gekauft worden zu sein.
Akademische Titel dürfen in zahlreichen Län­­­dern nur geführt werden, wenn sie im Aus­­weis eingetragen sind. Eine Eintragung im Ausweis, zum Beispiel in der BRD, er­folgt nur, wenn der Titel an einer deut­schen oder ausländischen Universität unter lehr­mäßigen Bedingungen erworben wurde, d.h. es muss eine Prüfung abgelegt und eine selbstgeschriebene Doktorarbeit veröffent­lich worden sein. Promotionsberater dürfen dabei explizit nicht konsultiert werden. Dok­tor­grade bekannter ausländischer Titel­müh­len, z.B. von diversen kirchlichen oder welt­li­chen Hochschulen aus Nevada oder der sog. Freien Universität Teufen (Schweiz), ha­ben keine Chance auf Anerkennung.
Der (rechtmäßige) Erwerb eines akade­mi­schen Grades bringt im Alltagsleben zahl­rei­che Nachteile mit sich. Zum einen führt er oft zur beruflichen Ausgrenzung, weil kein Firmeninhaber jemanden einstellen will der höher qualifiziert ist, als er selber. Weiterhin hat der Träger eines akademischen Titels mit dem Neid seiner Umgebung zu kämpfen, selbst in der eigenen Familie! Vorteile bietet ein akademischer Grad eigentlich nur bei der Wohnungssuche und beim Antrag auf einen Bankkredit, aber auch darauf sollte man sich nicht verlassen. Bestenfalls kann man damit noch Frauen beeindrucken, aber auch nur dann, wenn sich die Dame nicht erklär­ter­maßen unterlegen fühlt. Über alle diese Nach­teile sollte man sich im Klaren sein, bevor man eine Jahre dauernde Promotion in An­griff nimmt. Üblich ist die Promotion im Anschluss an ein Hochschulstudium. Mit wel­chen Schwierigkeiten sie aber verbunden ist, kann wohl nur der ermessen, der so etwas hinter sich gebracht hat. Die Verfahren vari­ie­ren je nach Fachbereich und Prü­fungs­ordnung, aber einfach ist es nirgendwo und Erfolg hat nur, wer sein Fach versteht.
Ein einfacher Weg einigermaßen legal an ir­gend­einen Titel zu kommen, ist, sich einer ame­­ri­kanischen Freikirche anzuschließen und dort einen Kirchentitel zu erwerben. Was man mit diesem Titel dann schluss­end­lich anfängt, ist eine andere Frage. Handelt es sich um einen kirchlichen Doktortitel, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass einem der Eintrag in den Ausweis verweigert wird. So mancher verlegt seinen Wohnsitz daraufhin in ein Land, wo man das nicht so genau nimmt und druckt sich Visitenkarten nach dem Muster „Dr. Anton Schmitz, Palma de Mallorca“, ohne sich der Merkwürdigkeit einer solchen Kombination bewusst zu sein, zumal er in Deutschland so kaum auftreten kann und sein Titel in Spanien niemanden in­te­ressiert.
Sehr gerne wird einem Titel­be­gei­ster­ten auch ein südamerikanischer Profes­soren­titel ver­kauft, natürlich ohne ihn darauf hinzuweisen, dass im Spanischen „Profesor“ einfach nur „Lehrer“ bedeutet. In Öster­reich ist es ne­ben­bei bemerkt so ähnlich; dort nennt sich beinahe jeder Gymnasiallehrer „Professor“.
Im Internet werden gelegentlich schottische Gutsherrentitel („Laird“) angeboten, deren Führungs­berech­ti­gung an den Besitz eines be­stimmten Grundstückes gebunden ist, wel­ches wiederum an den Titel ge­kop­pelt ist. Wer also das Grundstück oder einen Teil da­von besitzt, durfte bis 2004 den Titel „Laird of...“ füh­ren, inzwischen gibt es aber Gerichtsurteile, die eine Aufteilung eines Grundstücks zum Zwecke des Titeltragens untersagen. In Großbritannien konnte man bis 2004 den Laird-Titel sogar in den Ausweis eintragen lassen. Der Laird-Titel ist sicherlich ein netter Gag, den man jedoch nicht allzu ernst nehmen sollte. Auch in Großbritannien wird er nicht als Adels­titel angesehen, sondern basiert viel­mehr auf jahr­hun­dertealtem Ansehen und Ge­wohnheitsrecht der Landbesitzer. Als ge­ho­benes Geschenk für gute Freunde eignet er sich aber durchaus. Geben sie aber nicht zu­viel Geld aus, denn Laird-Titel bekommt man im Internet recht preiswert schon für we­nige Pfund Sterling.
Im Netz werden auch Mitgliedschaften in diversen Ritterorden und ähnlichen Ordens­ge­meinschaften angeboten, deren vor­dring­li­cher Zweck es ist, dem Interessenten diverse Metallplaketten und Schärpen zum Aus­schmücken seines Anzuges anzubieten. Hiervon sollte man Abstand nehmen, wenn man sich nicht unnötig der Lächerlichkeit preis geben will. Die Zeit der großen Rit­ter­or­den ist lange vorbei, auch wenn manch einer dies bedauert. Und wollen sie wirklich wie ein Tannenbaum geschmückt auf einen Ball gehen?
Diplomatische Titel sind nur von geringem Nutzen, wenn der Träger nicht in dem jeweiligen Land akkre­di­tiert ist. Auch ihnen haftet oft der Makel an gekauft worden zu sein. Ein „echter“ (Honorar-) Kon­sul zu sein, bedeutet jedoch diplomatische Ver­pflich­tun­gen zu übernehmen und dem entsprechenden Land ernsthaft dienlich zu sein. Das ist na­tur­gemäß mit sehr viel Arbeit und Geld ver­bun­den und erfordert ebenso viel per­sön­li­ches Geschick.
Auf Ihre Visitenkarte sollten sie ohnehin nur einen rechtmäßig erworbenen Doktorgrad und einen ererbten Adelstitel schreiben, schon um keinen behördlichen Ärger zu be­kom­men. Letzterer gilt in der BRD als Be­standteil des Namens und muss so auf­ge­führt werden, wie er im Ausweis steht. Vor­teile darf man davon ohnehin keine erwarten. In Österreich stellt sich das Pro­blem der Adels­titel nicht, weil diese mit dem Ende der Monarchie abgeschafft wurden, und in der Schweiz hat es seit der Gründung der Eid­ge­nos­senschaft keinen Adel mehr gegeben. Wei­tere Titel sollte man nur in dem ent­spre­chen­den Umfeld führen, d.h. für jemanden, der nicht ihrer Religionsgemeinschaft ange­hört, ist es uninteressant zu wissen, dass sie im Nebenberuf Priester sind, und so weiter.
Bei Verdienstorden und anderen Aus­zeich­nun­gen verhält es sich ähnlich. In erster Linie erzeugt ihre Präsentation Neidgefühle. Und da sie ohnehin wenig Gelegenheiten ha­ben werden den Orden zu tragen (außer viel­leicht beim Wiener Opernball) können sie die­sen auch gleich, in einem kleinen Schau­kasten verpackt, an die Wand ihres Arbeits­zim­mers hängen, zusammen mit ihren Titel­ur­kunden und Sport­tro­phä­en. Denn dies ist der wahre Grund, warum man akademische Titel erwirbt und leistungs­be­zo­gene Aus­zeich­nungen entgegen nimmt: Damit man im Fall etwaiger Selbstzweifel, die auch den in­tel­li­gen­testen und erfolgreichsten Menschen hin und wieder befallen, sein Selbst­be­wusst­sein aufrichten und den Herausforderungen der Zukunft ins Auge blicken kann.

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