Der
Mann von Welt sollte es unbedingt vermeiden seine Titel,
Auszeichnungen und Preise öffentlich zur Schau zu stellen. Vor
allem sollte er diese nicht, wie bei Snobs üblich, im Empfangszimmer
aufstellen, dort, wo diese ihre Besucher eine Weile warten lassen,
damit sie Zeit haben die Trophäen zu bewundern. Alle Arten von
Auszeichnungen sollten ihren Platz an einer unauffälligen Wand im
Arbeitszimmer finden, damit der Mann von Welt an seine früheren
Erfolge erinnert wird, wenn er den Herausforderungen
der Zukunft begegnet.
Ein
Mann von Welt sollte sich niemals aktiv um den Erwerb eines Preises
bemühen. An Wettkämpfen sollte er nur teilnehmen, wenn er sicher
sein kann einigermaßen gut abzuschneiden. Der
Imageverlust durch einen verlorenen Sieg ist größer, als das,
was man mit einem schwer erkämpften Erfolg erreichen könnte.
Nicht
selten ist auch ein Mann von Welt versucht sich den
vermeintlichen Verlockungen eines gekauften Adelstitels oder
akademischen Grades hinzugeben. Es sei gleich vorweg
gesagt: Tun sie es nicht! Ein Mann von Welt sollte sich nicht der
Lächerlichkeit preisgeben, indem er Titel oder Orden gegen
Bares erwirbt. So was machen nur Snobs. Vor allem sollte ein Mann von
Welt dem Führen von Adels- oder akademischen Titeln keine
übergroße Bedeutung beimessen. Es ist nicht so toll, wie der Laie
glaubt.
Adelsnamen
werden heutzutage entweder im Internet oder als Anzeige in der
Regenbogenpresse feilgeboten. Der übliche Weg
ist, dass der Träger eines adligen Namens diesen auf dem Wege einer
mehr oder weniger legalen Adoption, meistens im Ausland, oder durch
Heirat auf eine andere Person überträgt.
Für
Adelsnamen gilt zunächst, dass der Träger oder die Trägerin
nicht notwendigerweise auch adlig ist. Hat er
oder sie den Namen selbst auf dem Wege der Heirat oder Adoption
erworben, dann mag das möglicherweise sogar legal sein, aber eine
Erhebung in den Adelstand stellt dies nicht dar. Weiterhin
wird dem vermeintlichen Titel immer der Makel anhaften mehr oder
weniger gekauft worden zu sein.
Akademische
Titel dürfen in zahlreichen Ländern nur geführt
werden, wenn sie im Ausweis eingetragen sind. Eine
Eintragung im Ausweis, zum Beispiel in der BRD, erfolgt nur,
wenn der Titel an einer deutschen oder ausländischen
Universität unter lehrmäßigen Bedingungen erworben wurde,
d.h. es muss eine Prüfung abgelegt und eine selbstgeschriebene
Doktorarbeit veröffentlich worden sein. Promotionsberater
dürfen dabei explizit nicht konsultiert werden. Doktorgrade
bekannter ausländischer Titelmühlen, z.B. von diversen
kirchlichen oder weltlichen Hochschulen aus Nevada oder der
sog. Freien Universität Teufen (Schweiz), haben keine Chance
auf Anerkennung.
Der
(rechtmäßige) Erwerb eines akademischen Grades bringt im
Alltagsleben zahlreiche Nachteile mit sich. Zum einen führt
er oft zur beruflichen Ausgrenzung, weil kein Firmeninhaber jemanden
einstellen will der höher qualifiziert ist, als er selber. Weiterhin
hat der Träger eines akademischen Titels mit dem Neid seiner
Umgebung zu kämpfen, selbst in der eigenen Familie! Vorteile bietet
ein akademischer Grad eigentlich nur bei der Wohnungssuche und beim
Antrag auf einen Bankkredit, aber auch darauf sollte man sich nicht
verlassen. Bestenfalls kann man damit noch Frauen beeindrucken, aber
auch nur dann, wenn sich die Dame nicht erklärtermaßen
unterlegen fühlt. Über alle diese Nachteile sollte man sich im
Klaren sein, bevor man eine Jahre dauernde Promotion in Angriff
nimmt. Üblich ist die Promotion im Anschluss an ein
Hochschulstudium. Mit welchen Schwierigkeiten sie aber verbunden
ist, kann wohl nur der ermessen, der so etwas hinter sich gebracht
hat. Die Verfahren variieren je nach Fachbereich und
Prüfungsordnung, aber einfach ist es nirgendwo und Erfolg
hat nur, wer sein Fach versteht.
Ein
einfacher Weg einigermaßen legal an irgendeinen Titel zu
kommen, ist, sich einer amerikanischen Freikirche
anzuschließen und dort einen Kirchentitel zu erwerben. Was man mit
diesem Titel dann schlussendlich anfängt, ist eine andere
Frage. Handelt es sich um einen kirchlichen Doktortitel, kann man mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass
einem der Eintrag in den Ausweis verweigert wird. So mancher verlegt
seinen Wohnsitz daraufhin in ein Land, wo man das nicht so genau
nimmt und druckt sich Visitenkarten nach dem Muster „Dr.
Anton Schmitz, Palma de Mallorca“, ohne
sich der Merkwürdigkeit einer solchen Kombination bewusst zu sein,
zumal er in Deutschland so kaum auftreten kann und sein Titel in
Spanien niemanden interessiert.
Sehr
gerne wird einem Titelbegeisterten auch ein
südamerikanischer Professorentitel verkauft,
natürlich ohne ihn darauf hinzuweisen, dass im Spanischen „Profesor“
einfach nur „Lehrer“
bedeutet. In Österreich ist es nebenbei bemerkt so
ähnlich; dort nennt sich beinahe jeder Gymnasiallehrer „Professor“.
Im
Internet werden gelegentlich schottische Gutsherrentitel („Laird“)
angeboten, deren Führungsberechtigung an den Besitz
eines bestimmten Grundstückes gebunden ist, welches
wiederum an den Titel gekoppelt ist. Wer also das
Grundstück oder einen Teil davon besitzt, durfte bis 2004 den
Titel „Laird of...“
führen, inzwischen gibt es aber Gerichtsurteile, die eine
Aufteilung eines Grundstücks zum Zwecke des Titeltragens untersagen.
In Großbritannien konnte man bis 2004 den Laird-Titel sogar in den
Ausweis eintragen lassen. Der Laird-Titel ist sicherlich ein netter
Gag, den man jedoch nicht allzu ernst nehmen sollte. Auch in
Großbritannien wird er nicht als Adelstitel angesehen, sondern
basiert vielmehr auf jahrhundertealtem Ansehen und
Gewohnheitsrecht der Landbesitzer. Als gehobenes
Geschenk für gute Freunde eignet er sich aber durchaus. Geben sie
aber nicht zuviel Geld aus, denn Laird-Titel bekommt man im
Internet recht preiswert schon für wenige Pfund Sterling.
Im
Netz werden auch Mitgliedschaften in diversen Ritterorden und
ähnlichen Ordensgemeinschaften angeboten, deren
vordringlicher Zweck es ist, dem Interessenten diverse
Metallplaketten und Schärpen zum Ausschmücken seines Anzuges
anzubieten. Hiervon sollte man Abstand nehmen, wenn man sich nicht
unnötig der Lächerlichkeit preis geben will. Die Zeit der großen
Ritterorden ist lange vorbei, auch wenn manch einer
dies bedauert. Und wollen sie wirklich wie ein Tannenbaum geschmückt
auf einen Ball gehen?
Diplomatische
Titel sind nur von geringem Nutzen, wenn der Träger nicht in dem
jeweiligen Land akkreditiert ist. Auch ihnen haftet oft der
Makel an gekauft worden zu sein. Ein „echter“
(Honorar-) Konsul zu sein, bedeutet jedoch diplomatische
Verpflichtungen zu übernehmen und dem entsprechenden
Land ernsthaft dienlich zu sein. Das ist naturgemäß mit
sehr viel Arbeit und Geld verbunden und erfordert ebenso
viel persönliches Geschick.
Auf Ihre
Visitenkarte sollten sie ohnehin nur einen rechtmäßig erworbenen
Doktorgrad und einen ererbten Adelstitel schreiben, schon um keinen
behördlichen Ärger zu bekommen. Letzterer gilt in der BRD
als Bestandteil des Namens und muss so aufgeführt
werden, wie er im Ausweis steht. Vorteile darf man davon ohnehin
keine erwarten. In Österreich stellt sich das Problem der
Adelstitel nicht, weil diese mit dem Ende der Monarchie
abgeschafft wurden, und in der Schweiz hat es seit der Gründung der
Eidgenossenschaft keinen Adel mehr gegeben. Weitere
Titel sollte man nur in dem entsprechenden Umfeld
führen, d.h. für jemanden, der nicht ihrer Religionsgemeinschaft
angehört, ist es uninteressant zu wissen, dass sie im
Nebenberuf Priester sind, und so weiter.
Bei Verdienstorden und anderen Auszeichnungen
verhält es sich ähnlich. In erster Linie erzeugt ihre Präsentation
Neidgefühle. Und da sie ohnehin wenig Gelegenheiten haben
werden den Orden zu tragen (außer vielleicht beim Wiener
Opernball) können sie diesen auch gleich, in einem kleinen
Schaukasten verpackt, an die Wand ihres Arbeitszimmers
hängen, zusammen mit ihren Titelurkunden und
Sporttrophäen. Denn dies ist der wahre Grund, warum
man akademische Titel erwirbt und leistungsbezogene
Auszeichnungen entgegen nimmt: Damit man im Fall etwaiger
Selbstzweifel, die auch den intelligentesten und
erfolgreichsten Menschen hin und wieder befallen, sein
Selbstbewusstsein aufrichten und den Herausforderungen
der Zukunft ins Auge blicken kann.
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