Der zeitgemäße Mann von Welt besitzt diverse
einschneidende Charakteristika. Zunächst ist er kein
Blender oder neureicher Angeber, der sich nur selbst
inszeniert, auch wenn er sich oft unter Blendern bewegt und ein
wenig Show durchaus vertretbar ist. Der Mann von Welt ist
stilsicher und geräuscharm. Er ist zwar kein Leisetreter,
aber auch kein Großmaul. Er erfüllt einen Raum erhaben,
lautlos und unübersehbar mit seiner Präsenz, ohne
ausdrücklich auf seine Anwesenheit
hinzuweisen. Er glänzt gewissermaßen durch
Understatement, Lässigkeit und Tiefstapelei.
Anderen Menschen gegenüber, vor allem aus
den untergeordneten Gesellschaftsschichten,
zeigt er sich umgänglich, aber distanziert. Er versteht es
trotz aller Freundlichkeit die natürliche Grenze zu
beachten. Denn im Zweifelsfall gilt, was schon Horaz sagte:
Odi profanum vulgus et arceo (Ich verachte den
Pöbel und halte mich fern von ihm).
Der Mann von Welt ist in seiner Kultur tief
verwurzelt, dennoch wird ihm eine gewisse Reisetätigkeit
zugeschrieben, wobei er in der Lage ist sich auch unter den fremden
Völkern seines aktuellen Gastlandes sicher zu
bewegen, im Gegensatz zum Pauschaltouristen,
der sich oft nicht aus der Hotelburg heraustraut. Natürlich
verfügt der Mann von Welt über weitreichende
Sprachkenntnisse, die es ihm ermöglichen mit
Anderssprachigen in Kontakt zu treten, ohne sich
jedoch beim Pöbel anzubiedern. Auch mit fremden
Sitten und kulinarischen Genüssen ist der Mann von Welt
bestens vertraut und kann mit Essstäbchen genauso gut
umgehen, wie mit Messer und Gabel. Überhaupt ist er
kultiviert und findet er sich in jeder Situation
zurecht. Letzteres unterscheidet ihn vom
Snob, der sich einen Zacken aus der Krone bräche, sollte er mal
gezwungen sein ein öffentliches
Verkehrsmittel zu benutzen. Der Mann von Welt
dagegen besteigt souverän einen überfüllten,
indischen Nahverkehrszug und genießt die Aussicht auf die
exotische Landschaft, die sich ihm vom Trittbrett aus bietet.
Ein wichtiges Charakteristikum des Mannes von Welt
ist sein Hang zur Exklusivität. Als exklusiv kann man
alles bezeichnen, was in irgendeiner Weise originell,
außergewöhnlich und besonders ist, eben das, was
nicht jeder hat. Etwas, das teuer ist, muss nicht notwendigerweise
exklusiv sein. Überdies hüte man sich vor künstlich erzeugter
Exklusivität, die man vor allem bei VIP-Leistungen
und Kreditkarten findet. Das ist reine Geldschneiderei. Der Mann von
Welt nimmt zugunsten der Exklusivität eine gewisse
Unpopularität in Kauf. Denn schließlich darf man sich
nicht vom Urteil seiner Mitmenschen abhängig machen,
schon gar von dem des Pöbels. Sommer an der Côte d’Azur
und Wintersport in St. Moritz mögen für neureiche
Emporkömmlinge ihren Reiz haben und
zugegebenermaßen liegen beide Orte in
landschaftlich sehr attraktiven Gegenden. Ein echter
Mann von Welt wird jedoch einem kleineren,
unbekannten Ort den Vorzug geben und folglich
durch eine exklusive Umgebung entschädigt,
anstatt sich in bekannten und überlaufenen Nobelorten mit
neureichen Russen den Tisch im überteuerten Nobelrestaurant
zu teilen. Denn der Mann von Welt findet das Besondere, bevor die
anderen es entdecken.
Natürlich treibt ein Mann von Welt auch Sport.
Golf ist da eine gute Wahl, zumal Golf sich bisher als elitärer
Sport halten konnte. Tennis spielt ja heute fast jeder! Leider
trifft man auf Golfplätzen neben
echten Könnern auch recht viele Snobs, die sich hier
quasi in ihrem natürlichen Habitat bewegen.
Man erkennt sie an ihrer nagelneuen, unbezahlten
Ausrüstung, zahlreichen Plastik-Tags diverser
Golfclubs an der Schlägertasche und einem
ergebenen Caddy. Auch der Mann von Welt sollte eine gute Ausrüstung
und möglichst einen Caddy haben, aber noch viel wichtiger
ist ein geringes Handicap. Darin nämlich unterscheidet
sich der Mann von Welt von den Snobs.
Unglücklicherweise hat er auch eine
Gemeinsamkeit mit dem Snobtypus: Beide vermeiden
es zu arbeiten, was überdies direkten Kontakt mit der
Welt des Pöbels bedeuten würde. Der Mann von Welt, der
sich aber naturgemäß in jeder Lage zurechtfindet,
würde im Extremfall auch damit klarkommen und es sicher verstehen
die unangenehmsten Tätigkeiten durch andere erledigen zu
lassen. Allerdings versteht es der Mann von Welt wie kein anderer
seine Geschäfte und die angenehmen Dinge des Lebens miteinander
zu verbinden. Warum sollte man auch nicht während des Urlaubs auf
seinem Boot mittels Notebook bei seinem Internetbroker noch
schnell ein paar Abschlüsse tätigen?
Als vielleicht wichtigstes Geheimnis der
Lebenskunst des Mannes von Welt muss man wohl die
Fähigkeit ansehen in schwierigen Situationen wie
selbstverständlich Verantwortung
für andere zu übernehmen und durch beherztes Eingreifen schlimmeres
zu verhindern. Damit erwirbt sich der Mann von Welt
das wahre Ansehen seiner Mitmenschen ohne die natürlichen
Grenzen zu verwischen. Denn letztendlich definiert sich der
Mann von Welt durch seine Taten und nicht durch seinen Besitz.
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