Sonntag, 3. Dezember 2017

Einleitung

Der zeitgemäße Mann von Welt besitzt di­ver­­se ein­schnei­dende Charakteristika. Zu­nächst ist er kein Blender oder neu­reicher An­geber, der sich nur selbst inszeniert, auch wenn er sich oft unter Blendern bewegt und ein we­nig Show durchaus vertretbar ist. Der Mann von Welt ist stilsicher und ge­räusch­arm. Er ist zwar kein Leisetreter, aber auch kein Groß­maul. Er erfüllt einen Raum er­ha­ben, lautlos und unübersehbar mit seiner Prä­senz, ohne aus­drück­lich auf seine An­wesen­heit hin­zu­wei­sen. Er glänzt gewis­ser­maßen durch Under­state­ment, Lässigkeit und Tief­sta­pe­lei. An­de­­ren Men­schen gegen­über, vor allem aus den un­ter­ge­ord­neten Gesell­schafts­schich­ten, zeigt er sich umgäng­lich, aber distanziert. Er versteht es trotz aller Freund­lichkeit die na­tür­liche Grenze zu beachten. Denn im Zwei­fels­fall gilt, was schon Horaz sagte: Odi pro­fa­num vulgus et arceo (Ich verachte den Pö­bel und halte mich fern von ihm).
Der Mann von Welt ist in seiner Kultur tief verwurzelt, dennoch wird ihm eine gewisse Rei­­se­­­tätig­keit zugeschrieben, wobei er in der Lage ist sich auch unter den fremden Völ­kern seines aktuellen Gast­lan­des sicher zu be­wegen, im Gegensatz zum Pau­schal­tou­ri­sten, der sich oft nicht aus der Hotelburg heraus­traut. Natürlich verfügt der Mann von Welt über weit­rei­chende Sprachkenntnisse, die es ihm er­mög­lichen mit An­ders­spra­chi­gen in Kontakt zu treten, ohne sich jedoch beim Pöbel an­zu­bie­dern. Auch mit fremden Sitten und kulina­ri­schen Genüssen ist der Mann von Welt bestens ver­traut und kann mit Essstäbchen genauso gut um­ge­hen, wie mit Messer und Gabel. Überhaupt ist er kul­ti­viert und findet er sich in jeder Situ­a­tion zu­­recht. Letzteres un­ter­schei­det ihn vom Snob, der sich einen Zacken aus der Krone brä­che, sollte er mal ge­­zwun­gen sein ein öffent­liches Ver­kehrs­mit­­tel zu benutzen. Der Mann von Welt da­gegen besteigt souverän einen über­füll­ten, indischen Nahverkehrszug und ge­nießt die Aussicht auf die exotische Land­schaft, die sich ihm vom Trittbrett aus bietet.
Ein wichtiges Charakteristikum des Mannes von Welt ist sein Hang zur Exklu­si­vi­tät. Als exklusiv kann man alles bezeichnen, was in irgendeiner Weise originell, außer­ge­wöhn­lich und besonders ist, eben das, was nicht jeder hat. Etwas, das teuer ist, muss nicht not­wendigerweise exklusiv sein. Überdies hüte man sich vor künstlich erzeugter Ex­klu­si­vität, die man vor allem bei VIP-Lei­stun­gen und Kreditkarten findet. Das ist reine Geldschneiderei. Der Mann von Welt nimmt zu­gunsten der Exklusivität eine gewisse Un­po­pularität in Kauf. Denn schließlich darf man sich nicht vom Urteil seiner Mit­men­schen abhängig ma­chen, schon gar von dem des Pöbels. Som­­mer an der Côte d’Azur und Win­ter­sport in St. Moritz mögen für neu­rei­che Em­­por­kömmlinge ihren Reiz haben und zu­ge­­ge­be­ner­maßen liegen beide Orte in land­schaft­­lich sehr attraktiven Gegenden. Ein ech­­ter Mann von Welt wird jedoch einem klei­­­neren, un­be­kann­ten Ort den Vorzug ge­ben und folg­lich durch eine exklusive Um­ge­­bung ent­schä­digt, anstatt sich in bekannten und überlaufenen Nobel­or­ten mit neureichen Russen den Tisch im über­teuerten Nobel­re­stau­rant zu teilen. Denn der Mann von Welt findet das Besondere, bevor die anderen es entdecken.
Natürlich treibt ein Mann von Welt auch Sport. Golf ist da eine gute Wahl, zumal Golf sich bis­her als elitärer Sport halten konn­te. Tennis spielt ja heute fast jeder! Leider trifft man auf Golf­­­­­plä­tzen neben ech­ten Kön­nern auch recht vie­le Snobs, die sich hier qua­si in ih­rem na­tür­lichen Habitat be­we­gen. Man er­kennt sie an ihrer nagelneuen, un­be­zahl­ten Aus­­rü­stung, zahlreichen Plastik-Tags diver­ser Golf­clubs an der Schlä­ger­ta­sche und ei­nem ergebenen Caddy. Auch der Mann von Welt sollte eine gute Ausrüstung und mög­lichst einen Caddy haben, aber noch viel wich­­tiger ist ein geringes Handi­cap. Darin nämlich un­ter­­scheidet sich der Mann von Welt von den Snobs.
Unglücklicherweise hat er auch eine Ge­mein­samkeit mit dem Snobtypus: Beide ver­mei­den es zu arbei­ten, was überdies direkten Kon­­takt mit der Welt des Pöbels bedeuten wür­­de. Der Mann von Welt, der sich aber na­tur­­gemäß in jeder Lage zurechtfindet, würde im Extremfall auch damit klarkommen und es sicher verstehen die unangenehmsten Tä­tig­keiten durch andere erledigen zu lassen. Allerdings versteht es der Mann von Welt wie kein anderer seine Geschäfte und die angenehmen Dinge des Lebens mitein­an­der zu verbinden. Warum sollte man auch nicht während des Urlaubs auf seinem Boot mittels Note­book bei seinem Internetbroker noch schnell ein paar Abschlüsse tätigen?
Als vielleicht wichtigstes Geheimnis der Le­bens­kunst des Mannes von Welt muss man wohl die Fähig­keit ansehen in schwierigen Situationen wie selbst­ver­ständ­lich Ver­ant­wor­­­­tung für andere zu übernehmen und durch beherztes Eingreifen schlimmeres zu ver­­­hindern. Damit erwirbt sich der Mann von Welt das wahre Ansehen seiner Mit­men­schen ohne die natürlichen Grenzen zu ver­wi­schen. Denn letztendlich definiert sich der Mann von Welt durch seine Taten und nicht durch seinen Besitz.

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