Ein Mann von Welt kommt selten alleine! Er verfügt
natürlich über ein Gefolge. Darunter sind alle Personen
zu verstehen, die sich auf Reisen, bei besonderen Anlässen und
natürlich auch im Alltag regelmäßig in seiner Nähe
aufhalten und in irgendeiner Beziehung zu ihm stehen. Zum Gefolge
gehören selbstverständlich auch die Haustiere.
Eine der Personengruppen, aus denen sich ein
Gefolge rekrutiert, sind gute Freunde, deren Ansehen
und Bekanntheitsgrad sich vornehmlich aus dem des
Mannes von Welt speist und die sich generell in ihren Handlungen
auf ihn berufen. Das mag sich für den einen oder anderen
negativ anhören, ist es aber nicht. Der bereits erwähnte
Londoner Meisterdetektiv Sherlock Holmes
hatte seinen Freund und Kollegen Dr. Watson, der ihm zwar in
keinster Weise ebenbürtig, aber dennoch eine wichtige
Person in seinem Leben war. Mr. Holmes hat auch kaum
eine Gelegenheit ausgelassen auf Dr. Watsons
Bedeutung hinzuweisen. Weitere Personen
die man zu seinem Gefolge rechnen darf waren seine
Vermieterin Mrs. Hudson und hin und wieder die sog. Baker
Street Irregulars, eine Art Kinder- und
Jugendbande, die Holmes zu
Kundschafterzwecken einsetzte.
Als weitere Gruppen die ein Gefolge speisen
wären Familienangehörige und
Blutsverwandte zu nennen, deren Stellung
sich weitgehend aus ebenjenem
Verwandtschaftsverhältnis ergibt, und
Angestellte und Dienstboten, die ein besonderes
Vertrauen genießen, was man z.B. daran erkennt, dass sie ihren
Dienstherren auf Reisen begleiten. Nicht
vergessen werden dürfen die Haustiere des
Mannes von Welt, z.B. ein Hund der seinen Herrn oft oder
ständig begleitet.
Das Gefolge des vor einigen Jahren verstorbenen
Münchener Modezars und Gesellschaftslöwen
Rudolph Mooshammer bestand aus seiner Mutter (bis zu deren Tod),
seinem kleinen Hund Daisy und seinem Chauffeur. Nach dem
Tod seiner Mutter baute Mooshammer für sie und sich selbst
ein regelrechtes Mausoleum auf einem Münchener
Friedhof. Nach seinem eigenen Ableben versorgte der
Chauffeur den Hund Daisy, bis auch dieser seinem Herrn ins
Grab folgte. Möglich wurde dies vor allem durch die
testamentarische Vorsorge
Mooshammers. Ein Mann von Welt sorgt eben auch für das
Wohlergehen seines Gefolges.
Selbstverständlich gehört auch die Dame seiner
Wahl zum Gefolge eines Mannes von Welt (bei Mooshammer
waren Frauen jedoch kein Thema). Gelegentliche Wechsel fallen nur dem
genauen Betrachter ins Auge.
Die Größe des Gefolges ist unterschiedlich und
hängt ab von der Bedeutung oder dem Geldbeutel eines
Mannes von Welt. Es kommt aber weniger auf die Zahl an, als
vielmehr auf die menschliche Qualität der
Gefolgsleute. Ein treuer Diener ist mehr wert
als ein Dutzend wankelmütige. Dies gilt analog für
Familienangehörige, Freunde und für Haustiere.
Dem Mann von Welt ist sein Gefolge ein fester
Bezugspunkt in einer sich verändernden,
oberflächlichen Welt. Es ist eine Art Mikrokosmos, den er
mit sich führt und in den er sich immer wieder zurückziehen kann.
Außerdem repräsentieren und vertreten
ihn die Personen aus seinem Gefolge, wie ja auch Dr. Watson
gelegentlich seinen Freund Sherlock Holmes vertreten hat. Zum
Beispiel, in „Der Hund von Baskerville“
ist es Dr. Watson der sich mehrere Tage am Schauplatz
des Geschehens aufhält, während Holmes noch in London weilt.
Und es war Mooshammers Chauffeur, der sich nach seinem
Ableben um den Hund Daisy gekümmert hat und kein völlig
Fremder. Durch die Repräsentanz nach außen wird das Gefolge zum
Bindeglied zwischen dem Mann und der Welt.
Das eindeutigste Zeichen an dem man erkennt,
dass jemand zu einem Gefolge gehört ist der sprachliche Bezug.
Wenn Außenstehende und Zuschauer sich auf jemanden
als „Freund von...“, „Angestellter von...“ oder
„Verwandter von...“ beziehen, dann gehört derjenige
zu dem entsprechenden Gefolge. Seine eigene
Identität tritt in den Hintergrund und wird ersetzt durch
den Bezug auf die bekannte Persönlichkeit, deren Gefolgsteil er
oder sie darstellt. Das kann für den Betreffenden durchaus Vorteile
haben. Niemand würde sich heute noch an Dr. Watson erinnern,
wäre er nicht der „Freund von“ Sherlock Holmes
gewesen. Und Daisy hat es als „Hund von“ Rudolph
Mooshammer zu einer regelrechten Berühmtheit gebracht.
Übrigens: Wenn man ihr Gesicht nicht gerade
aus der Tagespresse kennt und sie deshalb von
aufdringlichen Fans überrannt werden, dann sollten
sie auf Bodyguards in ihrem Gefolge verzichten. So etwas
leisten sich sonst nur Snobs.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen