Sonntag, 3. Dezember 2017

Familienwappen und Visitenkarten

Der Mann von Welt besitzt selbstver­ständ­lich ein Wappen, welches er dezent aber sicht­­bar auf Visiten­kar­ten und Brief­pa­pier, als Buch­eig­nerzeichen (Exlibris) und Wand­­schmuck inner­halb und außerhalb des Hau­ses führt. Daneben werden langlebige Ge­­brauchs­­güter gerne damit verziert, ge­le­gent­lich auch Gruß­karten (aber niemals Bei­leids­karten!).
Auch heutzutage ist es möglich an ein Fami­lien­wappen zu gelangen. In jedem Fal­le be­ginnt der Weg zum eigenen Wappen mit der Erforschung der eigenen Familien­ge­schich­te. Dies kann man entweder selbst machen oder man beauftragt einen pro­fes­sio­nel­len Fami­lien­­forscher. Letzteres ist natür­lich sehr kosten­intensiv.
Ein Familienwappen wird heute vorwiegend als eine symbolhafte Ergänzung des Fami­lien­­namens aufgefasst. Daher stellen neu ge­schaf­fene Wappen meistens den Namen in bild­­li­cher Form dar, sofern sich dieser bild­lich dar­stellen lässt. Geht dies nicht, wird oft die Darstellung des Anfangs­buch­sta­bens ge­wählt. Obendrein kann man auf ge­mein­same Charakteristika früherer Ge­ne­ra­tio­nen zu­rück­greifen, wie z.B. Berufe die über meh­re­re Gene­rationen hinweg ausgeübt wur­den oder Erbämter, An­spie­lun­gen auf die Ur­sprungs­­hei­mat oder besondere Ereignisse der Familien­ge­schichte (hervorragende Taten eines Vor­fah­ren, religiöse Verfolgung, Ver­trei­bung etc.).
Mit der Schaffung eines Wappens sollte auf jeden Fall ein seriö­ser Heraldiker beauftragt wer­den. Die­ser sorgt dann auch für den Ein­trag des Wap­pens in der deutschen Wappen­rol­le. Adres­sen und Informationen gibt es beim Verein „Der Herold“ in Berlin oder bei der Ge­sell­schaft „Adler“ in Wien. Für die Schweiz ist die „Schweizerische Heraldische Gesellschaft“ in Luzern zuständig. Als wei­ter­füh­rende Literatur sei das Buch „Wap­pen­fibel – Handbuch der Heraldik“ empfohlen.
Sollte ihnen die Schaffung eines Familien­wap­pens zu umständlich sein, können sie sich auch von einem guten Zeichner ein per­sön­li­ches, heraldisches Zeichen entwerfen lassen. Oft nimmt man in solchen Fällen die An­fangs­buchstaben von Vor- und Nach­na­men und fasst sie zeichnerisch zusammen. Wenn sie zeichnerisches Talent besitzen, können sie das auch selbst gestalten.
Nebenbei sei bemerkt, dass es außerhalb des eu­ro­päischen Kulturraumes nur in Japan et­was den europäischen Wap­pen Ver­­gleich­ba­res gibt: Das Mon. Dabei han­delt es sich um ein einfarbiges, meist rundes Fa­mi­­lien­zei­chen, welches auf Klei­dung oder Ge­­gen­stän­­den – gerne auch auf Lam­pions – ab­ge­bil­det wird. Fast alle ja­pa­ni­sche Fa­mi­lien besitzen heu­te ein Mon, oft sogar meh­rere.
Auf eine Visitenkarte gehören neben dem Namen die Postanschrift, Telefon- und Fax­num­mer, E-Mailadresse, Webseite (sofern vor­­handen) und die Handynummer (fa­kul­ta­tiv). Zum Namen gehören neben Vor- und Familien­namen ein eventuell vorhandener aka­­­de­mi­scher Doktorgrad und, wenn ge­wünscht, Mittelinitialen, die auf den zweiten oder weitere Vornamen hinweisen (im eng­lisch­sprachigen Raum üblich). Der Fa­mi­lien­na­­me sollte so geschrieben sein, wie er im Aus­­­weis vermerkt ist. Nicht im Aus­weis auf­­­­geführte Grade und Titel können wie Be­rufs­bezeichnungen höchstens in die Zeile un­ter den amt­li­chen Fa­miliennamen oder von die­sem abgesetzt in einer separaten Zeile platziert werden. Man hü­te sich aber vor all­zu viel Titel­misch­masch! Das Familien­wap­pen oder andere he­ral­dische Zei­chen können links- oder rechts­bün­dig in de­zen­ter Form an­ge­bracht werden.
Bewahren sie ihre Visi­ten­karten in einem se­pa­raten, op­tisch an­spre­chen­den Etui auf, so­­dass sie im­mer eine Kar­te zur Hand haben, ohne lange suchen zu müs­­sen und achten Sie darauf, dass Sie nur ein­wand­freie Kar­ten über­reichen. Notizen und Knicke sind Tabu. Bei geschäftlichen Treffen erhält zuerst der Rang­höchste im Kreis eine Karte, an­schließend alle anderen An­wesenden ent­spre­­chend der Rangfolge. Man sollte keines­falls jemanden auslassen, da dieser sich sonst ausgeschlossen und we­ni­ger geschätzt fühlt. Wenn Sie eine Karte er­halten haben, sollten Sie kurz einen Blick da­rauf werfen. Sie un­be­­achtet wegzustecken, gilt als unhöflich. Auch das Ablehnen einer Vi­sitenkarte oder das Liegenlassen auf dem Tisch ist ein Faux­pas.
Sollten sie als Mann von Welt eine Vi­si­ten­kar­­te für den internationalen Ge­brauch be­nö­ti­gen, dann kön­nen sie separate Karten an­fer­ti­gen oder sie verwenden einfach die Rück­seite ihrer deutsch­spra­chi­gen Vi­si­ten­kar­te. Ihren Namen geben sie wie gewohnt an, aber aka­demische Titel setzen sie mit der eng­­li­schen Abkürzung von einem Komma ge­­­­trennt hin­ter den Namen. Darunter kommt ihre Be­rufs­bezeichnung in englischer Spra­che, sofern sie einem Beruf nachgehen. Die Postanschrift führen sie auf wie ge­wohnt („Stras­se“ schreiben sie aber besser ohne „ß“), aber mit ihrem Heimatland in der un­ter­sten Zeile und zur Te­le­fon- und Fax­num­mer setzen sie ihre in­ter­na­tio­nale Vor­wahl +49 wenn sie in der BRD wohnen, +43 für Öster­reich und +41 für die Schweiz, jeweils unter Aus­lass­ung der ersten Null bei der folgenden Orts­vor­wahl.
Wenn sie in Ländern aktiv sind, die nicht die lateinischen Buchstaben verwenden, dann be­sorgen sie sich Visi­­tenkarten mit orts­üb­li­chen Schriftzeichen. Druckereien finden sie im Internet. Japanischsprachige Visiten­kar­ten, zum Beispiel, gibt es bei www.wintersturm.de oder www.japan-service.at. Die Rück­­seite einer fremd­schrif­ti­gen Visi­ten­kar­te sollte mit lateinischen Buch­sta­ben, entwe­der auf Deutsch oder auf Eng­lisch, bedruckt sein.
Wer in asiatischen Ländern eine Visitenkarte über­gibt, hält sie beidhändig mit Daumen und Zeigefinger. Dabei soll man die Karte so drehen, dass sie der Empfänger sofort lesen kann. Wer eine Karte erhält, studiert diese sorg­fältig und äußert anerkennende Worte da­zu. Erst dann wird sie möglichst res­pekt­voll verstaut. Die Karte in die Brieftasche oder gar in die Gesäßtasche zu stecken, gilt hier als Gipfel der Unhöflichkeit. Weil die auch „meishi“ genannte Visitenkarte in Japan oder China so besonders wichtig ist, sind Über­setzungen des Kartentextes nötig. Wer das unterlässt, kommt in den Geruch der Arro­ganz oder Inkompetenz. Beim Aus­tausch der Karten beginnt immer der Rang­nie­dere. Bei Titeln gilt: Je weniger Titel auf der Karte stehen, desto höher steht der Mann. Wenn nur der Name aufgedruckt ist, sollte man ihn kennen.
In Ländern mit muslimischer Prägung wer­den Visitenkarten grundsätzlich mit der rech­ten Hand über­reicht und ent­ge­gen­ge­nom­men. Die linke Hand gilt als unrein. Aus­ge­tauscht werden die Karten meist nach der er­sten Begrüßung. Auch hier ist es noch wich­tiger als in Europa, die Karte mit Respekt zu behandeln.

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