Auch wenn sie als Mann von Welt vermeiden
sollten der internationalen Klatschpresse Futter zu liefern, kann es
Ihnen passieren, dass sie ein Interview geben oder eine
Pressemitteilung schreiben müssen.
Generell gilt, dass sie unbedingt der Versuchung
widerstehen müssen sich der medialen Aufmerksamkeit hinzugeben, egal
wie verlockend diese im Moment sein mag. Wenn die Medien sie
erst einmal als Thema entdeckt haben, dann haben sie nie wieder
Ruhe. Denken sie an die Jagd, welche die Medien auf
Prominente machen, wie z.B. auf die verstorbene Prinzessin
Diana, auch wenn dieser Fall wohl ein ungewöhnliches Extrem
darstellt. Pflegen sie also nur die allernotwendigsten
Kontakte zur Presse und legen sie um Himmels Willen einen Mantel
des Schweigens über ihr Privatleben. Liefern sie auf
keinen Fall Skandale für die Regenbogenpresse,
oder ähnliches. Halten sie sich fern von Talkshows und ähnlichem
Fernsehmüll. Hüten sie sich vor Interviews zur
Person, die nur dazu dienen Leute in den Dreck zu ziehen. Lassen
sie sich auch nicht plötzlich zu einem Interview drängen.
Egal, was die Reporter fragen, sagen sie dann nur freundlich
lächelnd, dass sie keine Fragen beantworten und ziehen sie sich
unauffällig zurück. Gehen sie keinesfalls auf
Kameraleute und Fotografen los. Wenn sie keine Person
des öffentlichen Lebens sind, darf man ihr Bild sowieso
nicht ohne ihre Einwilligung veröffentlichen.
Vorsichtig sein sollten sie auch im Umgang
mit den neuerdings so populären
Internet-Verzeichnissen wie Facebook oder dem
Kurznachrichtendienst Twitter. Sie geben in diesen nicht nur
zahlreiche private Daten preis, die irgendwann
womöglich gegen sie verwendet werden könnten,
sondern erhalten auch jede Menge sinnlose Informationen,
die eigentlich nur Zeit und Geld kosten. Überlegen sie
daher sorgfältig, ob sie die genannten Dienste - und
ähnliche – wirklich brauchen.
Der seriöse Umgang mit den Medien erfolgt im
Allgemeinen über Interviews und das Versenden von
Pressemitteilungen, welche sie gegebenenfalls auch auf ihre Webseite
stellen. Hierbei sei bemerkt, dass eine eigene
Webseite zu betreiben nur dann Sinn macht, wenn man sie aus
beruflichen Gründen oder zur Präsentation eines
bestimmten Themas (z.B. eines Hobbys) benötigt.
Webseiten zur reinen Selbstdarstellung sind
eher was für Snobs.
Eine Pressemitteilung bezieht sich immer auf ein
bestimmtes Ereignis. Es gibt keine Nachricht ohne Ereignis. Das
hört sich simpel an, wird aber immer wieder vergessen. In Praxi
bedeutet das, dass sie nur dann eine Presseaussendung
vornehmen sollten, wenn sie wirklich etwas zu berichten
haben und die Nachricht auch nur an die übersenden sollten,
die es interessiert. Sofern sie nicht im Namen einer Firma
oder eines Vereins handeln, wird sich ihre Pressemitteilung also
vermutlich auf private Ereignisse beziehen, z.B.
Hochzeiten, Geburten, Todesfälle, sowie Stiftungen,
Schenkungen, größere Spenden, Übertragungen,
Ehrungen, Preisverleihungen etc.
Unabhängig vom Ereignis sollte die
Pressemitteilung so kurz und knapp wie möglich
gehalten sein. Schreiben sie die wichtigsten Sachen möglichst alle
schon in den ersten Satz. Der erste Absatz sollte höchstens drei
nicht zu lange Sätze umfassen. Im zweiten Absatz können sie ein
paar Erläuterungen und Hintergrundinformationen geben, z.B. bei
einer Todesmeldung einen kurzen Lebenslauf des
Verstorbenen. Am Schluss kann eventuell ihre Webseite
genannt werden, für den Fall, dass sie dort weiterführende
Informationen anbieten. Wenn es zur Nachricht passt,
können sie auch ein Foto beifügen, z.B. das offizielle
Hochzeitsfoto. Erwarten sie aber lieber nicht, dass es abgedruckt
wird.
Versenden sie die Pressemitteilung per Mail an
alle ihre Freunde und Bekannten, sowie an örtliche Regionalzeitungen
(auch an Gratis-Anzeigenblätter) und Radiostationen.
Denken sie daran, dass die
Empfängeradressen nicht sichtbar sein sollten,
damit sich niemand kompromittiert fühlt. An Leute,
die keine Mailadresse haben, können sie auch ein Fax versenden oder
einen Ausdruck per Post verschicken. Außerdem setzen
sie die Meldung auf ihre Webseite (wenn sie eine
haben) und eventuell auch in diverse (regionale)
Presseportale im Internet. In vielen Lokalzeitungen
können sie auch sog. Familienanzeigen aufgeben. Prüfen
sie, ob das für sie in Frage kommt.
Im übrigen sollten sie ihre Pressemitteilung nach
Möglichkeit selbst schreiben. Wenn sie doch jemanden anderes damit
beauftragen, lesen sie die Meldung vor ihrer Verbreitung genau durch.
Wenn sie ein Interview für das Radio oder
(Lokal-)Fernsehen geben müssen, beachten sie folgendes: Der
Sender hat für das Interview vermutlich nur zweieinhalb bis
maximal vier Minuten eingeplant; das ist die übliche
Zeit für Interviews. Eine Antwort darf dabei nur 20
Sekunden dauern, sonst lässt die Aufmerksamkeit
des Zuhörers nach. Fassen sie sich also kurz. Versuchen
sie niemals die Fragen des Journalisten zu beantworten, sondern
sagen sie dem Publikum, was sie sagen wollen, aber bleiben
sie beim Thema und vermeiden sie Fachchinesisch. Nennen sie auch
möglichst keine Zahlen. Die kann in so kurzer Zeit niemand
geistig aufnehmen. Verwenden sie lieber Vergleiche.
Der Journalist wird naturgemäß
dafür sorgen wollen, dass sie seine Fragen beantworten, denn er
braucht kein Statement sondern einen Dialog. Folglich wird
er versuchen aus ihren Antworten neue Fragen zu
formulieren. Sie aber reden mit dem Hörer oder Zuschauer.
Sagen sie also, was sie sagen wollen und schauen sie dabei nicht
in die Kamera. Wundern sie sich aber nicht, wenn der Fragende
sie zu unterbrechen versucht und nehmen sie das
auch nicht übel. Das gehört zum Job. Machen sie sich auch klar,
dass es wahrscheinlich zu einem Missverhältnis
kommen wird zwischen dem was sie für wichtig halten und was der
Journalist für bedeutsam hält. Das merken sie vor allem
dann, wenn das Meiste von dem was sie gesagt haben am
Schneidecomputer entfernt und nur ein Bruchteil
wirklich gesendet wird. Live gesendet wird ohnehin
seltener, als man gemeinhin glaubt. Alles Rohmaterial wird
vor dem Senden geschnitten. Ein guter Journalist sollte sie als
Interviewten darauf hinweisen.
Manchmal wollen die Radio- oder
Fernsehmacher auch nur einen bestimmten Satz
hören. Tun sie ihnen nicht den Gefallen diesen zu sagen, denn
ihre eigentliche Botschaft geht dabei unter und sie dienen nur
als Schachfigur in deren Spiel. Häufig ist das bei Straßeninterviews
der Fall. Allerdings ist es dann fraglich, ob sie überhaupt
gesendet werden. Es ist aber besser darauf zu verzichten,
als sich zum Hampelmann der Medien zu machen.
Die meisten Journalisten werden vor dem
Interview ein Gespräch mit ihnen führen. Dabei geht
es u.a. auch darum, ihr Sprachverhalten zu studieren,
z.B. ob sie schnell oder langsam reden etc., und welche Fragen
man ihnen stellen kann oder soll. Denken sie an die Zeitbeschränkung,
die, wie gesagt, in der Regel bei 2:30 Min. insgesamt und bei 20 sek.
pro Antwort liegt. Trotz des Vorgespräches wird der
Journalist später versuchen sie mit einer neuen Frage
zu überraschen oder aus ihren Antworten eine neue Frage
zu formulieren. Es sei auch noch angemerkt, dass
Journalisten nicht darauf aus sind reine Fakten zu
erfragen. Es geht ihnen vielmehr darum Auskünfte
zu einzelnen Punkten zu bekommen, die kein anderer
ihnen geben kann, also Begründungen, Meinungen oder
vielleicht noch Hintergrundinformationen.
Interviews werden fast immer mit einer offenen
Frage begonnen („Was könnte ihrer Meinung nach an der
Müllentsorgung verbessert werden?“). Eine solche Frage
soll den Interviewten zum Reden bewegen und dem
Journalisten Möglichkeiten zum Nachhaken eröffnen.
Geschlossene Fragen, die mit „ja“ oder
„nein“ beantwortet werden können, dienen dazu den
Befragten festzunageln und sehr oft auch dazu die vorgefertigte
Meinung des Journalisten zu bestätigen. Vermeiden sie bei Antworten
daher die Worte „ja“ und „nein“ und antworten
sie immer mit ganzen Sätzen.
Es gibt noch einige andere Fragearten, von denen
jedoch die Suggestivfrage einen besonderen Stellenwert
hat. Meistens beginnen diese mit „Sind sie nicht auch der
Ansicht, dass...“ oder ähnlichen Floskeln. Dieser Fragentyp
beinhaltet eine Unterstellung und dient dazu den Befragten zu
provozieren. Hüten sie sich nun davor emotional zu
reagieren. Denken sie im Notfall immer daran,
dass ihnen das Geschwafel von diesem Presseheini
eigentlich gleichgültig sein kann, denn es geht ja um das
Publikum. Sagen sie also nichts unüberlegtes.
Eine Technik, die sie noch kennen sollten, ist der
sog. Trichter. Der Frager beginnt mit einer offenen Frage vom Typus
„Was verstehen sie unter...“. Dann kommt eine
Frage wie „Was sollte man ihrer Meinung nach tun?“ Es
folgt schließlich eine geschlossene Frage von der Art „Und was
meinen sie?“ oder „Sind sie auch dafür?“ Hüten sie
sich also vor geschlossenen Fragen und richten sie sich darauf ein,
dass der Interviewer nachhaken wird.
Hin und wieder wird ein Journalist einen
Interviewten unterbrechen. Das geschieht oft dann, wenn die Antwort
zu lang, weitschweifig oder unklar wird, oder von der Frage
wegführt. Letzteres können sie auch bewusst
einsetzen, wenn sie die Frage nicht beantworten
wollen, aber sie müssen halt mit einer Nachfrage rechnen.
Generell ist das Unterbrechen jedoch ein Zeichen dafür,
dass ihre Antwort zu lang ist oder nicht mehr verstanden
wird. Vermeiden sie also „Antwortteppiche“,
eventuell mit vielen Fachbegriffen, welche die
Aufmerksamkeit des Zuhörers strapazieren. Treten sie
ruhig einen Schritt zurück und starten sie neu.
Es gibt noch die Technik des kontroversen
Interviews. Dabei geht es vor allem um die Rechtfertigung
eines Standpunktes. Der Journalist wird hierbei ganz
gezielt einen gegenteiligen Standpunkt zum Befragten
einnehmen und diesen mit seinen Fragen provozieren.
Auch hier heißt es Ruhe bewahren und seine Position vertreten. Und
auch hier gilt es die Wörter „ja“ und „nein“
zu vermeiden. Stattdessen sollten sie ihre eigene Frage
formulieren und diese dann beantworten („Es gibt viele Gründe.
Da müssen wir eher fragen: ...“). Am Ende einer solchen
Ausführung sollten sie eine neue Information einfügen,
die der Fragende noch nicht angesprochen hat („...
und im übrigen ist der Missbrauch unser vorrangiges
Problem.“). Der Journalist muss nun entscheiden,
welchen Faden er weiterverfolgt; das ursprüngliche Thema
oder das neue Thema Missbrauch. Ihre eigene Frage können sie auch
als Gegenfrage konzipieren und gleich selbst
beantworten.
Bei Verlautbarungsinterviews, also solchen, wo
eine mehr oder weniger vorbereitete Erklärung
abgegeben wird, sollten sie diese auch in schriftlicher
Form anbieten und keine Fragen zulassen. Die Journalisten
kriegen so ihre Originaltöne und an mehr haben sie als Interviewter
ja kein Interesse.
Es gäbe noch viel mehr zum Thema Interviews
zu sagen und wenn sie häufig in der Situation sind
Interviews geben zu müssen, dann sollten sie sich ausführlich damit
beschäftigen. Für den Alltagsgebrauch dürften
die vorangegangenen Tipps aber ausreichen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen