Sonntag, 3. Dezember 2017

Umgang mit den Medien

Auch wenn sie als Mann von Welt ver­mei­den sollten der internationalen Klatschpresse Futter zu liefern, kann es Ihnen passieren, dass sie ein Interview geben oder eine Pres­se­mitteilung schreiben müssen.
Generell gilt, dass sie unbedingt der Ver­su­chung widerstehen müssen sich der medialen Aufmerksamkeit hinzugeben, egal wie ver­lockend diese im Moment sein mag. Wenn die Medien sie erst einmal als Thema ent­deckt haben, dann haben sie nie wieder Ru­he. Denken sie an die Jagd, welche die Me­dien auf Prominente machen, wie z.B. auf die verstorbene Prin­zes­sin Diana, auch wenn dieser Fall wohl ein ungewöhnliches Extrem dar­stellt. Pflegen sie also nur die aller­not­wen­digsten Kontakte zur Presse und legen sie um Himmels Willen ei­nen Mantel des Schweigens über ihr Pri­vat­le­ben. Liefern sie auf keinen Fall Skandale für die Re­gen­bo­gen­presse, oder ähnliches. Halten sie sich fern von Talkshows und ähn­li­chem Fern­seh­müll. Hüten sie sich vor Inter­views zur Per­son, die nur dazu dienen Leute in den Dreck zu ziehen. Lassen sie sich auch nicht plötz­lich zu einem Interview drängen. Egal, was die Reporter fragen, sagen sie dann nur freund­lich lächelnd, dass sie keine Fragen be­antworten und ziehen sie sich un­auf­fällig zurück. Gehen sie keinesfalls auf Kamera­leu­te und Fotografen los. Wenn sie keine Per­­son des öffent­lichen Le­bens sind, darf man ihr Bild sowieso nicht ohne ihre Ein­­wil­li­gung ver­öffentlichen.
Vorsichtig sein soll­ten sie auch im Um­gang mit den neuerdings so po­pu­lären Internet-Ver­­zeich­nis­sen wie Facebook oder dem Kurznachrichtendienst Twit­ter. Sie geben in diesen nicht nur zahl­rei­che private Da­­ten preis, die irgendwann womöglich ge­gen sie ver­wen­det werden könnten, sondern erhalten auch jede Menge sinnlose Infor­ma­tio­nen, die eigentlich nur Zeit und Geld ko­sten. Über­legen sie daher sorgfältig, ob sie die ge­nann­ten Dienste - und ähnliche – wirk­lich brauchen.
Der seriöse Umgang mit den Medien erfolgt im Allgemeinen über Interviews und das Ver­­­senden von Pressemitteilungen, welche sie gegebenenfalls auch auf ihre Webseite stel­­len. Hierbei sei bemerkt, dass eine ei­ge­ne Web­seite zu betreiben nur dann Sinn macht, wenn man sie aus beruflichen Grün­­den oder zur Prä­sentation eines be­stimm­ten The­mas (z.B. eines Hob­bys) be­nö­tigt. Web­sei­ten zur reinen Selbst­dar­stel­lung sind eher was für Snobs.
Eine Pressemitteilung bezieht sich immer auf ein bestimmtes Ereignis. Es gibt keine Nach­richt ohne Ereignis. Das hört sich simpel an, wird aber immer wieder vergessen. In Praxi be­deutet das, dass sie nur dann eine Pres­se­aus­­sendung vornehmen sollten, wenn sie wirk­­lich etwas zu berichten haben und die Nach­richt auch nur an die übersenden soll­ten, die es interes­siert. Sofern sie nicht im Na­men einer Firma oder eines Vereins han­deln, wird sich ihre Pressemitteilung also ver­­mut­lich auf private Ereignisse beziehen, z.B. Hoch­zeiten, Ge­bur­ten, Todesfälle, sowie Stif­tun­gen, Schen­kungen, größere Spenden, Über­­­tragungen, Ehrun­gen, Preisverleihungen etc.
Unabhängig vom Ereignis sollte die Pres­se­mit­teilung so kurz und knapp wie möglich gehalten sein. Schreiben sie die wichtigsten Sachen möglichst alle schon in den ersten Satz. Der erste Absatz sollte höchstens drei nicht zu lange Sätze umfassen. Im zweiten Absatz können sie ein paar Erläuterungen und Hintergrundinformationen geben, z.B. bei einer Todesmeldung einen kurzen Le­bens­lauf des Ver­stor­benen. Am Schluss kann eventuell ihre Webseite genannt werden, für den Fall, dass sie dort weiter­führende In­for­ma­tionen anbieten. Wenn es zur Nachricht passt, können sie auch ein Foto beifügen, z.B. das offizielle Hochzeitsfoto. Erwarten sie aber lieber nicht, dass es abgedruckt wird.
Versenden sie die Pressemitteilung per Mail an alle ihre Freunde und Bekannten, sowie an örtliche Regionalzeitungen (auch an Gra­tis-Anzeigenblätter) und Radiostationen. Den­­­­­ken sie daran, dass die Em­pfän­ger­adres­sen nicht sichtbar sein sollten, damit sich nie­­­mand kompromittiert fühlt. An Leute, die keine Mailadresse haben, können sie auch ein Fax versenden oder einen Aus­druck per Post verschicken. Außer­­dem setzen sie die Mel­dung auf ihre Web­­seite (wenn sie eine ha­­­ben) und eventuell auch in diverse (regio­na­­le) Pres­se­portale im In­ternet. In vielen Lo­kal­zeitungen können sie auch sog. Fami­lien­anzeigen aufgeben. Prü­fen sie, ob das für sie in Frage kommt.
Im übrigen sollten sie ihre Pressemitteilung nach Möglichkeit selbst schreiben. Wenn sie doch jemanden anderes damit beauftragen, lesen sie die Meldung vor ihrer Verbreitung genau durch.
Wenn sie ein Interview für das Radio oder (Lo­kal-)Fernsehen geben müssen, beachten sie folgendes: Der Sender hat für das Inter­view vermutlich nur zweieinhalb bis maxi­mal vier Minuten ein­geplant; das ist die übli­che Zeit für In­ter­views. Eine Antwort darf da­bei nur 20 Se­kun­den dauern, sonst lässt die Auf­merk­sam­keit des Zuhörers nach. Fas­sen sie sich also kurz. Ver­su­chen sie niemals die Fragen des Jour­nalisten zu beantworten, sondern sagen sie dem Pu­bli­kum, was sie sagen wollen, aber bleiben sie beim Thema und vermeiden sie Fachchinesisch. Nennen sie auch mög­lichst keine Zahlen. Die kann in so kurzer Zeit niemand geistig aufnehmen. Verwenden sie lieber Vergleiche.
Der Journalist wird na­tur­­ge­mäß dafür sorgen wollen, dass sie seine Fragen beantworten, denn er braucht kein State­ment son­dern einen Dialog. Folglich wird er ver­su­chen aus ihren Antworten neue Fragen zu formulieren. Sie aber reden mit dem Hörer oder Zu­schau­er. Sagen sie also, was sie sa­gen wollen und schauen sie dabei nicht in die Kamera. Wun­dern sie sich aber nicht, wenn der Fra­gen­de sie zu unter­bre­chen ver­sucht und neh­men sie das auch nicht übel. Das gehört zum Job. Machen sie sich auch klar, dass es wahr­schein­lich zu einem Miss­ver­hältnis kommen wird zwischen dem was sie für wichtig hal­ten und was der Journalist für be­deut­sam hält. Das merken sie vor allem dann, wenn das Meiste von dem was sie ge­sagt haben am Schnei­de­com­puter entfernt und nur ein Bruch­­teil wirklich gesendet wird. Live ge­sen­det wird ohnehin seltener, als man ge­mein­hin glaubt. Alles Rohmaterial wird vor­ dem Senden geschnitten. Ein guter Journalist sollte sie als Inter­view­ten darauf hinweisen.
Manchmal wol­len die Radio- oder Fern­seh­ma­cher auch nur einen be­stimmten Satz hören. Tun sie ihnen nicht den Gefallen die­sen zu sagen, denn ihre eigent­liche Botschaft geht dabei unter und sie dienen nur als Schachfigur in deren Spiel. Häufig ist das bei Straßeninterviews der Fall. Allerdings ist es dann fraglich, ob sie über­haupt gesendet wer­den. Es ist aber besser da­rauf zu ver­zich­ten, als sich zum Ham­pel­mann der Medien zu machen.
Die meisten Journalisten werden vor dem In­ter­view ein Gespräch mit ihnen führen. Da­bei geht es u.a. auch darum, ihr Sprach­ver­hal­ten zu studieren, z.B. ob sie schnell oder lang­sam reden etc., und welche Fragen man ihnen stellen kann oder soll. Denken sie an die Zeitbeschränkung, die, wie gesagt, in der Regel bei 2:30 Min. insgesamt und bei 20 sek. pro Antwort liegt. Trotz des Vor­ge­sprä­ches wird der Jour­nalist später ver­su­chen sie mit einer neuen Frage zu über­ra­schen oder aus ihren Antworten eine neue Fra­ge zu for­mu­lieren. Es sei auch noch an­ge­merkt, dass Jour­nalisten nicht da­rauf aus sind reine Fak­ten zu erfragen. Es geht ih­nen vielmehr da­rum Aus­künf­te zu einzelnen Punk­ten zu be­kom­men, die kein anderer ihnen geben kann, also Be­grün­dungen, Mei­nungen oder viel­leicht noch Hin­ter­grund­in­for­mationen.
Interviews werden fast immer mit einer offe­nen Frage begonnen („Was könnte ihrer Mei­nung nach an der Müllentsorgung ver­bessert werden?“). Eine solche Frage soll den Inter­view­ten zum Reden bewegen und dem Jour­na­listen Möglichkeiten zum Nach­haken er­öffnen.
Geschlossene Fragen, die mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können, dienen dazu den Befragten festzunageln und sehr oft auch dazu die vorgefertigte Meinung des Journalisten zu bestätigen. Vermeiden sie bei Antworten daher die Worte „ja“ und „nein“ und antworten sie immer mit ganzen Sätzen.
Es gibt noch einige andere Fragearten, von denen jedoch die Suggestivfrage einen be­son­deren Stellen­wert hat. Meistens beginnen diese mit „Sind sie nicht auch der Ansicht, dass...“ oder ähnlichen Floskeln. Dieser Fra­gentyp beinhaltet eine Unterstellung und dient dazu den Befragten zu provozieren. Hü­ten sie sich nun davor emo­tional zu rea­gie­r­en. Denken sie im Not­fall immer daran, dass ihnen das Ge­schwa­fel von diesem Pres­se­heini eigentlich gleich­gültig sein kann, denn es geht ja um das Publikum. Sagen sie also nichts un­über­leg­tes.
Eine Technik, die sie noch kennen sollten, ist der sog. Trichter. Der Frager beginnt mit einer offenen Frage vom Typus „Was ver­ste­hen sie unter...“. Dann kommt eine Frage wie „Was sollte man ihrer Meinung nach tun?“ Es folgt schließlich eine geschlossene Frage von der Art „Und was meinen sie?“ oder „Sind sie auch dafür?“ Hüten sie sich also vor geschlossenen Fragen und richten sie sich darauf ein, dass der Interviewer nach­­ha­ken wird.
Hin und wieder wird ein Journalist einen Interviewten unterbrechen. Das geschieht oft dann, wenn die Antwort zu lang, weit­schwei­fig oder unklar wird, oder von der Frage weg­­­führt. Letzteres können sie auch bewusst ein­­­setzen, wenn sie die Frage nicht beant­wor­­ten wollen, aber sie müssen halt mit einer Nach­fra­ge rechnen. Generell ist das Unter­bre­chen jedoch ein Zeichen dafür, dass ihre Ant­wort zu lang ist oder nicht mehr ver­stan­den wird. Vermeiden sie also „Ant­wort­tep­pi­che“, eventuell mit vielen Fach­be­grif­fen, wel­che die Aufmerksamkeit des Zu­hö­rers stra­pazieren. Treten sie ruhig einen Schritt zurück und starten sie neu.
Es gibt noch die Technik des kontroversen In­terviews. Dabei geht es vor allem um die Recht­fertigung eines Standpunktes. Der Jour­­­nalist wird hierbei ganz gezielt einen ge­gen­teiligen Standpunkt zum Be­frag­ten ein­neh­men und diesen mit seinen Fragen pro­vo­zie­ren. Auch hier heißt es Ruhe bewahren und seine Position vertreten. Und auch hier gilt es die Wörter „ja“ und „nein“ zu ver­mei­den. Stattdessen sollten sie ihre eigene Frage formulieren und diese dann beantworten („Es gibt viele Gründe. Da müssen wir eher fragen: ...“). Am Ende einer solchen Aus­füh­rung sollten sie eine neue Information ein­fügen, die der Fragende noch nicht an­ge­spro­chen hat („... und im übrigen ist der Miss­brauch unser vorrangiges Pro­blem.“). Der Jour­nalist muss nun entscheiden, welchen Fa­den er weiterverfolgt; das ursprüngliche The­­ma oder das neue Thema Missbrauch. Ihre eigene Frage können sie auch als Ge­gen­frage konzipieren und gleich selbst be­ant­wor­ten.
Bei Verlautbarungsinterviews, also solchen, wo eine mehr oder weniger vorbereitete Er­klä­­rung ab­ge­geben wird, sollten sie diese auch in schriftlicher Form anbieten und kei­ne Fragen zulassen. Die Jour­nalisten kriegen so ihre Originaltöne und an mehr haben sie als Interviewter ja kein Interesse.
Es gäbe noch viel mehr zum Thema Inter­views zu sagen und wenn sie häufig in der Si­­tuation sind Interviews geben zu müssen, dann sollten sie sich ausführlich damit be­schäf­tigen. Für den All­tags­gebrauch dürften die voran­ge­gan­ge­nen Tipps aber ausreichen.

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