Sonntag, 3. Dezember 2017

Autos

Wie bei der weltmännischen Residenz, muss auch das Trans­port­ge­fährt des Mannes von Welt dessen Per­­sön­lich­keit wieder geben. Das Auto sollte aber natürlich auch dem Trans­port­be­dürf­­nis entsprechend aus­gewählt sein. Je­mand, der in einer Stadtlage wohnt, benötigt keinen Geländewagen, während um­ge­kehrt man­che ländliche Gegend, vor allem im Win­­­­­ter, an­ders gar nicht zu erreichen ist. Auch sind eng be­baute Innenstädte oder kur­ven­reiche Park­häuser mit einem Klein­wa­gen leichter zu durchfahren, als mit einer Über­­län­­gen­li­mou­sine. Oft wird behauptet, dass Gran-Turismo-Fahrzeuge als die Sportwagen­gat­tung für Gentleman schlechthin gelten würden. Dabei ist ein solides Modell aus der Kompaktklasse prak­tisch immer die bessere Wahl, sofern man keine besonderen Fahrbedürfnisse hat (wie z.B. Offroad). Es kommt allerdings auch hier weniger auf das Äußere an, als viel­mehr auf das, was in dem Wagen steckt. Kaufen Sie über­dies einen unauffälligen Wagen, dann erregen sie bei ihren Mitmenschen kei­ne Neid­ge­füh­le und laufen nicht Gefahr, dass ihr Auto ge­klaut wird. Bei italienischen Sport­wagen ist es so gut wie sicher, dass die­se irgendwann abhanden kommen. Die Mo­tor­leistung ihres Gefährtes sollte aber so ge­wählt sein, dass der Wa­gen ohne Schwie­rig­kei­ten auch steile Al­pen­pässe überqueren kann. Innen richtet der Mann von Welt sein Auto be­quem ein, so­dass er neben Kurz­­strecken auch längere We­ge in ge­wohn­ter Be­­hag­lich­keit zurück­le­gen kann. Von den üb­lichen Re­qui­siten des Pöbels, wie z.B. Breit­­reifen oder Fuchs­schwän­zen an der An­ten­ne, sieht er geflis­sent­lich ab. Eine Anhängerkupplung kann allerdings gute Dienste leisten. Ne­ben Transportanhängern können z.B. auch Boots- oder Pferdeanhänger befördert wer­den, wobei die Motorleistung dann natürlich etwas stärker gewählt werden muss. Von der Benutzung von Wohnwagen sollte ein Mann von Welt aber absehen.
Wenn Sie mit ihrem Fahrzeug längere Strecken zurückzulegen wünschen, dann sind gewisse Accessoires zur Bequemlichkeits­stei­gerung eine Überlegung wert. Ein Tauch­sieder oder Wasserkocher für den Auto­strom­­anschluss ermöglicht die Bereitstellung von frisch gekochtem Kaffee, Tee oder Sup­pen­snacks, ohne auf den Service einer Rast­stät­te etc. angewiesen zu sein. Es gibt sogar richtige Einbau-Kaf­fee­ma­schinen fürs Auto, jedoch ist deren Rei­ni­gung ohne Fließend­was­ser-Anschluss schwierig. Ein weiteres, nütz­li­ches Accessoire ist eine Kühlbox, die so­wohl an einem Hausstromanschluss, als auch an einer Auto­steck­dose betrieben wer­den kann. Im Sommer können sie darin Ge­trän­ke oder Picknickproviant kühlen, aber auch ihre Einkäufe nach Hause trans­por­tie­ren ohne die Kühlkette zu unterbrechen. Wenn Sie es wün­schen, können sie ihr Auto auch so herrichten, dass sie darin zumindest für eine Nacht schlafen können, was sie al­ler­­dings nur in Aus­nahme­fäl­len tun sollten. Auf Campingurlaub mit Wohnmobil oder Wohn­wagen sollte ein Mann von Welt auf je­den Fall verzichten; dieser ist alles andere als ex­klu­siv, auch wenn moderne Wohn­mo­bi­le und Wohnwagen zugegebenermaßen an Komfort nichts mehr zu wünschen übrig las­sen. In besonderen Fällen, z.B. weil vor Ort kein anderes Quartier verfügbar ist und die ge­plante Akti­vi­tät einen eventuellen Image­ver­lust wettmacht, kann ein Mann von Welt aber auch auf diese Mög­lich­keit zurück­grei­fen.
Um im Auto arbeiten zu können, kann man im einfachsten Fall einen kleinen Hängetisch besorgen, den man am Lenkrad (natürlich nur wenn das Fahrzeug steht!) oder an der Rückseite des Vordersitzes be­fe­stigt, damit man darauf sein Notebook platzieren kann. Letzteres macht natürlich nur dann Sinn, wenn das Fahrzeug steht oder je­mand anderes lenkt. Schwierig wird es allerdings während der Fahrt eine In­ter­net­­ver­bin­dung zu behalten, da oft schon die Passage durch Tunnels oder unter Brücken zu einem Un­ter­bruch führt. Sollte der Mann von Welt jedoch öfter vom Auto aus arbeiten wollen, dann besteht die Mög­lich­keit sich von der Firma Brabus in Bottrop ein mobiles Büro in sein Fahrzeug, z.B. mit ausfahrbaren Note­book­ti­schen oder Flachbildschirmen, einbauen zu lassen. Auch Aktenschränke, Drucker oder Netz­wer­ke sind kein Problem. Bis hin zum rollenden Luxusbüro mit Konferenzraum ist alles möglich, wobei es sich dann allerdings empfiehlt als Fahrzeug einen Kleinbus oder Lieferwagen auszuwählen.
Falls Ihnen der Sinn nach einem Oldtimer steht, sollten Sie beachten, dass diese im Unterhalt mehr als dop­pelt so teuer sind, als zeitgenössische Modelle, aber aufgrund ihres hohen Alters nicht die Fahr­lei­stungen eines neuen Fahrzeuges erbringen. Daher kommen sie nur als Zweitfahrzeug für Liebhaber in Betracht. Alltagstauglich sind sie nicht mehr. Falls Sie jedoch ein exklusives aber alltagstaugliches Fahr­zeug im Stil vergangener Zeiten suchen, dann sollten Sie sich für die britische Marke Morgan Motor Com­pany interessieren. Das Unternehmen aus Malvern in Worcestershire ist weltweit das einzige, das bei Automobilen noch Aufbauten mit Rahmen aus Eschenholz einsetzt, eine Fertigungstechnik, die aus dem Kutschwagenbau stammt. Der Morgan 4/4 hält den Rekord als das am längsten durchgehend pro­du­zierte Automodell und wird seit 1936 - derzeit mit einem 1,6 Liter Motor von Ford - angeboten. Der Preis für ein solches Fahrzeug entspricht etwa dem eines oberen Mittel­klasse­wagen neuerer Bauart. Mehr Infos gibt es auf www.morgan-motor.co.uk. Eines sollte man jedoch noch wissen: Ältere Morgans neigen zu Karosserieschäden, weil der Aufbau nicht sehr dicht ist und nur von außen lackiert wurde. Daher rostet das Blech von innen und das Eschenholzgerippe verrottet, sobald Wasser eindringt. Bei den aktuel­len Serien stellt das jedoch kein Problem mehr dar. Aber der Morgan hat auch einen erheblichen Vorteil: Das Auto ist exklusiv ohne so angeberisch zu wirken wie manche italienischen Sportwagen, aber dabei so auffällig, dass es garantiert niemand klauen wird, denn wie und wo sollte man ein so seltenes Modell unbemerkt verkaufen?
Hin und wieder werden Sie mit ihrem Gefährt auch weitere Strecken zurücklegen wollen. Bei längeren Auto­bahn­fahrten stehen in der BRD rund 600 Auto­bahn­rast­stätten und Au­to­höfe zur Verfügung, in Österreich etwa 90 und in der Schweiz 36. Das gastronomische Angebot ist in aller Re­gel geradezu vor­züg­lich, auch wenn es natür­lich auf Massen­ab­fer­tigung ausgerichtet und damit wenig ex­klu­siv ist. Wei­ter­hin gibt es Ein­kaufs- und Über­­nach­tungs­mög­lichkeiten und natürlich Tank­­stellen, die allerdings oft recht teuer sind. Moderne Kom­mu­ni­ka­tions­mit­tel sind fast immer vor­han­den, ebenso saubere Toi­let­ten, Geldautomaten und in manchen An­la­gen neu­er­dings auch Konferenz- und Ver­an­stal­tungs­räume. Einige Rasthöfe haben sogar eine Autobahnkapelle. Die Öffnungszeiten reichen von morgens früh bis spät in die Nacht und ein Basis­angebot ist sogar rund um die Uhr verfügbar. In ländlichen Ge­gen­den ergibt sich damit ganz nebenbei auch eine Einkaufs­mög­lich­keit in den Tages­rand­stun­den.
Falls Sie sehr weite Strecken bewältigen müssen, dann können Sie eventuell einen Platz auf einem Au­to­zug zu buchen. Ab Hamburg bietet die Firma Urlaubs-Express (www.urlaubs-express.de) im Sommer Au­to­­zug­verbindungen nach Innsbruck, München, Vero­na und Villach an, außerdem gibt es die Strecke Düsseldorf - Verona. Im Winter wird ein Autotransport zwischen Hamburg oder Düsseldorf und München offeriert. Die ÖBB betreiben Autozug-In­lands­ver­bindungen von Feld­kirch nach Wien, Graz und Villach; dazu die Aus­­lands­­verbindungen von Wien nach Hamburg, Livorno und Verona, sowie von Innsbruck nach Düsseldorf. Über­nach­tet wird in den dem Zug bei­ge­stell­ten Liege- oder Schlafwagen, wobei es ver­schie­de­ne Kom­fortstufen gibt, vom ein­­fa­chen Lie­ge­wa­gen­platz bis zum De­luxe-Ab­teil mit Du­sche und WC. Gespeist wird im Re­stau­rant­wagen des Zuges. Und der Reiseveranstalter Optima Tours offeriert in den Som­mer­monaten auch Autozüge ab Vil­lach in die Türkei. An­ge­neh­­mer las­sen sich weite Strecken mit dem Auto wohl kaum über­brücken.
Der Vollständigkeit halber seien noch die Autozüge in Frankreich erwähnt, die jedoch in der Praxis keine große Rolle spielen. In Frankreich lau­fen praktisch alle Autozugverbindungen von und nach Paris in Rich­tung Südfrankreich (Côte d’Azur) und Autos und ihre Be­sitz­er reisen nicht im selben Zug. Stattdessen muss man sein Auto einen Tag vorher zum Ver­lade­bahn­hof brin­gen und einen Tag nach Ankunft am Zielbahnhof abholen. Bei so vielen Umständen ist es doch ein­fa­cher selbst zu fahren. Auch die (wenigen) Autozüge in der Slowakei, in Griechenland und einigen Balkanländern sind für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum nicht hilfreich.
Interessant sind jedoch ein paar Fährverbindungen, die die Reichweite des Autos nocheinmal erhöhen. Wer nach Spanien will, könnte ab Genua oder Savona mit einer Fähre nach Barcelona fahren (auch Marokko und das sizilianische Palermo werden von Fähren ab Genua angesteuert). Um nach Nordspanien zu gelangen, könnte man einen kleinen Umweg über Südengland machen und von Portsmouth mit der Fähre nach Santander (oder Bilbao) übersetzen. Liegt das Reiseziel in Griechenland, startet die Fährreise in Venedig oder Triest und führt nach Patras oder Igoumenitsa.
Zum Tanken in europäischen Nachbarländern sollte man folgendes wissen. In Skandinavien sind die Benzin- und Dieselpreise gewöhnlich höher als in der BRD, sodass man vor dem Grenzübertritt nochmal tanken sollte. Einen 10-Liter-Reservekanister kann man auch mitnehmen, jedoch erlauben die meisten Fährbetreiber keine vollen Kanister auf den Fährschiffen. Am teuersten ist das Tanken in Island; auf Platz zwei liegt Norwegen. Benzin ist in Schweden oft etwas günstiger als in Dänemark, bei Diesel ist es umgekehrt. In Finnland ist nur Diesel preiswerter, als in Schweden oder Dänemark, aber teurer als in der BRD. Und wer nach Norwegen will, sollte unbedingt vorher in Dänemark oder Schweden nachtanken.
In den Niederlanden sollte man nach Möglichkeit gar nicht tanken; Benzin und Diesel sind dort fühlbar teurer als in der BRD. In Belgien kostet Benzin ungefähr gleich viel wie in der BRD, aber Diesel ist deutlich teurer (sogar teurer als in den Niederlanden). Frankreich ist ebenfalls merklich teurer als die BRD (und Belgien), aber günstiger als Italien. Wer mit dem Auto nach Spanien reisen will, sollte vor der französischen Grenze volltanken und einen 10-Liter-Ersatzkanister mitnehmen. In Spanien sind die Tankstellenpreise dann wieder erschwinglich (vor allem in Andorra!). Portugal ist dagegen teuer. In der Schweiz ist nur Diesel teurer als in der BRD, aber billiger als in Italien.
Wer mit dem Auto nach Italien fährt, merkt schnell, dass die Treibstoffpreise in Italien deutlich höher sind als anderswo. Folglich sollte man auf jeden Fall bei der Durchreise in der Schweiz oder in Österreich tanken. Wer sich in Norditalien in Grenznähe zu einem der Nachbarländer (Frankreich, Schweiz, Österreich, Slowenien) bewegt, sollte nach Möglichkeit jenseits der Grenze tanken, wobei die Ersparnis in Frankreich am geringsten ist. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Diesel, jedoch ist die Ersparnis beim Tanken in Frankreich und in der Schweiz äußerst gering. Österreich und Slowenien sind jedoch auch bei Diesel günstig. Wer kann, legt seine Reiseroute über eine der beiden Zollfreizonen Livigno oder Samnaun, wo Benzin und Diesel unschlagbar preiswert sind. Und wer an der Adria unterwegs ist, sollte einen Tankstopp in San Marino einlegen; dort kosten Benzin und Diesel deutlich weniger als im umliegenden Italien. Im übrigen sollte man noch wissen, dass in Italien Benzin (ital. Benzina) und Diesel (ital. Gasolio) an den Tankstellen der (meist mautpflichtigen) Autobahnen am teuersten sind, dass man an Selbstbedienungs-Tankautomaten meist ein paar Cent sparen kann (nur Barzahlung, keine Karten) und dass das Mitführen von Benzinkanistern im Auto verboten ist.
Preiswert tankt man sowohl Benzin als auch Diesel in Luxemburg, Österreich, der Tschechei und in Osteuropa.
Sollten Sie beabsichtigen mit ihrem kontinentaleuropäischen Auto nach Großbritannien, Irland, Malta oder in ein anderes Land mit Linksverkehr zu reisen, dann sollten Sie sich vielleicht für das Spiegelsystem Krugozor der russischen Firma Uniaks Co. (www.pravorul.ru) interessieren. Mit einem Linkslenkerauto sitzen Sie in Großbritannien auf der dem Verkehr abgewandten Seite und können den (entgegen­kom­men­den) Ver­kehr vor sich nur eingeschränkt sehen. Vor allem bei Überholvorgängen ist das ein Problem. Das Spie­gel­system Krugozor ermöglicht Ihnen jedoch einen Blick nach vorne, auch ohne den Beifahrer bemühen zu müssen. Das System funktioniert ebenfalls bei britischen Autos mit Rechtslenker die auf den Kon­ti­nent fahren.
Übrigens sind in Großbritannien die Benzinpreise in etwa dieselben wie in der BRD und in Belgien (Frankreich ist teuer); Diesel ist in Großbritannien jedoch deutlich teurer und etwa genauso teuer wie in Frankreich und Belgien. Die Treibstoffpreise in Irland entsprechen ungefähr denen in der BRD. Und in Malta ist tanken auf jeden Fall günstiger als in Italien.

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